# taz.de -- Blogbetreiber über Freak-Rezepte: „Fleischwurst geht immer“
       
       > Lukas Diestel sammelt irre Rezepte von chefkoch.de auf dem Blog „Worst of
       > Chefkoch“. Ein Gespräch über Mett am Stock, Wienerle Hawaii und die
       > Faszination des Ekels.
       
 (IMG) Bild: Hmmmmmmm … schmackofatz!
       
       taz am wochenende: Herr Diestel, haben Sie schon mal [1][Chinakohlsalat mit
       Pfirsich-Leberwurst-Dressing] probiert? 
       
       Lukas Diestel: Nein.
       
       Und wie sieht es mit [2][Nudelauflauf mit Teewurst] aus? Oder
       [3][Raclette-Salat]? 
       
       Um Himmels willen, nein.
       
       Genau diese Gerichte finden Sie und Jonathan Löffelbein, wenn Sie die
       Untiefen von chefkoch.de durchforsten, einer Seite, auf der jeder seine
       Lieblingsrezepte veröffentlichen kann. Die seltsamsten Einträge
       veröffentlichen Sie [4][auf Ihrem Tumblr-Blog „Worst of Chefkoch“] und
       schreiben dazu ironische Kommentare über Machart und Zutatenauswahl. Aber
       über Menschen, die versuchen, in der Küche ein bisschen kreativ zu sein,
       macht man sich doch nicht lustig! 
       
       Das stimmt. Deswegen achten wir darauf, uns nie persönlich über den
       Menschen lustig zu machen, sondern nur über das Rezept, das bei
       [5][chefkoch.de] hochgeladen wurde.
       
       Ist das nicht das Gleiche? 
       
       Nein, wir wollen niemanden persönlich attackieren. Oft handelt es sich
       ohnehin um User, die eher viele Rezepte posten. Wenn dann mal eines dabei
       ist, das sich für uns komisch liest, können die Leute das in der Regel
       vertragen. Es geht auch gar nicht darum, zu sagen: So darf man nicht
       kochen. Es soll einfach humorvoll bleiben.
       
       Wie kommt man auf die Idee, solche Rezepte zu sammeln? 
       
       Das war Zufall. Einer von uns hatte ein völlig absurdes Gericht auf
       chefkoch.de gefunden und mit dem anderen geteilt. Wir haben dann
       angefangen, weiterzusuchen, und sind ziemlich schnell fündig geworden. Bei
       insgesamt rund 30.000 Rezepten auf chefkoch.de ist das auch nicht schwer.
       Es hat uns nur gewundert, dass es noch keine Sammlung dieser Abartigkeiten
       gab. Also haben wir uns gesagt: Gut, dann machen wir es eben. Im Juli 2017
       haben wir den ersten Eintrag online gestellt: [6][Weincreme aus der
       Mikrowelle].
       
       Kann man die kulinarische Hölle denn einteilen? 
       
       Eine Kategorie sind die „… mal anders“-Rezepte. Die sind nicht alle
       schlecht, aber bei dem Begriff werden wir oft aufmerksam. Dann gibt es
       Rezepte, die mit absurd viel Fleisch arbeiten. Zum Beispiel zwei Kilogramm
       Gehacktes, dafür aber nur ganz wenig Käse und Sahne. Was auch oft vorkommt,
       sind Kombinationen aus Fleisch mit ganz viel Obst.
       
       Also ganz nach dem alten Toast-Hawaii-Prinzip? 
       
       Das geht ja noch. Es gibt da ganz bizarre Ideen. Zum Beispiel [7][„Wienerle
       Hawaii“]. Dafür werden Wurststücke durch Ananasscheiben gesteckt, dann
       kommt noch Ketchup und Mayonnaise drauf.
       
       Mir scheint, Fleischwurst und Schmelzkäse spielen oft eine Rolle. 
       
       Ein Rezept verwendet einen kompletten Fleischwurstring. Der wird in Ecken
       geschnitten, und die werden mit Senf und Ketchup bestrichen und dann mit
       Apfelstücken eine halbe Stunde gebacken. Aber das funktionierte halbwegs,
       ich hätte gedacht, das ist viel ekliger.
       
       Sprechen wir über Ekel … 
       
       Das Rezept, das ich persönlich am schlimmsten finde, nennt sich
       [8][„Nufleika“]. Ein Toast, der mit Nutella bestrichen wird, dann kommt
       Fleischwurst drauf, und alles wird dann noch mit Käse überbacken.
       
       Gibt es denn auch Gerichte, die sich durch eine absurde Zubereitung
       auszeichnen? 
       
       Das ist eine weitere Kategorie. Es gibt zum Beispiel Rezepte, die gar keine
       Zubereitung haben. Man findet auf chefkoch.de etwa das Rezept für „belegtes
       Brot“.
       
       Es kann doch nicht alles so schlimm sein. Was sind Ihre persönlichen
       Lieblingsrezepte? 
       
       Wir sind große Freunde von Rezepten, in denen der Titel auch das Rezept
       abbildet. Das Lieblingsrezept von Jonathan ist Hackfleisch-Kloßteig-Auflauf
       und besteht tatsächlich daraus, Hackfleisch mit fertigem Kloßteig zu
       vermengen, dann in den Ofen zu schieben und noch mit Käse zu überbacken.
       Das ist also ziemlich schnell gemacht. Und ich bin wiederum großer Fan von
       einem Rezept, das sich ganz einfach Fußballpizza nennt.
       
       Eine Pizza wird mit einem Fußball belegt? 
       
       Nein, da wird Pizzateig rechteckig auf ein Blech ausgewalkt. Darauf kommt
       dann Rahmspinat als Entsprechung für den Rasen. Der Spielfeldrand inklusive
       16-Meter-Raum und Mittelkreis wird mit Mozzarellastreifen gekennzeichnet.
       Als Spieler kommen 22 kleine Würstchen in den Spinat rein. Da finde ich es
       halt so schön, dass jemandem die Ästhetik des Fußballplatzes so viel
       wichtiger ist als der Geschmack der Pizza. Die Betonung bei dem Rezept
       liegt auf „wenig Käse“.
       
       Gibt es Leute, die absichtlich Unappetitliches posten, nur um dann von
       Ihnen bemerkt zu werden? 
       
       Hin und wieder liegt der Verdacht nahe. Es gibt zum Beispiel ein Rezept,
       das ist einfach nur Mett an einem Stock, das man über dem Lagerfeuer
       zubereiten soll. Da dachte ich zuerst: Das ist ja wie gemacht für uns. Aber
       es war erst zwei Tage alt. Wir achten darauf, wann ein Rezept
       veröffentlicht wurde und wie viele Rezepte der User sonst schon eingestellt
       hat. Eigentlich nehmen wir nur Rezepte, die schon auf chefkoch.de
       existierten, bevor es unsere Seite gab, um auf Nummer sicher zu gehen.
       
       Sie gehen im Mai auf Tour, und es gibt Worst of Chefkoch live. 
       
       Ja, wir lesen aus dem Blog, kochen dabei auch Rezepte nach. Wir haben
       unveröffentlichte Texte dabei, aber genauso Texte, die sich nicht nur aufs
       Kochen beziehen. Wir machen ja auch Poetry Slam.
       
       Die Seite ist noch nicht mal ein Jahr alt und hat inzwischen unheimlich
       viele Fans. Wie erklären Sie sich den Erfolg? Ist es die Faszination des
       Ekels? 
       
       Ich glaube, die Leute finden es toll, in den sozialen Netzwerken auch mal
       Bilder von wirklich hässlichem Essen zu sehen. Essen ist dort ja meist toll
       ausgeleuchtet, in den schönsten Farben abgebildet. Aber das, was man zu
       Hause vor sich auf dem Teller hat, sieht nicht so aus. Uns schreiben immer
       wieder Leute, dass sie sich bei uns auf der Seite rumtreiben, weil sie sich
       dann nicht ganz so schlecht fühlen, wenn sie sich abends nur einen Teller
       Nudeln mit Soße kochen.
       
       4 May 2018
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [2] https://worstofchefkoch.tumblr.com/post/172655171078/in-einen-auflauf-voller-zwiebeln-will-ich-mich
 (DIR) [3] https://worstofchefkoch.tumblr.com/post/171659017994/resteverwertung-nach-einer-racletteparty-klingt
 (DIR) [4] https://worstofchefkoch.tumblr.com/
 (DIR) [5] https://www.chefkoch.de/
 (DIR) [6] https://worstofchefkoch.tumblr.com/post/163444158834/kennen-sie-das-sie-wollen-ihre-bourgeoisen
 (DIR) [7] https://worstofchefkoch.tumblr.com/post/167659240163/ganz-ehrlich-das-ist-einfach-kein-gericht-ich
 (DIR) [8] https://worstofchefkoch.tumblr.com/post/166779060131/k%C3%B6nigsdisziplin-katerfr%C3%BChst%C3%BCck-der-kopf-klappert
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jörn Kabisch
       
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