# taz.de -- Kommentar Diesel-Fahrverbot in Berlin: Abkühlen unwahrscheinlich
       
       > Der Diesel-Kompromiss der Großen Koalition sollte Fahrverbote verhindern,
       > doch ein Berliner Gericht hat anders entschieden. Der Druck steigt.
       
 (IMG) Bild: Keine Durchfahrt für Diesel-Fahrzeuge
       
       Ein Fahrverbot für Diesel-Pkws auf der Friedrichstraße – kommt es dazu
       wirklich, geht die Bedeutung weit über Berlin hinaus. Ein Premiumprodukt
       der deutschen Industrie darf im Zentrum der eigenen Hauptstadt nicht mehr
       benutzt werden – wem will man das erklären?
       
       Nicht nur die rot-rot-grüne Landesregierung der Hauptstadt steckt
       angesichts der [1][Entscheidung des Berliner Verwaltungsgerichts] in der
       Bredouille, auch wenn diese noch nicht rechtskräftig ist. Prekärer wird die
       Lage auch für die Bundesregierung, besonders für Verkehrsminister Andreas
       Scheuer (CSU), und die Autohersteller BMW, Daimler, Volkswagen. Erst in der
       vergangenen Woche einigte sich die Große Koalition [2][auf einen
       Diesel-Kompromiss]. Das Ziel lautet, Fahrverbote, die die Wähler*innen im
       täglichen Leben beeinträchtigen, zu vermeiden.
       
       Man wollte das Problem eindämmen, indem die vermeintliche Lösung auf 14
       besonders betroffene Städte mit hoher Luftbelastung durch dreckige Diesel
       konzentriert wird. Dort bekämen gut eine Million Diesel-Besitzer lukrative
       Zuschüsse zum Kauf neuerer, sauberer Wagen oder eine Nachrüstung ihres
       alten Gefährts mittels Katalysator. Fall erledigt. Doch so funktioniert
       das nicht.
       
       Denn Berlin gehörte bisher nicht zu den 14 Problemstädten. Die Sache zieht
       Kreise. Weitere Kommunen mit ähnlichen Gerichtsentscheidungen könnten
       folgen. Wie in Berlin klagt die Umwelthilfe in mehr als zwei Dutzend
       weiteren Städten, darunter Bonn, Köln, Dortmund, dem halben Ruhrgebiet.
       
       ## Zusätzliche Nachrüstungen notwendig
       
       Hunderttausenden, vielleicht Millionen Diesel-Besitzern zusätzlich müssten
       Regierung und Industrie das Umtausch- und Nachrüstangebot machen. Die
       Kosten steigen stark. Umgekehrt dürfte die Bereitschaft der Autokonzerne
       abnehmen, denjenigen Autohaltern einen Stickoxid-Katalysator zu bezahlen,
       die sich keinen neuen Wagen leisten können.
       
       Anstatt abzukühlen, wird sich der Konflikt wohl verschärfen. Damit steigt
       der Druck auf die Regierung, anstatt einer halbgaren eine solide Lösung zu
       präsentieren. Diese muss die Verpflichtung für die Hersteller beinhalten,
       alle von Fahrverboten bedrohten Wagen auf Firmenkosten nachzurüsten.
       
       9 Oct 2018
       
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