# taz.de -- Initiator über „Lindenstraße“-Demo: „Wir sind verärgert und verzweifelt“
       
       > Jörg Flöttl ist Mitorganisator einer Demo gegen die Absetzung der
       > „Lindenstraße“. Er rechnet am Samstag in Köln mit hunderten Teilnehmern.
       
 (IMG) Bild: Haben die ProtestlerInnen keinen Erfolg, läuft 2020 die letzte Folge der „Lindenstraße“
       
       Herr Flöttl, kurz nachdem die ARD das [1][Ende der „Lindenstraße“]
       ankündigte, gründeten Sie mit weiteren Fans der Vorabendserie die
       Initiative [2][„Lindenstraße muss bleiben“]. Für Samstag rufen Sie zur Demo
       in der Kölner Innenstadt auf. Wie laufen die Vorbereitungen? 
       
       Jörg Flöttl: Gut! Wir rechnen mit ungefähr 500 Besuchern, die aus ganz
       Deutschland, sogar der Schweiz und Österreich anreisen wollen. Es soll auch
       nicht bei dieser einen Demo bleiben. Wir planen im Februar eine weitere in
       München und nochmal eine in Köln.
       
       Was bedeutet Ihnen die Lindenstraße, dass Sie bereit sind, für die Serie
       auf die Straße zu gehen? 
       
       Die Welt. Ich bin mit ihr groß geworden. Jeden Sonntagabend, vom kleinen
       Kind bis zur Oma, alle vorm Fernseher. Das hat zusammengeschweißt. Da
       steckt so viel Tradition, Heimatgefühl drin. Die „Lindenstraße“ ist einfach
       Teil meines Lebens.
       
       ARD-Programmdirektor Volker Herres begründete das Ende der Serie damit,
       dass sie den gesellschaftlichen Wandel nicht mehr adäquat abbilde. Wie
       sehen Sie das? 
       
       Die „Lindenstraße“ hat von Anfang an moderne politische Themen aufgegriffen
       und den Finger in die Wunde gelegt, Missstände thematisiert und den Fokus
       auf Minderheiten gerückt. Zuletzt hatte ein Charakter sein Coming Out als
       transexuell, 1990 war in der „Lindenstraße“ der erste Fernseh-Kuss eines
       schwulen Paars zu sehen. Flüchtlinge sind auch ein großes Thema. Da bekommt
       man als Zuschauer die Gelegenheit, die eigenen Vorurteile zu hinterfragen.
       Die „Lindenstraße“ hat einiges enttabuisiert und Geschichten von Menschen
       erzählt, mit denen viele Zuschauer, gerade auch die Älteren, in ihrem
       Alltag nicht in Berührung kommen. Sowas ist wichtig, besonders in Zeiten
       des Rechtsrucks.
       
       Ist es das, was Sie meinen, wenn Sie auf Ihrer Website schreiben, dass die
       „Lindenstraße“ eine zentrale Aufgabe in der bundesdeutschen Sozialisation
       übernimmt? 
       
       Damit meine ich, dass die „Lindenstraße“ der Gesellschaft die Möglichkeit
       gibt, sich weiterzuentwickeln.
       
       Woran liegt es denn Ihrer Meinung nach, dass die Serie eingestellt wird? 
       
       Die sinkende Quote wird da immer wieder angeführt, aber natürlich ist die
       niedriger geworden. Die ganze Fernsehlandschaft hat sich ja verändert.
       Viele schauen im Internet, die Konkurrenz ist größer geworden und es gibt
       so viele andere Medien, die man nutzen kann. Der ARD ist die Serie zu teuer
       geworden, an andere Stelle wird dann aber Geld rausgeblasen. In den letzten
       Jahren hat das Erste versäumt oder extra darauf verzichtet, die
       „Lindenstraße“ vernünftig zu bewerben. Ich kann mir vorstellen, dass die
       Absetzung politisch motiviert ist. Die „Lindenstraße“ ist durch ihre Kritik
       an der Gesellschaft für manche eine unbequeme Sendung. Das gefällt
       vielleicht nicht allen.
       
       Die allerletze Folge der Serie soll erst 2020 laufen. Ist das nicht genug
       Zeit, auch persönlich mit der „Lindenstraße“ abzuschließen und sich einen
       Ersatz zu suchen? 
       
       Das ist schwierig, denn es gibt nichts Vergleichbares. Das ist ja eine
       Verbindung, die über Jahrzehnte entstanden ist. Und es geht vielen so. Wir
       sind eine riesige Fangemeinschaft und wollen das nicht hinnehmen. Und wenn
       die ARD bei ihrer Entscheidung bleibt, werden wir weiter kämpfen. Wir sind
       verzweifelt und verärgert und möchten das auch zum Ausdruck bringen.
       
       Sind Sie auch sonst ein politischer Mensch, der oft auf Demos geht? 
       
       Ich bin politisch interessiert aber nicht so, dass ich auf die Straße gehe,
       gar irgendetwas organisiere. Aber die „Lindenstraße“ liegt mir so am
       Herzen, dass ich dafür sogar Urlaubstage opfere. Und in gewisser Weise ist
       es ja auch ein politischer Protest. Die „Lindenstraße“ hat zu vielen
       gesellschaftlichen Themen klar Stellung bezogen, besonders gegen Rechts.
       Dieses Format darf jetzt einfach nicht fehlen.
       
       18 Jan 2019
       
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