# taz.de -- Mobilitiäts-App „Jelbi“: Und app geht's!
       
       > Eine App namens Jelbi soll alle, die kein eigenes Auto wollen,
       > unkompliziert von A nach B leiten. Von der BVG bis zum Leihrad sind rund
       > 20 Anbieter dabei.
       
 (IMG) Bild: Großes Hallo mit „Jelbi“-Schals. In der vorderen Reihe von links nach rechts: Henrik Haenecke (BVG), Snezana Michaelis (Gewobag), Sigirid Nikutta (BVG), Peter Buchner (S-Bahn Berlin), Senatorin Regine Günther
       
       Die BVG hat so richtig was auffahren lassen – im wahrsten Sinne des Wortes:
       In einer der riesigen Omnibus-Werkstatthallen an der Weddinger Müllerstraße
       parkt am Montagvormittag ein Dutzend Pkws unterschiedlicher Car- und
       Ridesharing-Anbieter vor einem E-Bus-Prototyp des landeseigenen
       Unternehmens. In der ersten Reihe stehen Leihräder in allen Farben und
       Formen sowie einer der orangefarbenen E-Roller, die jetzt jeden Sommer
       durch die Stadt sirren.
       
       Dabei kann die Prominenz am Rednertisch gar nichts Handfestes bieten:
       Verkehrssenatorin Regine Günther, BVG-Chefin Sigri Nikutta und ihr
       Finanzvorstand Henrik Haenecke sowie Snezana Michaelis, Geschäftsführerin
       der Wohnungsbaugesellschaft Gewobag, sind gekommen, um eine App
       vorzustellen, die es noch gar nicht gibt. Aber wenn sie in ein paar Monaten
       heruntergeladen werden kann, soll sie eine kleine Revolution im Nahverkehr
       lostreten: die ultimative Vernetzung aller Angebote. Ein „Meisterstück“,
       wie Nikutta findet.
       
       Ihr Corporate Design und einen Namen hat die Anwendung immerhin schon:
       Jelbi. Was erst mal irgendwie niedlich und smart klingt, ist bei genauerem
       Hinsehen ein kleiner Rückfall aufs Icke-Dufte-Stulle-Niveau: „Von
       Berlinerisch ‚Jelb‘ für ‚Gelb‘“ leite sich Jelbi ab, bekommt man erklärt.
       Gelb, weil das die Farbe der BVG ist, die das Kooperationsprojekt von mehr
       als 20 Partnerunternehmen angeschoben hat. Programmiert wird die App vom
       Softwareentwickler Trafi, der eine vergleichbare Mobilitätsplattform
       bereits für die litauische Hauptstadt Vilnius geschneidert hat.
       
       „Wir tun alles dafür, dass Sie sich ohne eigenen Pkw weiterbewegen können“,
       verkündet Henrik Hänicke und spannt einen großen Bogen: Bei der Gründung
       der BVG zum 1. Januar 1929 habe der damalige Gesamtberliner
       Verkehrsstadtrat Ernst Reuter den Einheitsfahrschein durchgesetzt – was dem
       vorherigen Tarifwirrwarr von U-Bahn, Tram und Bus nachhaltig ein Ende
       bereitete.
       
       ## Die große Vereinfachung
       
       Jetzt gehe es wieder um eine solche Vereinfachung: Statt 18 Mobilitätsapps
       oder noch mehr reiche künftig mit Jelbi eine einzige, um von A nach B zu
       kommen, egal ob im Doppeldecker, im Taxi oder auf dem Mietrad. Der
       Algorithmus kombiniere alles unter verschiedenen Gesichtspunkten – der
       Schnelligkeit, dem Preis, aber beispielsweise auch der Bereitschaft, bei
       schönem Wetter auf ein Zweirad zu steigen. Bezahlt wird ebenfalls über die
       App, das Geld fließt dann den jeweiligen Partnerfirmen zu. Bis Ende 2021
       ist Jelbi vorerst gesichert.
       
       Und dann? „Wir können uns nicht vorstellen, dass es nicht weitergeht“, sagt
       Hänicke. Im Gegenteil: Die Plattform sei offen für alle, weitere Anbieter
       willkommen. Tatsächlich fällt auf den zweiten Blick ins Auge, dass die
       großen Free-Floating-Carsharer, hinter denen Autokonzerne stehen, fehlen:
       Weder car2go (Mercedes) noch DriveNow (BMW) sind bis jetzt mit von der
       Partie, dabei bieten sie zusammen gut 2.500 Pkws in der Stadt an und wollen
       in Kürze als Joint Venture gemeinsam auftreten. Ob sie bei Jelbi
       einsteigen, ist völlig offen, aber nicht unerheblich für die bestmögliche
       Vernetzung aller, die kein eigenes Auto mehr wollen.
       
       Dass Snezana Michaelis von der Gewobag mit von der Partie ist, obwohl
       Immobilien (!) ihr Geschäft sind, hat einen einfachen Grund: Die
       landeseigene Gesellschaft mit Häusern und Siedlungen in den meisten
       Bezirken steht bereit, um dem „Offline-Zwilling“ von Jelbi Raum zu geben:
       den sogenannten „Mobilitätshubs“. Vorstellen muss man sie sich als
       Parkplätze an Gewobag-Wohnanlagen in U- oder S-Bahn-Nähe, auf denen
       Fahrzeuge des Car- oder Bike-Sharing auf NutzerInnen warten.
       
       Der erste „Hub“ (vom englischen Wort für „Radnabe“ im Sinne einer zentralen
       Verteilerstelle) wird schon am U-Bahnhof Prinzenstraße gebaut, die nächsten
       beiden sollen am U-Bahnhof Jakob-Kaiser-Platz und der Kreuzung
       LandsbergerAllee/Petersburger Straße entstehen.
       
       18 Feb 2019
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Claudius Prößer
       
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