# taz.de -- Viertelfinale: Uruguay – Frankreich: Tränen schon vor dem Abpfiff
       
       > In einer spielerisch unterdurchschnittlichen Partie wehrt sich Uruguay
       > eine Stunde lang. Dann patzt Torwart Fernando Muslera.
       
 (IMG) Bild: Sein Fehler: Fernando Muslera hatte Butterfinger
       
       Die Voraussetzungen: Uruguay fehlt die Hälfte seines Sturmwunder-Duos:
       [1][Edinson „die Birne“ Cavani] zwickt leider die Wade. An der
       grundsätzlich zu erwartenden Ausrichtung ändert das nichts: hinten beißen,
       vorne stechen. [2][Quasi Kettenbienen-Taktik].
       
       Frankreich hingegen hofft auf Räume, um seine schnellen Sturmreihen in die
       Tiefe schicken zu können. Olivier Giroud muss die knüppelharten
       uruguayischen Innenverteidiger binden; er wird wohl, ganz Schmerzensmann,
       mit Dornenkrone auflaufen. Für Abergläubige: In den letzten fünf Spielen
       gegen Uruguay hat Frankreich 77 Mal aus Tor geschossen, und kein Tor
       gemacht.
       
       Das Ergebnis: 0:2 (0:1).
       
       Das Spiel: Es dauert eine Minute, da liegt Olivier Giroud das erste Mal. In
       der achten Minute kugelt sich Paul Pogba, in der neunten Lucas Hernandez.
       In der elften humpelt Kylian Mbappé. Keine 60 Sekunden später haut Samuel
       Umtiti Luis Suarez in die Hacken. Kurzum: Es ist bissig. Das gefällt
       Uruguay besser, weil es eine gewisse Kompromisslosigkeit in den Angriffen
       kultiviert: ist der Ball vorne, soll's so schnell wie möglich gehen.
       Frankreich war wegen der weit aufgerückten Außenverteidiger um
       Ballkontrolle bemüht, entwarf auch drei, vier hübsche Stafetten, die das
       Versprechen nach mehr in sich trugen, zeigte aber auch eine gewisse
       Gedankenlosigkeit im Umgang mit dem Ball; dadurch blieb es spannend. Doch
       es blieb Hickhack-Taktik.
       
       Es brauchte dann einen Standard, damit das Tor fiel: Antoine Griezmann
       täuschte kurz an, Raphaël Varane lief richtig ein und streichelte den Ball
       ins lange Eck. Auf der Gegenseite hatte Frankreich, bon Dieu, Hugo Lloris,
       der einen Kopfball – wonach? nach Standard – von Mártin Caceres aus der
       Ecke fischte. In Halbzeit zwei zog Frankreich sich zurück, und tatsächlich
       versuchte sich Uruguay zwar an Kombinationen, aber ohne Edinson Cavani
       war's, als würde dem Billy-Regal die Rückwand fehlen. Uruguay hätte Glück
       gebraucht, aber nein: das hatte dann andererseits Antoine Griezmann. Einen
       behäbig vorgetragenen Konter schloss er mit einem recht harmlosen Schuss
       ab, Fernando Muslera bekam Butterfinger, der Ball flutschte durch; 2:0.
       
       Danach war etwas die Luft raus: Rudelbildungen, Zweikampf hin, Querpass
       her, abgebrochener Sprint, Flanken aus dem Halbfeld. Raúl Jiménez weinte
       schon acht Minuten vor Schlusspfiff, es passierte einfach nichts mehr.
       
       Die Statistik des Turniers: Es wimmelt in der Fußballberichterstattung ja
       von sinnlosen Statistiken, sodass die wirklich wichtigen Zahlen überhaupt
       nicht zum Tragen kommen. Hier hat [3][Herr flschn den Zusammenhang zwischen
       Trikotfarbe und Benotung der Unparteiischen zusammengetragen]. Schwarze
       Trikots führen also zu leicht unterdurchschnittlichen
       Schiedsrichterleistungen; jetzt muss wirklich alles auf den Prüfstand.
       
       Und nun? Frankreich kann also auch hässlich gewinnen. Jetzt wartet
       eventuell Brasilien, vermutete Nettospielzeit dann unter 40 Minuten, den
       Rest der Zeit wird jemand auf dem Boden liegen. Oder es wird Belgien, das
       Ostfriesland Frankreichs, und rächt sich am Nachbarn für all die Witze, die
       es die letzten Jahrhunderte zu erdulden hatte.
       
       6 Jul 2018
       
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