# taz.de -- Urteil wegen Korruption in Pakistan: Zehn Jahre Haft für Ex-Premier
       
       > Nawaz Sharif ist einer der mächtigsten Politiker Pakistans – nun soll er
       > wegen Korruptionins Gefängnis. Das könnte die anstehende Parlamentswahl
       > beeinflussen.
       
 (IMG) Bild: Wohnt derzeit in London: Pakistans Ex-Premier Nawaz Sharif
       
       Islamabad dpa | Ein pakistanisches Gericht hat Ex-Premier Nawaz Sharif
       wegen Korruption zu zehn Jahren Haft verurteilt. Sharifs Tochter Maryam
       bekam eine Haftstrafe von sieben Jahren, wie ein Ankläger der Nationalen
       Rechenschafts-Behörde (NAB), Sardar Muzaffar Abbasi, am Freitag bestätigte.
       Zudem müsse Nawaz Sharif acht Millionen britische Pfund (rund neun
       Millionen Euro) Strafe zahlen. Seine Tochter Maryam soll zwei Millionen
       britische Pfund zahlen. Beide sind zurzeit in London, wo Sharifs schwer
       kranke Frau behandelt wird.
       
       Ins Rollen gekommen war die Affäre im vergangenen Jahr.
       Oppositionspolitiker beschuldigten Sharif und einige Verwandte,
       Staatsgelder veruntreut und gewaschen zu haben. Es ging vor allem um die
       Finanzierung teurer Wohnungen in London. Oppositionspolitiker stützten ihre
       Vorwürfe auch auf Dokumente, die 2016 im Zuge der
       Panama-Papers-Enthüllungen über mutmaßlichen Steuerbetrug aufgetaucht
       waren. Dokumente zu Offshore-Firmen zeigten die Namen von Kindern von
       Sharif, nicht aber seinen eigenen.
       
       Nawaz Sharif, der dreimal Ministerpräsident war und weiterhin als einer der
       mächtigsten Politiker des Landes gilt, wurde daraufhin im Juli 2017 vom
       Obersten Gerichtshof [1][des Amtes enthoben]. Im April 2018 verbannte das
       Gericht Sharif dann auf Lebenszeit auch aus dem Parlament. Die Entscheidung
       vom Freitag traf nun ein sogenanntes Rechenschaftsgericht, das den
       Korruptionsvorwürfen näher nachgehen sollte. Die Entscheidung in zwei
       weiteren Fällen gegen Sharif und seine Familie steht noch aus.
       
       Sharif-Anhänger nennen die Gerichtsverfahren eine „politische
       Verschwörung“. Das Urteil könnte Auswirkungen haben auf die Chancen von
       Sharifs großer Regierungspartei PML-N bei der Parlamentswahl am 25. Juli.
       Zudem hatten Gerichte in den vergangenen Wochen auch Außenminister Khawaja
       Asif von der PML-N seines Amtes enthoben und den ehemaligen Minister
       Daniyal Aziz aus der Politik verbannt. Verfahren gegen zwei weitere
       PLM-N-Politiker laufen.
       
       In Pakistan ist die Ansicht verbreitet, dass das mächtige Militär bei den
       Verfahren seine Hände im Spiel hat. Sharif und das Militär lagen in Fragen
       der Unabhängigkeit der Zivilregierung und bei außenpolitischen Themen – vor
       allem zum Umgang mit Erzfeind Indien – überkreuz. Sharifs politisches Ende
       gebe dem Militär mehr Einfluss, um das Land aus dem Hintergrund zu
       kontrollieren, sagen Analysten.
       
       Das Urteil erging unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Rund 4000
       Polizisten und mehrere Hundert Angehörige paramilitärischer Gruppen
       sicherten die pakistanische Hauptstadt aus Sorge vor gewalttätigen
       Protesten, wie ein örtlicher Beamter, Mohammed Naeem, sagte.
       
       6 Jul 2018
       
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