# taz.de -- Neues Album der Kanadierin Foxtrott: Beim ersten Hören direkt ins Herz
       
       > Die Produzentin Foxtrott aus Montreal hat mit „Meditations I-II-II“ ein
       > tiefenentspannt prickelndes Elektronikalbum veröffentlicht.
       
 (IMG) Bild: Hélène L. Delorme alias Foxtrott in Oaxaca/Mexiko
       
       Gründe, mit dem Musikmachen anzufangen, gibt es viele. Marie-Hélène L.
       Delorme aus dem kanadischen Montreal begann unter dem Namen Foxtrott Songs
       zu komponieren, um ihren Ängsten beim Erwachsenwerden entgegenzutreten. Das
       habe gut geklappt, sagt die 32-Jährige. Nach Veröffentlichung ihres
       Debütalbums [1][„A Taller Us“] (2015) und der anschließenden Tour fühlte
       sie sich emotional gefestigt, kam innerlich zur Ruhe.
       
       Auf ihrem nun veröffentlichten zweiten Album „Meditations I-II-III“
       untersucht Foxtrott, wie sie ihr Innenleben mit der Außenwelt in Beziehung
       setzen kann. Das klingt überhaupt nicht verkopft, sondern trifft schon beim
       ersten Hören direkt ins Herz und bewegt auch sofort das [2][Tanzbein].
       Lange Zeit arbeitete Delorme als Tonmeisterin für Filme. Man hört das ihrem
       [3][Sound] an, der sich durch Detailreichtum und Raffinesse in der Mischung
       auszeichnet.
       
       Im Song „Intuition“ singt sie über immer wiederkehrende, verschnupft
       hypnotische Pianoakkorde, die bald von Synthiekaskaden und Drumsounds mit
       Orff’scher Rhythmik akzentuiert werden, mit spröder, bisweilen an die
       Hamburger Künstlerin Sophia Kennedy erinnernder Stimme: „Let the waves come
       to me, rearrange and free what I’ve been holding my whole life.“
       
       ## Kraft der Wellen
       
       Die neu ordnende und befreiende Kraft von Wellen macht Foxtrott hörbar, in
       dem sie den Text dicht aneinander schneidet. „With you I’m home and I’m
       well“ singt sie weiter und meint damit die Intuition, doch auch die
       Zuhörerin kommt innerlich zur Ruhe und fühlt sich angenehm befreit.
       Foxtrott begreift zu Hause, oder größer gefasst, die Heimat als einen
       inneren Zustand, ein Gefühl. Und riechen sollte es dort gut.
       
       Die ersten beiden Teile der Synthpop-gewordenen Meditationen
       veröffentlichte Foxtrott im Lauf des Sommers als EPs, die sie jetzt
       zusammen mit dem dritten Teil als Album veröffentlicht. Produziert und
       eingespielt hat sie „Meditations I-II-III“ in der mexikanischen Stadt
       Oaxaca: Vogelgezwitscher und Polizeisirenen, die beim Aufnehmen im mobilen
       Ministudio durchs Fenster hereindrangen, sind in mehreren Songs zu hören.
       
       Das ist die reale Entsprechung der Fenstermetapher, die sie auf die
       „Meditations“ anwendet. Sie plädiert für die geöffnete Variante, ist der
       Welt zugewandt. Sich zu öffnen und Gefühle preiszugeben birgt die Gefahr,
       verletzt zu werden, denn die Welt ist wundervoll und grausam zugleich, wie
       sie sagt. Aber Gegensätze wie Liebe und Angst, individuelle Bedürfnisse und
       Beziehungsnetze, das Innere und das Äußere gehören für Delorme zusammen und
       in Beziehung gesetzt.
       
       ## Selbstbewusstes Shuffeln
       
       Ihre Meditationen transportieren diese Überlegungen in Musik und Texten auf
       ganz simple, einleuchtende Weise: Sie strotzen vor Kraft und
       Selbstbewusstsein und wirken gleichzeitig zart und verletzlich. Im Song
       „Wait“ muss erst einmal alles warten, bis sie sich ihrer Rolle in einer
       Beziehung und generell ihrer Gefühle bewusst ist, umgesetzt hat sie das in
       einen shuffelnden Elektronik-Beat, der einerseits nach vorn drängt und
       zugleich zum Innehalten einlädt. Sirenenartige Sounds fordern zum Handeln
       auf, während ihre tiefe Stimme zur Ruhe gemahnt.
       
       Die atemberaubende Erkenntnis, im Gegenüber die Person gefunden zu haben,
       bei der man sich sicher, aber nicht eingeengt fühlt, transportiert sie im
       Song [4][„Better with you“] mit einem pulsierenden Herzschlagbeat mit
       Schnappatmung, der Text „Just take me to a place / You know where I can
       lean … / within your embrace I know that I can breathe“ kulminiert in einem
       strudelig mantrisch wiederholten „Better with you“. Und tatsächlich:
       „Meditations I-II-III“ versetzen einen an einen Ort, an dem alles besser
       ist. Und gut riechen tut es dort auch.
       
       1 Nov 2018
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] ttps://www.youtube.com/watch?v=OMeH6nHFi6k
 (DIR) [2] https://www.youtube.com/watch?v=FL3UohpWpFE
 (DIR) [3] https://www.youtube.com/watch?v=fgZ9DhCPTVA
 (DIR) [4] https://www.youtube.com/watch?v=F0BDId7Utjg
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sylvia Prahl
       
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