# taz.de -- Regierungsämter in Österreich: Fake News und „Daham statt Islam“
       
       > Kickl, Kneissl, Löger, Köstinger, Kunasek: die Ministerinnen und Minister
       > der neuen österreichischen ÖVP-FPÖ-Koalition.
       
 (IMG) Bild: Mario Kunasek: Triathlet, Freund markiger Sprüche und Österreichs Innenminister
       
       ## Herbert Kickl
       
       Der 49-jährige Innenminister gilt als so etwas wie der Mastermind und
       Chefideologe der FPÖ. Kickl hat schon für Jörg Haider die Reden mit
       markigen Sprüchen geschrieben und für Wahlkämpfe holperige Verse für
       Plakate ersonnen. „Daham statt Islam“ ist in Erinnerung geblieben.
       
       Kickl ist einer der wenigen Intellektuellen in der FPÖ, der keiner
       Burschenschaft angehört. Er stählt seinen Körper nicht durch Mensuren,
       sondern durch Triathlon. Der Mitschüler der ehemaligen Grünen-Chefin Eva
       Glawischnig war in seiner Jugend ein Linker. Unter Strache stieg er in den
       engsten Führungszirkel der Partei auf: Vom Leiter der FPÖ-Akademie wurde er
       zum Generalsekretär. Sein Vorgänger, Wolfgang Sobotka, beschreibt ihn als
       „sehr gescheiten und wohlüberlegten Menschen“. Man kann sicher sein, dass
       er der Polizei seinen Stempel aufdrücken wird.
       
       ***
       
       ## Karin Kneissl
       
       Die 52-jährige Außenministerin stand schon lange auf der Wunschliste von
       Heinz-Christian Strache. Die parteilose Publizistin hat ÖVP-Stallgeruch,
       seit sie in den 90ern im Kabinett von Außenminister Alois Mock saß. Sie hat
       diplomatische Erfahrung und mit ihrer Ausbildung an der französischen
       Kaderschmiede Ecole nationale d’administration auch die besten
       Voraussetzungen für den Spitzenjob.
       
       Dass die FPÖ auf sie aufmerksam geworden ist, verdankt Kneissl umstrittenen
       Äußerungen zu Flüchtlingen, die sie großteils als Wirtschaftsflüchtlinge
       sieht. Die Revolten in der arabischen Welt erklärt sie als Ergebnis eines
       Testosteronstaus. Vielen jungen Männern, „die heute nicht mehr zu einer
       Frau kommen“, weil sie weder Arbeit noch eine eigene Wohnung hätten, sei
       der „Status als Mann in einer traditionellen Gesellschaft“ verwehrt.
       
       ***
       
       ## Hartwig Löger
       
       Von dem 52-jährigen Finanzminister hat man in der Politik noch nie gehört.
       Der Vorstandschef der Uniqa-Versicherung war auch nicht die erste Wahl des
       kommenden Bundeskanzlers Sebastian Kurz. Der Steirer Löger, der
       ursprünglich einmal Pilot werden wollte, landete nach dem Abitur beim
       Bundesheer. Anders wäre diese Ausbildung für ihn nicht finanzierbar
       gewesen. Wegen einer Knieverletzung musste er seinen Traumberuf
       abschreiben. Durch Zufall fand er dann in die Versicherungsbranche, wo er
       ganz unten im Verkauf anfing und sich durch Universitätslehrgänge
       hocharbeitete.
       
       Zuletzt war Löger für 5.000 MitarbeiterInnen und fast zehn Millionen
       Versicherungsverträge verantwortlich. Seit dem Jahr 2014 fungiert er zudem
       als Präsident der ÖVP-nahen Sportunion.
       
       ***
       
       ## Elisabeth Köstinger
       
       Die 39-Jährige wird als Nationalratspräsidentin mit der kürzesten Amtszeit
       in die Geschichte eingehen. Die Vertraute und Wahlkampfmanagerin von
       Sebastian Kurz wird nach einem nur fünfwöchigen Zwischenspiel an der Spitze
       des Parlaments mit dem Ministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus
       belohnt. Das umfasst auch die Zuständigkeit für Landwirtschaft und Umwelt,
       eine Paarung, die in der Vergangenheit immer zulasten der Umwelt
       ausgegangen ist.
       
       Als Vorsitzende des Ökosozialen Forums hätte sie gute Voraussetzungen, das
       zu ändern. Doch die Interessen der Agrarindustrie und Großbauern, die an
       der Chemie hängen, haben in der ÖVP mehr Gewicht. Mit Kurz verbindet die
       langjährige EU-Parlamentarierin auch, dass sie ihr Studium nicht
       abgeschlossen hat.
       
       ***
       
       ## Mario Kunasek
       
       Der 41-jährige Mario Kunasek fiel bisher vor allem durch seine Artikel im
       rechtsextremen Burschenschaftermagazin Aula auf. Der Landesparteisekretär
       der FPÖ Steiermark ist gelernter Kfz-Mechaniker, der beim Bundesheer
       Karriere machte. Als Abgeordneter zum Nationalrat (2008–2015) saß er im
       Landesverteidigungsausschuss. Kunasek wird seit Langem der erste Soldat auf
       dem Posten des Verteidigungsministers sein.
       
       In der Steiermark, wo er 2015 27 Prozent der Stimmen holte, gilt er als
       „Supermario“. Er verbreitete Fake News, etwa dass Moscheen mit
       Staatsgeldern gebaut würden, gilt aber nicht als Ideologe und wird von der
       Konkurrenz als bündnisfähig betrachtet. Die in der Steiermark wichtige
       Automobilindustrie will er vor den „horrenden CO2-Zielen der Europäischen
       Kommission“ schützen.
       
       18 Dec 2017
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ralf Leonhard
       
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