# taz.de -- Schweden weiter ohne Regierung: Kristersson verliert Abstimmung
       
       > Seit zwei Monaten versuchen die Parteien in Schweden, eine Regierung zu
       > bilden. Doch eine Mehrheit im Parlament ist nicht in Sicht.
       
 (IMG) Bild: Der Moderaterna-Chef Ulf Kristersson ist nicht begeistert über das Ergebnis der Abstimmung
       
       Stockholm dpa | Der Chef der Partei Moderaterna, Ulf Kristersson, hat am
       Mittwoch die Wahl zum Ministerpräsidenten im schwedischen Parlament
       verloren. 195 von 349 Abgeordneten stimmten gegen den 54-Jährigen. „Das ist
       ein schwerer Tag“, sagte Kristersson. „Dies ist wahrscheinlich die
       schwerste Krise in der Allianz, die ich miterlebt habe, seit ich in der
       Politik bin.“ Der konservative Politiker wollte gemeinsam mit den
       Christdemokraten eine Minderheitsregierung bilden.
       
       Bei der Parlamentswahl am 9. September war Kristersson als Spitzenkandidat
       eines Vierparteienbündnisses gegen die rot-grüne Koalition von
       Ministerpräsident Stefan Löfven angetreten. Doch keines der beiden
       politischen Lager kam auf eine Mehrheit im Reichstag. Die
       rechtspopulistischen Schwedendemokraten, die rund 18 Prozent der Stimmen
       bekamen, halfen Kristerssons bürgerlicher Allianz, Löfven als
       Ministerpräsidenten abzuwählen. Doch als Mehrheitsbeschaffer für eine
       konservative Minderheitsregierung sind sie nicht willkommen.
       
       Kristerssons traditionelle Partner, die Zentrumspartei und die Liberalen,
       stimmten am Mittwoch gegen ihn, weil sie nicht in einer Regierung sitzen
       wollen, die mit den Stimmen der Rechtspopulisten an die Macht kam. „Bei
       dieser Abstimmung geht es nicht um Ulf Kristersson als Ministerpräsidenten,
       sondern darum, den Schwedendemokraten keinen entscheidenden Einfluss zu
       geben“, meinte die Chefin der Zentrumspartei, Annie Lööf. Kristersson sei
       weiterhin Ihr Kandidat.
       
       Doch der Moderatenchef war enttäuscht: „Es ist ein einzigartiges Ereignis,
       dass die Bündnisparteien gegen einen bürgerlichen Ministerpräsidenten
       stimmen“, sagte Kristersson.
       
       Doch noch ist das Porzellan nicht zerschlagen. Annie Lööf ist bereit, als
       Nächste Sondierungsgespräche zu führen, wenn sie vom Parlamentsvorsitzenden
       dazu den Auftrag bekommt. Sie selbst sei aber nicht am Posten des
       Ministerpräsidenten interessiert, versicherte sie. Lööf plädiert für eine
       blockübergreifende Zusammenarbeit und hält auch den Sozialdemokraten und
       den Grünen die Tür auf. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass der nun
       geschäftsführende Ministerpräsident Stefan Löfven doch weiterregieren kann.
       
       Der Parlamentspräsident kündigte an, bereits am Donnerstag mit den
       Vorsitzenden aller Parteien sprechen zu wollen. Anschließend werde er
       mitteilen, wie es weitergehen soll, sagte Andreas Norlén. Den Regeln nach
       kann das Parlament viermal über einen Ministerpräsidenten abstimmen, bevor
       es zu Neuwahlen kommt.
       
       14 Nov 2018
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schweden
 (DIR) Ministerpräsident
 (DIR) Schwedendemokraten
 (DIR) Schweden
 (DIR) Schweden
 (DIR) Schweden
 (DIR) Schweden
 (DIR) Schwedendemokraten
 (DIR) Schweden
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Neue schwedische Mitte-rechts-Regierung: Kein orbanesker Regimewechsel
       
       Kristersson braucht die Rückendeckung der Rechtspopulisten. Was er er ihnen
       im Gegenzug anzubieten hat, steht auf einem anderen Blatt.
       
 (DIR) Regierungsbildung in Schweden: Die Sozialliberale soll es richten
       
       Annie Lööf lässt den Nationalisten Rassismus nicht durchgehen. Die
       Zentrumspartei-Chefin könnte Schwedens erste Ministerpräsidentin werden.
       
 (DIR) Schwierige Regierungsbildung: Eine Woche Zeit zur Schwedenrettung
       
       Annie Lööf von der Zentrumspartei soll verhindern, dass Rechtspopulisten
       mitregieren. Eine andere Machtoption ist gescheitert.
       
 (DIR) Nach Parlamentswahl in Schweden: Löfven verliert Vertrauensvotum
       
       Schwedens Regierungschef Stefan Löfven ist nicht durch die Mehrheit der
       Parlamentarier gestützt. Das ergab eine Abstimmung der neu gewählten
       Abgeordneten.
       
 (DIR) Kommentar Wahl in Schweden: Der Frust hält sich in Grenzen
       
       Bei der Parlamentswahl in Schweden ist der große Knall ausgeblieben. 82,4
       Prozent haben die Rechtspopulisten nicht gewählt.
       
 (DIR) Parlamentswahl in Schweden: Der Rechtsruck hält sich in Grenzen
       
       Die Sozialdemokraten bleiben stärkste Partei. Die Rechten wachsen weniger
       als vorhergesagt. Jetzt steht eine schwierige Regierungsbildung bevor.