# taz.de -- Haftentlassungen von NSU-Unterstützern: Wohlleben kommt vielleicht frei
       
       > Der NSU-Unterstützer Ralf Wohlleben könnte schon im August freikommen.
       > Gegen das Urteil im Fall Eminger geht die Bundesanwaltschaft in Revision.
       
 (IMG) Bild: Bald frei? NSU-Unterstützer Ralf Wohlleben im Münchner NSU-Prozess
       
       Berlin taz | Dem 500-Einwohner-Dorf Mattstedt nordöstlich von Weimar steht
       ein unangenehmes Ereignis bevor: Am 25. August wollen Neonazis hier das
       nächste große Rechtsrock-Festival in Thüringen abhalten, mehrere tausend
       Besucher werden erwartet. Darunter könnte auch ein Star der Szene sein:
       Ralf Wohlleben, als NSU-Unterstützer seit 2011 in Haft, kommt
       voraussichtlich schon im August frei. Zwar verurteilte ihn das
       Oberlandesgericht München wegen Beihilfe zum Mord zu einer [1][Haftstrafe]
       von zehn Jahren, da er davon jedoch schon mehr als zwei Drittel verbüßt
       hat, kann diese zur Bewährung ausgesetzt werden. Seine Anwälte haben
       dementsprechend nun die sofortige Freilassung ihres Mandanten beantragt,
       [2][wie die Süddeutsche Zeitung aus Justizkreisen erfuhr].
       
       Wohlleben war in den neunziger Jahren zu einem der führenden Köpfe der
       Thüringer Neonaziszene aufgestiegen, er war Sprecher der Landes-NPD und
       Vorsitzender des Kreisverbands Jena. Gemeinsam mit Beate Zschäpe, Uwe
       Mundlos und Uwe Böhnhardt war er in den Neonazi-Gruppen Thüringer
       Heimatschutz und Kameradschaft Jena aktiv. Das Gericht sah es als erwiesen
       an, dass er die Waffe organisiert hatte, mit dem der NSU zwischen 2000 und
       2006 neun rassistische Morde verübte. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn in
       ihrem Plädoyer als „Chef-Unterstützer“ des Trios bezeichnet.
       
       Im München [3][hatte sich Wohlleben von Szene-Anwälten vertreten lassen],
       die versucht hatten, den Prozess mit immer wieder neuen Anträgen
       auszubremsen. Er selbst schwieg im Prozess. Aus dem Gefängnis heraus gab er
       Anweisungen für die Thüringer Neonaziszene und hielt den Kontakt zu
       Kameraden, insbesondere zum umtriebigen Kader Steffen R., der auch das
       Konzert in Mattstedt angemeldet haben soll. Die Szene dankte es ihm unter
       anderem mit der Kampagne „Freiheit für Wolle“, organisierte
       Solidaritätskonzerte und Spendensammlungen.
       
       „Es ist naheliegend, dass Wohlleben die Veranstaltung in Mattstedt nutzen
       wird, um seinen Unterstützern zu danken und sich feiern zu lassen“, sagt
       die Thüringer Linken-Abgeordnete Katharina König-Preuss, die die Szene seit
       Jahren kennt. Sie vermutet, dass Wohlleben nicht nach Jena zurückkehren
       wird, sondern in den Landkreis Saalfeld-Rudolstadt zieht, wo seine Familie
       mittlerweile wohnt und viele seiner engen Unterstützer aktiv seien. Es sei
       zu erwarten, dass Wohlleben „sehr zeitnah“ seine politischen Aktivitäten in
       Thüringen fortsetzen werde.
       
       ## Stärkung für die rechte Szene
       
       „Für die rechtsextreme Szene bedeutet seine Rückkehr eine deutliche
       Stärkung“, sagt König-Preuss. Sie befürchtet, dass der NSU-Komplex nach
       Ende des Münchner Prozesses aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden
       werde, während die lokalen Netzwerke weiterhin existieren.
       
       Genährt werden diese Befürchtungen auch davon, dass durch das Urteil in
       München sehr wahrscheinlich geworden ist, dass die momentan noch laufenden
       Ermittlungen gegen weitere mutmaßliche NSU-Unterstützer bald eingestellt
       werden. Denn das Gericht kam überraschend zu der Auffassung, dass der
       Mitangeklagte [4][André Eminger], obgleich einer der engsten Vertrauten des
       Trios, nichts von den Morden gewusst habe. Damit wird es äußerst schwierig,
       den anderen mutmaßlichen Unterstützern, darunter Emingers Frau Susann,
       dieses Wissen nachzuweisen.
       
       André Eminger, den seine Verteidiger in ihrem Plädoyer als
       „Nationalsozialist mit Haut und Haar“ bezeichnet hatten, war mit einer
       Strafe von zweieinhalb Jahren davon gekommen und noch am Urteilstag aus der
       Untersuchungshaft entlassen worden. Die Bundesanwaltschaft kündigte am
       Montag an, gegen dieses Urteil Revision einzulegen.
       
       17 Jul 2018
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Urteil-im-NSU-Prozess/!5521706
 (DIR) [2] http://www.sueddeutsche.de/politik/nsu-prozess-baldige-rueckkehr-nach-jena-1.4057033
 (DIR) [3] /Ralf-Wohlleben-im-NSU-Prozess/!5504060
 (DIR) [4] /Urteil-im-NSU-Prozess-fuer-Andre-Eminger/!5517433
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Malene Gürgen
       
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