# taz.de -- Nach dem Brandbrief des Bahnchefs: Selbstkritik kommt gut an
       
       > Verkehrsverbände fordern mehr Geld vor allem für den Netzausbau – und
       > eine neue Strategie für den bundeseigenen Konzern.
       
 (IMG) Bild: Nur knapp 76 Prozent der Züge waren im August pünktlich
       
       Berlin taz | Der Brandbrief des Vorstands der Deutschen Bahn hat erreicht,
       was er sollte: Er hat nicht nur die Führungskräfte des Konzerns auf
       Eingriffe vorbereitet. Vor allem hat er pünktlich zur Haushaltsdebatte eine
       verkehrspolitische Diskussion angefacht.
       
       Am Dienstag forderten SPD und Grüne Verkehrsminister Andreas Scheuer von
       der CSU auf, sich mehr um das bundeseigene Unternehmen zu kümmern. Parallel
       dazu machten acht Verkehrsverbände in einer gemeinsamen Erklärung deutlich,
       wie das im Sinne von Umwelt, Mitarbeitenden und Kund_innen aussehen könnte.
       Ihre Analyse fiel dabei durchaus differenziert aus.
       
       So hieß es, die Bundesregierung lege immerhin eine „neue Ernsthaftigkeit“
       beim sogenannten Deutschland-Takt an den Tag. Die bundesweite Abstimmung
       von Fern- und Nahverkehr mit Bussen und Güterbahnen ist neben einer
       halbierten Schienenmaut und mehr Innovationsförderung schon lange eine
       zentrale Forderung der Verbände. Zudem gebe es wieder eine eigene
       Eisenbahnabteilung im Verkehrsministerium und ein klares Ziel bei den
       Fahrgastzahlen: eine Verdopplung bis 2030.
       
       Bei den Rahmenbedingungen dafür sehe es dagegen mau aus. „Wenn die
       Bundesregierung es ernst meint mit der Verlagerung des Verkehrs auf die
       Schiene, muss sie für einen fairen Wettbewerb zwischen den Verkehrsmitteln
       sorgen“, sagte Matthias Stoffregen vom Bündnis für fairen Wettbewerb im
       Schienenverkehr. Die Züge zahlten aber auf jeder Strecke Trassengebühren,
       während die Maut nur für manche Fahrzeuge auf manchen Straßen gelte.
       Urlaubsflüge seien gar von der Kerosinsteuer befreit.
       
       Vor allem verlangen die Verbände mehr Geld, etwa für den Netzausbau. Nach
       dem neuen Haushaltsentwurf sollen die Mittel für die Schiene aber bis 2021
       wieder sinken, während in der gleichen Zeit für den Neubau von Autobahnen
       Rekordsummen eingeplant sind. Hier müsse es mehr Kostengerechtigkeit geben.
       „Das Netz ist der entscheidende Faktor“, sagte Frank Zerban,
       Hauptgeschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft
       Schienenpersonennahverkehr.
       
       Am Montag war ein vom gesamten Bahnvorstand unterzeichnetes Schreiben von
       Bahnchef Richard Lutz an die mehreren Tausend Bahnmanager_innen bekannt
       geworden. Darin analysiert er die Probleme des Unternehmens überraschend
       offen: Nicht einmal 76 Prozent der Züge waren im August pünktlich, der
       Konzern ist nach bereits zweimal gesenkten Gewinnerwartungen immer noch 160
       Millionen Euro von seinem Ziel entfernt, der Schuldenberg liegt mit 19,7
       Milliarden Euro nahe an der vom Bund vorgegebenen Obergrenze von 20,4
       Milliarden. Lutz schreibt von „breiten und tiefen operativen Schwächen“.
       
       Seine Strategie: Zum einen kündigte der Bahn-Chef eine „qualifizierte
       Ausgabensteuerung“ an. Diese soll das Zusammenspiel der derzeit von
       „Ressort-Egoismen“ geprägten einzelnen Geschäftsfelder des Konzerns
       kontrollieren und verbessern. Zum anderen rief er dazu auf,
       zusammenzustehen und „gemeinsam zu kämpfen“. Je nachdem, was er damit
       wirklich meint, darf er bei den Verbänden wohl auf Mitstreiter zählen.
       
       11 Sep 2018
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Beate Willms
       
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