# taz.de -- Kommentar Bioland und Lidl: Die Umwelt profitiert
       
       > Das kostbare Biosiegel jetzt beim umstrittenen Discounter? Was erst nach
       > Kritik schreit, hat Vorteile. Trotzdem muss Bioland wachsam bleiben.
       
 (IMG) Bild: Bio-Bouletten für alle: Lidl und Bioland kooperieren
       
       Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein Pakt mit dem Teufel. Der
       Ur-Ökoverband Bioland stellt sein kostbares Siegel dem bis in die Knochen
       konventionellen Discounter Lidl für dessen Bio-Eigenmarke zur Verfügung.
       Dabei nutzt Lidl regelmäßig seine gigantische Marktmacht, [1][um
       Lieferanten im Preis zu drücken]. Ein Deal mit dem größten Discounter kann
       ja [2][nur Verrat] sein, oder?
       
       Auf den zweiten Blick ist es nicht ganz so einfach. Denn was würde
       passieren, wenn Bioland nicht mit Lidl zusammenarbeiten würde? Der
       Discounter böte wohl weniger Bioprodukte als jetzt geplant an. Und die, die
       er anbietet, würden weiter nur nach dem gesetzlichen Mindeststandard
       erzeugt, also zum Beispiel ohne chemisch-synthetische Pestizide. Bioland
       hingegen ist strenger, etwa was die Zahl der Tiere pro Stall und Regeln
       gegen [3][umweltschädliche Überdüngung] angeht. Weniger Bio und niedrigere
       Standards – davon hätte niemand etwas. Wenn Lidl nun mehr Bio und mehr
       Bioland-Qualität verkauft, dann profitiert davon die Umwelt. Falls dadurch
       auch der Markt insgesamt wächst, könnten mehr Bauern auf Bio umstellen.
       
       Aber der Deal hat auch immense Risiken. Vor allem für die
       Bio-Fachgeschäfte, die über Jahrzehnte maßgeblich dazu beigetragen haben,
       dass Bioland eine so weit verbreitete und bekannte Marke ist. Sie haben
       lange als Einzige diese Waren verkauft. Dieses Alleinstellungsmerkmal
       verlieren sie jetzt endgültig.
       
       Auch für die Bauern birgt die Kooperation Gefahren, denn Bioland macht sich
       abhängig von Lidl. Diese Abhängigkeit wird nicht gerade klein sein, weil
       die 3.200 deutschen Filialen des Discounters für Bioland-Verhältnisse
       gewaltige Mengen abnehmen werden. Viele Biolandbauern werden darauf
       angewiesen sein, dass Lidl weiter ihre Ware kauft.
       
       Der aktuelle Vertrag mit dem Discounter mag für die Bioland-Lieferanten
       günstig sein. Aber er wird irgendwann auslaufen. Und dann könnte der
       mächtige Abnehmer seine altbekannten Daumenschrauben auch bei Bioland
       anziehen.
       
       12 Oct 2018
       
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