# taz.de -- Regierungsbildung in Italien: Nächste Chance für Populisten
       
       > Der Fünf-Sterne-Chef Luigi Di Maio geht mit einem neuen Versuch auf die
       > Lega Nord zu. Fraglich ist, ob sich dessen Anführer Matteo Salvini darauf
       > einlässt.
       
 (IMG) Bild: Einigt sich Luigi di Maios Fünf-Sterne-Bewegung doch nocht mit der Lega auf einen neuen Minister?
       
       ROM dpa | In Italien laufen Versuche weiter, [1][eine Neuwahl] doch noch
       abzuwenden. Präsident Sergio Mattarella ließ die populistische
       Fünf-Sterne-Bewegung zunächst ohne Frist weiter mit der fremdenfeindlichen
       Lega verhandeln. Sollte der erneute Annäherungsversuch scheitern, steht
       Carlo Cottarelli als designierter Ministerpräsident für eine
       Übergangsregierung bereit. Zumindest gab es mit dessen Ministerliste keine
       Probleme mehr, wie aus dem Präsidentenpalast verlautete.
       
       Die Regierungsbildung der beiden europakritischen Parteien war am Sonntag
       auf den letzten Metern geplatzt. [2][Mattarella hatte ein Veto] gegen den
       Euro- und Deutschlandkritiker Paolo Savona eingelegt, den die Parteien als
       Finanzminister einsetzen wollten.
       
       Sterne-Chef Luigi Di Maio schlug am Mittwoch vor, eine Person „mit gleichem
       Format“ wie Savona für das Finanzministerium zu finden und den Ökonomen auf
       einen anderen Posten zu setzen. Man habe den Vorschlag Di Maios „mit großer
       Aufmerksamkeit“ zur Kenntnis genommen, hieß es auf Anfrage aus dem
       Quirinalspalast, dem Sitz des Staatspräsidenten.
       
       „Es hängt nicht von uns ab…“, schrieb Di Maio auf Facebook. „Es hängt ab
       von der anderen politischen Kraft, die Teil dieses Regierungsvertrags ist.“
       
       Die Lega legt zu 
       
       Es ist fraglich, ob sich Lega-Anführer Matteo Salvini auf den Deal
       einlässt. Seine Partei hat seit der Wahl am 4. März weiter zugelegt,
       weshalb sie von einer baldigen Neuwahl profitieren könnte. Die Sterne
       dagegen wären derzeit die stärkere Partei in einem möglichen Bündnis und
       haben somit ein größeres Interesse daran zu regieren.
       
       Zwar pochte Salvini am Mittwoch weiter auf die Regierungsmannschaft, wie
       sie Mattarella präsentiert wurde. Er zeigte sich aber auch
       verhandlungsbereit: „Ich habe die Tür nie verschlossen“, zitierte ihn die
       Nachrichtenagentur Ansa.
       
       Italien braucht dringend politische Stabilität. Das Land lebt mit einem
       riesigen Schuldenberg, in absoluten Zahlen mit fast 2,3 Billionen Euro dem
       höchsten aller Euroländer. Das entspricht fast 132 Prozent der jährlichen
       Wirtschaftsleistung. Erlaubt sind nach dem EU-Regelwerk für die
       Währungsunion eigentlich nur 60 Prozent.
       
       Das Szenario einer Neuwahl hatte die Märkte am Dienstag auf Talfahrt
       geschickt. Am Mittwoch schnauften die Anleger zwar durch. Doch Experten
       sind sicher, dass die Unsicherheit noch für einige Zeit hoch bleiben wird –
       vor allem, wenn sich die Krise nicht alsbald löst.
       
       Mattarella hatte den Finanzexperten Cottarelli erst am Montag mit der
       Bildung einer Übergangsregierung beauftragt. Im Parlament dürfte seine
       Regierung keine Unterstützung bekommen.
       
       31 May 2018
       
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