# taz.de -- EU und Rechtsruck in Österreich: Gute Miene zum blauen Spiel
       
       > Brüssel und Berlin halten sich mit Kommentaren zum Wahlergebnis der
       > rechtpopulistischen FPÖ zurück. Das Motto: Schadensbegrenzung.
       
 (IMG) Bild: Bald in der Regierung? FPÖ-Frontmann Heinz-Christian Strache
       
       Brüssel taz | Nur keine Panik, die Geschichte wiederholt sich nicht! Das
       scheint das Motto bei den ersten EU-Reaktionen zum Rechtsruck in Österreich
       zu sein. Sowohl Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker als auch
       Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) waren sichtlich bemüht, [1][das
       Wahlergebnis] und seine Folgen für die EU herunterzuspielen.
       
       Sie mache sich keine Sorgen um den künftigen Kurs Österreichs, sagte
       Merkel. Zwar ist Österreich schon im Frühjahr 2016 aus Merkels „Koalition
       der Willigen“ in der Flüchtlingspolitik ausgeschert. Im Wahlkampf hatte der
       designierte neue Bundeskanzler Sebastian Kurz zudem für eine noch härtere
       Abschottung geworben.
       
       Trotzdem mache sie sich „nicht so dramatische Sorgen“ über mögliche
       Differenzen in der Flüchtlingspolitik, sagte Merkel am Montag in Berlin.
       Differenzen seien „im direkten Gespräch nicht immer so klar“, fügte die
       CDU-Chefin hinzu. Vieles sei der Wahlkampf-Rhetorik geschuldet und werde
       sich schon wieder einrenken.
       
       Zu einer möglichen Koalition mit der rechtspopulistischen FPÖ sagte Merkel
       nichts. Dabei hat eine solche schwarz-blaue Koalition in Wien die EU schon
       einmal in schwere Turbulenzen gestürzt. Merkels Amtsvorgänger Gerhard
       Schröder setzte im Jahr 2000 Sanktionen gegen die damalige
       Schüssel-Haider-Regierung durch, was zu großen Spannungen führte.
       
       ## Lob für Kurz
       
       Auch Kurz könnte die Blauen ins Boot holen – doch von Sanktionen ist
       diesmal keine Rede. Stattdessen lobte Merkel Kurz für dessen (relativen)
       Wahlsieg. Sie freue sich, dass die konservative ÖVP als Partnerpartei der
       Union als stärkste Kraft aus der Parlamentswahl in Österreich
       hervorgegangen sei, sagte die seit der Bundestagswahl selbst angeschlagene
       Kanzlerin.
       
       Etwas fordernder reagierte Kommissionschef Juncker auf die Wahl in Wien.
       Nun komme es darauf an, dass Kurz eine pro-europäische Regierung bilde,
       sagte der Luxemburger, der genau wie die CDU der konservativen Europäischen
       Volkspartei angehört. Dies sei vor allem für den österreichischen
       EU-Vorsitz im zweiten Halbjahr 2018 wichtig.
       
       „In Kürze wird Österreich als Ratsvorsitz eine herausragende Rolle in der
       Europäischen Union spielen“, schrieb Juncker in einem am Montag
       veröffentlichten Brief an Kurz. „Ich wünsche Ihnen daher viel Erfolg bei
       der Bildung einer stabilen, pro-europäischen Regierung, und ich freue mich
       auf unsere künftige Zusammenarbeit.“
       
       Vor voreiligen Schlüssen warnte der Brüsseler Korrespondent der
       österreichischen Zeitung „Der Standard“, Thomas Mayer. Das endgültige
       Wahlergebnis werde erst am Donnerstag feststehen, eine schwarz-blaue
       Koalition sei nicht sicher.
       
       Selbst wenn es dazu kommen würde, wäre Bundespräsident Alexander Van der
       Bellen „eine hohe Hürde“ für eventuelle EU-feindliche Manöver. „Ich erwarte
       keine Veränderung in der österreichischen EU-Positionierung“, so Mayer.
       Kurz sei kein Rechtspopulist, auch wenn er manchmal so rede.
       
       16 Oct 2017
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Wahl-in-Oesterreich/!5453153
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Eric Bonse
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Wahl Österreich
 (DIR) Österreich
 (DIR) Jean-Claude Juncker
 (DIR) EU
 (DIR) Schwerpunkt Angela Merkel
 (DIR) Österreich
 (DIR) Präsidentschaftswahlen Österreich
 (DIR) Wahl Österreich
 (DIR) Schwerpunkt Brexit
 (DIR) Wahl Österreich
 (DIR) Wahl Österreich
 (DIR) Wahl Österreich
 (DIR) Wahl Österreich
 (DIR) Wahl Österreich
 (DIR) Wahl Österreich
 (DIR) Wahl Österreich
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Koalitionsgespräche in Österreich: Gegen Flüchtlinge sind sie sich einig
       
       ÖVP und FPÖ wollen weniger Mindestsicherung für Asylbewerber,
       Sachleistungen statt Geld und eine längere Frist bis zum
       Einbürgerungsantrag.
       
 (DIR) Grüner Politiker über Wahl in Österreich: „Bei der FPÖ herrscht kein Chaos“
       
       In Wien könnten bald die harten Nationalisten mit am Ruder sein. Dabei geht
       es um einen verschworenen Kreis von vier bis fünf Männern.
       
 (DIR) Kommentar Österreich und die EU: Schlimmer als zu Haiders Zeiten
       
       Eine Regierung mit der FPÖ könnte zum Stresstest für die EU werden.
       Blockaden bei wichtigen Reformen sind zu erwarten.
       
 (DIR) EU vor Herbstgipfel: Europa ist eine lahme Ente
       
       In Brüssel wird viel über neuen Schwung geredet, aber es herrscht
       Stillstand. Das liegt am Wahlergebnis in Deutschland und Österreich.
       
 (DIR) Österreichs Grüne nach der Wahl: Abgeordnete packen Umzugskartons
       
       Nach ihrem Scheitern an der Vierprozenthürde treten die Bundessprecherin
       Ingrid Felipe und die Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek zurück.
       
 (DIR) Kommentar Österreich-Wahlsieger: Alte Story, junger Star
       
       Jugend kombiniert mit alten Werten und der Wucht abgrenzender Rhetorik:
       Sebastian Kurz' Sieg hat Folgen für deutsche Konservative wie Jens Spahn.
       
 (DIR) Vordenker Strache und die FPÖ: Staatsstragend mit Professorenbrille
       
       Während die ÖVP als Neue Volkspartei nach rechts gerückt ist, hat sich der
       FPÖ-Kandidat im Wahlkampf als moderat präsentiert.
       
 (DIR) Politikexperte über Rechte in Österreich: „Nationalisten wurden nie verteufelt“
       
       Andere europäische Länder schockt die Wahl rechter Parteien. In Österreich
       gehört die FPÖ seit 35 Jahren zum Politikalltag, erklärt Laurenz
       Ennser-Jedenastik.
       
 (DIR) Kommentar Wahl in Österreich: Fesch verpackter Populismus
       
       Kurz wird Kanzler – wohl mit der FPÖ. Eine Fortsetzung der
       SPÖ-ÖVP-Koalition wäre ein Selbstmordkommando. Der SPÖ bleibt nur die
       Opposition.
       
 (DIR) Österreichs Grünen-Gründer Peter Pilz: Einer, der von den Rechten lernte
       
       Vor der Nationalratswahl finden Österreichs Grüne wenig Antworten. Ihr
       Gründer setzt auf Linkspopulismus. Seine Partei hat er dafür verlassen.
       
 (DIR) Wahl in Österreich: Auch Kurz hat Dreck am Stecken
       
       Den Regierungsparteien ÖVP und SPÖ ist kein Mittel zu schmutzig, um
       einander zu diskreditieren. Das kratzt auch am Image des ÖVP-Stars Kurz.