# taz.de -- Belagerung vom syrischen Ost-Ghouta: Assad-Armee rückt vor
       
       > Die syrische Armee hat Beobachtern zufolge mehr als ein Drittel
       > Ost-Ghoutas unter ihre Kontrolle gebracht. Zivilisten dürfen das
       > umkämpfte Gebiet wohl verlassen.
       
 (IMG) Bild: Schwierige Quellenlage bei Fakten und Fotos: Das von den „Weißhelmen“ zur Verfügung gestellte Bild zeigt einen Luftangriff in Ost-Ghouta im Feburar
       
       Beirut/Damaskus rtr/afp/dpa | Die syrische Armee und ihre Verbündeten haben
       Beobachtern zufolge mehr als ein Drittel der umkämpften Rebellen-Enklave
       Ost-Ghuta unter ihre Kontrolle gebracht. Vor einer Woche begannen die
       Regierungstruppen ihre Bodenoffensive zur Rückeroberung.
       
       Bei den neuen Angriffen der syrischen Regierungstruppen auf die
       Rebellenenklave Ost-Ghouta sind nach Angaben von Aktivisten mindestens 14
       Zivilisten getötet worden. Die Luftangriffe in der Nacht und am frühen
       Montagmorgen richteten sich gegen mehrere Orte in der Enklave östlich von
       Damaskus, wie die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für
       Menschenrechte am Montag mitteilte. Allein bei Angriffen auf die Stadt
       Hammurijeh, auf die Fassbomben abgeworfen wurden, gab es demnach mindestens
       zehn Tote.
       
       Ungeachtet der [1][internationalen Forderungen] nach einem Ende der
       Angriffe auf Ost-Ghouta hatte der syrische Machthaber Baschar al-Assad am
       Sonntag eine Fortsetzung der Armeeoffensive angekündigt. Die Mehrheit der
       Bevölkerung von Ost-Ghouta wolle „den Fängen des Terrorismus“ entkommen,
       sagte Assad vor Journalisten: „Der Einsatz muss weitergehen.“ Assad
       versicherte, Zivilisten hätten die Möglichkeit, [2][die umkämpfte Enklave
       zu verlassen]. Es gebe keinen Widerspruch zwischen einer Waffenruhe und der
       Fortsetzung der Kämpfe.
       
       Auch syrische Rebellen in der umkämpften Enklave Ost-Ghuta haben russischen
       Angaben zufolge zugesichert, Zivilisten das Verlassen des Gebiets zu
       gestatten. Im Gegenzug sollten Hilfslieferungen in das Gebiet gebracht
       werden, berichtete die Nachrichtenagentur Interfax am Montag unter Berufung
       auf das russische Militär. Russland, das mit der syrischen Führung
       verbündet ist, hatte zuvor eine Feuerpause ausgerufen, den Rebellen
       zugleich aber vorgeworfen, Bewohner am Verlassen des Gebietes zu hindern.
       
       Seit Mitte Februar fliegen syrische Regierungstruppen mit russischer
       Unterstützung heftige Luftangriffe auf die Enklave Ost-Ghouta, wo sich
       Rebellen seit Jahren gegen die Armee behaupten. Nach Angaben der Syrischen
       Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden dabei bisher mehr als 700
       Zivilisten getötet, darunter mehr als 160 Kinder. Seit einigen Tagen läuft
       zudem eine Bodenoffensive gegen die Rebellen. Die Angaben der
       Beobachtungsstelle, die sich auf ein Netz von Informanten vor Ort stützt,
       sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.
       
       Der UN-Sicherheitsrat hatte Ende Februar eine Resolution für eine
       einmonatige Waffenruhe in Syrien verabschiedet, die jedoch nicht umgesetzt
       wurde. Trotz einer von Russland vor einigen Tagen in Kraft gesetzten
       täglich fünfstündigen Feuerpause setzte die Armee ihren Vormarsch fort. Die
       syrische Armee hat nach Angaben der Beobachtungsstelle inzwischen mehr als
       ein Viertel der Enklave östlich von Damaskus unter Kontrolle.
       
       ## Hilfskonvoi ohne lebensrettende Medizin
       
       Erstmals seit der Eskalation der Gewalt im belagerten Ost-Ghuta hat eine
       große Hilfslieferung die syrische Region erreicht. Ein Konvoi aus Dutzenden
       Lastwagen sei am Montag in das heftig umkämpfte Gebiet nahe der Stadt Duma
       eingefahren, sagte die Sprecherin des Internationalen Komitees des Roten
       Kreuzes (ICRC), Ingy Sedki, der Deutschen Presse-Agentur. Die Lieferung
       besteht nach Angaben des UN-Nothilfebüros Ocha aus medizinischen
       Hilfsgütern und Nahrung für 27.500 Menschen.
       
       Viele „lebensrettende“ medizinische Güter hätten allerdings auf Druck der
       syrischen Regierung aus der Lieferung genommen werden müssen, berichtete
       Ocha. Diese durften auch nicht durch andere Gegenstände ersetzt werden.
       Dadurch seien 3 der 46 Lastwagen, die am Morgen gestartet waren, fast leer
       gewesen. Der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge war unter dem
       blockierten Hilfsgütern das gesamte Material für die Behandlung von
       Verletzungen und für Operationen sowie Insulin und andere Dialyse-Artikel.
       
       Die humanitäre Situation in Ost-Ghuta ist desaströs. Bewohner berichteten,
       es fehle an Essen sowie an Wasser und Strom. Ärzten mangele es an Material,
       sie müssten wegen der großen Zahl an Verletzten sehr lange am Stück
       arbeiten. In dem seit 2013 von der Regierung belagerten Ost-Ghuta sollen
       etwa 400.000 Menschen eingeschlossen sein.
       
       In den kommenden Tagen sollen weitere Hilfslieferungen nach Ost-Ghuta
       folgen. „Die UN und ihre Partner haben die Genehmigung erhalten, Hilfe für
       70.000 Menschen in Not zu liefern“, hatte Ocha zuvor mitgeteilt. An dem
       Konvoi vom Montag waren auch das Internationale Komitee des Roten Kreuzes
       (ICRC) und der Syrische Rote Halbmond beteiligt.
       
       Eine Forderung des UN-Sicherheitsrates Ende Februar nach einer 30 Tage
       langen Waffenruhe für ganz Syrien zeigte bislang keine Wirkung. Allerdings
       vermindert die syrische Regierung ihre Angriffe seit einer Woche täglich
       für eine fünfstündige Feuerpause.
       
       5 Mar 2018
       
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