# taz.de -- Kolumne Liebeserklärung: Die Klimaretterin lauert im hohen Gras
       
       > Der Klimawandel scheint unaufhaltbar. Doch vom Südosten der USA aus
       > schickt sich ein kleines Tierchen an, die Menschheit zu retten.
       
 (IMG) Bild: Vielleicht eine bessere Klimaretterin als viele Politiker: Die Zecke, die Menschen zu Vegetariern macht
       
       Während die jungen Leute [1][für den Klimaschutz protestieren] und die
       alten Leute offenbar nichts auf die Reihe bekommen, um die Zukunft der
       Menschheit wirklich zu retten, taucht am Horizont ein Hoffnungsschimmer
       auf. Der Hoffnungsschimmer heißt Amblyomma americanum und ist eine Zecke.
       
       Einer der größten Klimakiller ist bekanntlich [2][die Neigung des Menschen
       zur karnivoren Ernährung]. Doch aus dem Südosten der USA naht Rettung: Die
       Lone-Star-Zecke übernimmt kurzerhand die Überzeugungsarbeit und macht mit
       einem Biss den Menschen zum Vegetarier. Denn im Speichel des kleinen
       Klimaretters ist ein Zuckermolekül mit dem schönen Namen
       Galactose-alpha-1,3-Galactose enthalten, das auch in rotem Fleisch
       vorkommt. Gelangt der Stoff ins Blut, produziert unser Immunsystem
       Antikörper, welche sich fortan im Magen der Zuckermolekül-Bekämpfung
       widmen.
       
       Für den gebissenen Menschen sind die Folgen zunächst einmal unerfreulich.
       Vom Ausschlag über Kurzatmigkeit bis hin zum unfreiwilligem Nahrungsauswurf
       reichen die Symptome, die einige Stunden nach dem Fleischverzehr auftreten.
       Bis der Auslöser identifiziert ist, machen die Betroffenen ihr Martyrium
       oft mehrfach durch. Linderung bringt nach aktuellem Stand der Medizin nur
       der Verzicht auf rotes Fleisch – Geflügel und Fisch sind noch erlaubt.
       
       Die Mission Klimarettung kann die Zecke mit dem gelben Tupfer auf dem
       Rücken gegenwärtig übrigens ausgerechnet durch den längst laufenden
       Klimawandel auf den Rest der USA ausweiten. Denn wärmere Temperaturen
       ermöglichen dem Lone Star erst die Erschließung neuer Lebensräume. In
       Europa gibt es die Zecke noch nicht. Aber Forscher haben Alpha-Gal, wie sie
       das fatale Zuckermolekül liebevoll nennen, bereits bei anderen Arten
       nachgewiesen – etwa beim Gemeinen Holzbock, der auch in Deutschland fleißig
       Menschen beißt.
       
       So leistet eine kleine Zecke ihren bescheidenen Anteil zur Rettung der
       Welt. Das ist mehr, [3][als wir scheinbar von den Meisten erwarten können,
       die eigentlich im großen Maßstab Dinge bewegen könnten]. Dafür sind wir der
       kleinen Zecke dankbar.
       
       27 Feb 2019
       
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 (DIR) Tammo Kohlwes
       
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