# taz.de -- Russischer Auslandssender RT in den USA: Dein Agent, mein Agent
       
       > Der russische Nachrichtensender RT muss sich in den USA als
       > „ausländischer Agent“ registrieren lassen. Moskau kontert mit einem neuen
       > Gesetz.
       
 (IMG) Bild: RT-Büro in Moskau
       
       Der russische Nachrichtensender RT (ehemals Russia Today) hat sich am
       Montag in den USA wider Willen als „ausländischer Agent“ registrieren
       lassen. Damit beugt sich der Sender dem US-Justizministerium. Noch in der
       vergangenen Woche hatte RT erklärt, gegen die Maßnahme vor Gericht ziehen
       zu wollen. RT-Chefredakteurin Margarita Simonjan sagte, angesichts der Wahl
       zwischen einem Strafverfahren gegen den Sender und der Registrierung habe
       man sich für Letzteres entschieden.
       
       Aus Moskau war schon in der vergangenen Woche angekündigt worden, in diesem
       Fall Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Am Mittwoch will die Duma laut russischen
       Medienberichten einen entsprechenden Gesetzentwurf zur Abstimmung stellen
       (siehe Kasten).
       
       Ein solches Gesetz würde vor allem die von der US-Regierung finanzierten
       Auslandssender Radio Free Europe/Radio Liberty und Voice of America
       betreffen. Aber auch der private Kabelsender CNN könnte betroffen sein
       sowie der deutsche Auslandssender Deutsche Welle.
       
       In den USA beruht die Registrierung als „ausländischer Agent“ auf einem
       Gesetz aus dem Jahr 1938 – damit sollte etwaige Propaganda Nazideutschlands
       in den USA kontrolliert werden. Bis heute sind aufgrund dieses „Foreign
       Agents Registration Act“ ausländische Regierungen, Parteien und Lobbyisten
       oder PR-Firmen in den USA verpflichtet, sich registrieren zu lassen.
       Bekanntestes Beispiel in den USA ist China Daily, eine englischsprachige
       Zeitung der chinesischen Regierung. Einmal registriert, ist RT nun
       verpflichtet, halbjährlich seine Finanzquellen offenzulegen.
       
       Das Vorgehen gegen RT steht im Zusammenhang mit den Ermittlungen über eine
       mögliche russische Einflussnahme auf die US-Wahlen vom vergangenen Jahr. RT
       wird vorgeworfen, im direkten Auftrag des Kreml immer wieder
       Falschmeldungen zu verbreiten, um so Einfluss auf die US-Innenpolitik zu
       nehmen.
       
       Seit RT America 2010 an den Start gegangen ist, ist die Reichweite des
       Senders stark gewachsen, vor allem aufgrund einer engen Kooperation mit
       Youtube. RT America war 2013 der erste Youtube-Kanal, der über eine
       Milliarde Views für sich verbuchen konnte. Sogar frühere TV-Stars – wie der
       bekannte CNN-Moderator Larry King – fanden Unterschlupf bei dem russischen
       Auslandssender.
       
       Im Wahlkampf 2016 war RT vor allem durch eine überaus kritische
       Berichterstattung über die demokratische Kandidatin Hillary Clinton
       aufgefallen. Ihre E-Mails, mutmaßliche Korruptionsfälle innerhalb der
       Clinton-Stiftung und der Vorwurf, mit militanten Islamisten unter der Decke
       zu stecken, bestimmten RTs Clinton-Berichterstattung. Im Vergleich dazu
       fielen die Berichte über den späteren Wahlsieger Donald Trump insgesamt
       eher neutral bis freundlich aus.
       
       ## Position des Kreml nicht hinterfragt
       
       Wie überall, wo RT Sender in der jeweiligen Landessprache betreibt,
       versteht sich auch RT America als Alternative zu den „Mainstreammedien“.
       Der Slogan in den USA: „Question more“ (sinngemäß: „mehr hinterfragen“).
       Was dabei regelmäßig nicht hinterfragt wird: Die Position des Kreml.
       
       Während der Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014 berichtete RT
       ausschließlich die Moskauer Sichtweise – und handelte sich ein Eigentor
       ein, als die News-Moderatorin Liz Wahl schließlich [1][vor laufender
       Kamera] ihren Job quittierte: Sie könne nicht länger für einen Sender
       arbeiten, der die Aktionen des russischen Präsidenten Wladimir Putin
       schönrede.
       
       14 Nov 2017
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.youtube.com/watch?v=rE3hGrf4s8I
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bernd Pickert
       
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