# taz.de -- Protest gegen Putin in Russland: Pro-Nawalny-Demos in 20 Städten
       
       > Glückwünsche zum Geburtstag dürfte sich Kremlchef Putin anders
       > vorgestellt haben. In zahlreichen russischen Städten demonstrieren
       > Anhänger des bekannten Oppositionellen.
       
 (IMG) Bild: Die Polizei ließ die Demonstranten gewähren: Demo in Moskau
       
       St. Petersburg/Moskau dpa | Am Geburtstag von Präsident Wladimir Putin
       haben zahlreiche Anhänger des Oppositionellen Alexej Nawalny gegen die
       Staatsmacht demonstriert. Allein in Moskau kamen Hunderte Menschen zum
       zentralen Puschkin-Platz und skandierten „Russland ohne Putin!“. Die
       Kundgebung war nicht von den Behörden genehmigt. Für den Abend war die –
       ebenfalls nicht erlaubte – Haupt-Demonstration in Putins Heimatstadt St.
       Petersburg angekündigt. Bereits im Vorfeld gab es landesweit Dutzende
       Festnahmen. Experten rechneten mit einem harten Durchgreifen der Polizei.
       
       Der Politiker Nawalny selbst konnte nicht demonstrieren. Er sitzt wegen des
       mehrfachen Aufrufs zu nicht genehmigten Protesten für 20 Tage in Arrest. Er
       war Ende September festgenommen worden. Ein Moskauer Gericht hatte am
       Freitag eine Berufungsklage abgewiesen.
       
       Präsident Putin wurde am Samstag 65; er wurde am 7. Oktober 1952 in
       Leningrad – dem heutigen St. Petersburg – geboren. Er ist seit dem Jahr
       2000 an der Macht. Zwischen 2008 und 2012 war er Regierungschef. Mehrere
       Staatschefs verbündeter Ex-Sowjetrepubliken gratulierten ihm und
       bekräftigten ihre enge Partnerschaft mit Russland.
       
       Es wird erwartet, dass Putin im März 2018 für eine weitere Amtszeit
       kandidiert. Auch Nawalny will antreten, darf aber wegen einer
       Bewährungsstrafe in einem Unterschlagungsfall nicht.
       
       Russische Medien berichteten von zahlreichen präventiven Festnahmen vor den
       Demonstrationen. Das Bürgerrechtler-Portal OVD-Info meldete am frühen
       Nachmittag landesweit mindestens 80 Fälle. Vor allem führende Mitarbeiter
       von Nawalny in den Regionen wurden in Gewahrsam genommen, so etwa im
       südrussischen Krasnodar. In St. Petersburg wurde Berichten zufolge ein
       Anwalt von Nawalnys Stab festgenommen. Schon Stunden vor der Kundgebung in
       der früheren Zarenmetropole war ein Großaufgebot der Polizei beim Marsfeld
       am Newa-Ufer im Einsatz.
       
       ## Politischer „Popstar“
       
       In Moskau kamen trotz Regens viele junge, aber auch ältere Menschen zu der
       Demonstration unter dem Motto „Sa Nawalnogo“ (Für Nawalny). Einige hielten
       aufblasbare gelbe Enten in den Händen, ein Zeichen der
       Anti-Korruptions-Bewegung, der sich auch der 41-jährige Politiker
       verschrieben hat. Die Polizei ließ die Menschen zunächst gewähren. Beamte
       machten aber Durchsagen, die Aktion sei nicht zugelassen, und Passanten
       dürften nicht gestört werden.
       
       Nawalny hatte landesweit in rund 80 Städten zu Protesten gegen die
       Staatsspitze und für freie und faire Wahlen aufgerufen. Lediglich in knapp
       20 Orten wurden die Proteste zugelassen. Örtliche Medien berichteten von
       Kundgebungen mit wenigen Teilnehmern in der Provinz, etwa in Wladiwostok
       und Nowosibirsk.
       
       Bereits im März und Juni waren Zehntausende Anhänger Nawalnys auf die
       Straßen gegangen. Hunderte Menschen wurden festgenommen. Ein ähnliches
       Szenario hielt die Politologin Jekaterina Schulmann auch diesmal für
       möglich. „Nawalny hat inzwischen eine Art Popstar-Status unter seinen
       Anhängern erreicht“, sagte sie vorab der Deutschen Presse-Agentur. „Wenn
       sich die Behörden unsicher sind, tendieren sie zu einer Überreaktion. Je
       näher die Präsidentenwahl rückt, desto nervöser sind die Behörden.“
       
       7 Oct 2017
       
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