# taz.de -- Zugvögel und Klimawandel: Alle Vögel sind schon da
       
       > Zugvögel kommen rund eine Woche früher an, das belegt eine finnische
       > Studie. Der Klimawandel gefährdet besonders „Langstreckenzieher“.
       
 (IMG) Bild: Es wird auch für Zugvögel brenzlig. Außer für Wildgänse, die im Oderbruch überwintern
       
       Helsinki taz | Zum Frühling gehört der Ruf der Zugvögel, die in
       Keilformation über die menschliche Zivilisation hinwegschweben. Wegen der
       Erderhitzung sind sie immer früher da, [1][berichten nun Forscher*innen der
       Universität Helsinki im Fachjournal „Ecological Indicators“]. Sie haben
       langjährige Messungen von nordeuropäischen und kanadischen
       Vogelbeobachtungsstellen zu insgesamt 195 Arten verglichen.
       
       Mit dem Ergebnis, dass ein typischer Zugvogel um mehr als eine Woche früher
       aus seinem Winterquartieren zurückkommt als noch in den 1950er Jahren.
       Einige Arten weisen noch extremere Migrationszeiten auf: Singschwäne kämen
       inzwischen etwa zwei Wochen früher als in den 1980er Jahren in Finnland an.
       Insgesamt verlängert sich durch den Temperaturanstieg die Migrationszeit
       der Zugvögel.
       
       „Die Studie hat Ergebnisse zusammengetragen, die in Teilen bekannt waren“,
       sagt Lars Lachmann, der beim Naturschutzbund Deutschland (NABU) die Sparte
       Ornithologie und Vogelschutz leitet. „Die Hauptaussage ist aber der
       Unterschied zwischen Kurz- und Langstreckenziehern.“ Die finnischen
       Forscher*innen haben herausgefunden, dass sich die Ankunftszeit bei Vögeln,
       die im Frühjahr nur kurze Strecken aus dem Mittelmeerraum zurücklegen, pro
       Jahrzehnt um bis zu zwei Tage nach vorne verschoben hat. „Die
       Kurzstreckenzieher kriegen mit, wenn aus dem Norden ein laues Lüftchen
       weht“, erklärt Lachmann die Veränderung.
       
       Langstreckenzieher hingegen, die südlich der Sahara überwintern, kommen
       laut Studie jedes Jahrzehnt nur 0,6 bis 1,2 Tage früher an. Bei diesen
       Tieren verschiebe sich der Migrationszyklus langsamer, sagt der Ornitologe
       Lachmann. Denn sie migrieren nicht nach dem Wetter, sondern nach ihrem
       genetischen Kalender – und bekämen das gute Wetter im Norden einfach nicht
       mit. Zudem seien sie auf die Regenzeiten in Afrika angewiesen, um sich ein
       Futterpolster für den langen Flug anzufressen. Trauerschnäpper verpassen so
       in Europa die Zeit der Insektenlarven und können ihre Brut nicht ernähren.
       Dadurch geht die Zahl der Schnäpper zurück.
       
       ## Klimawandel zu schnell für einige Arten
       
       „Langstreckenzieher sind durch den Klimawandel besonders stark gefährdet,
       weil sie sich nicht so schnell an den wärmeren Frühling anpassen können“,
       sagt Lachmann. Wildgänse, die hierzulande in den Frühlingsmonaten häufig am
       Himmel zu sehen sind, profitieren hingegen von den wärmeren Temperaturen.
       Sie überwintern in Deutschland, brüten aber in der sibirischen Tundra. Im
       Winter rasten die Gänse nun an Elbe und Oder, anstatt weiter bis zum Rhein
       zu fliegen. Und können so den anstrengenden Flug verkürzen.
       
       Forscher*innen sollten den Trend nun bei anderen Migrationspopulationen
       analysieren, schreiben die Autor*innen der Studie rund um den
       federführenden Ornithologen Aleksi Lehikoinen vom Finnischen Museum für
       Naturgeschichte. Möglicherweise sind auch bei anderen Arten die
       Auswirkungen des Klimawandels direkt zu beobachten.
       
       27 Feb 2019
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1470160X19301013
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Elisabeth Nöfer
       
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