# taz.de -- Kommentar Regierungsbildung im Kosovo: Premier von Serbiens Gnaden
       
       > Will Haradinaj regieren, muss er einen serbischen Teilstaat anerkennen.
       > Konflikte mit der Opposition sind programmiert – zum Vorteil Serbiens.
       
 (IMG) Bild: Ramush Haradinaj und Ehefrau Anita
       
       Wie kann man eigentlich der serbischen Bevölkerung erklären, dass man
       einerseits einen „Kriegsverbrecher“ von Interpol verfolgen lässt und ihn
       andererseits durch die Stimmen der serbischen Minderheit im Kosovo zum
       [1][Ministerpräsidenten] macht? Sicherlich wird das dem Präsidenten
       Serbiens, Aleksandar Vučić, sogar gelingen. Er verfügt über die
       Deutungshoheit in seinem Land und hat die Presse fest im Griff. Und jetzt
       ist er dem Ziel näher gekommen, auch wieder in Kosovo direkt hineinregieren
       zu können. Serbien hat die Unabhängigkeit Kosovos nie anerkannt. Und
       braucht dies in nächster Zukunft auch nicht zu tun.
       
       Denn vor allem die Stimmen der serbischen Minderheit in Kosovo verhalfen
       dem ehemaligen UÇK-Führer Ramush Haradinaj, jetzt Ministerpräsident Kosovos
       zu werden. Wie der mit dieser Lage umgehen wird, ist leicht vorauszusehen.
       Denn auch die EU und die internationale Gemeinschaft wünscht sich wie
       Vučić, dass Haradinaj einige Bedingungen erfüllt.
       
       Vor allem muss er die größte Kröte schlucken und die Assoziation der
       serbischen Gemeinden im Kosovo anerkennen, die wie die Republika Srpska in
       Bosnien und Herzegowina ein Staat im Staate werden wird. Brüssel sieht dies
       als Voraussetzung für die Integration beider Staaten in die EU an.
       Haradinaj, der noch im letzten Jahr diese Forderung als
       Oppositionspolitiker heftig bekämpfte, hat jetzt Kreide gefressen und gibt
       sich als „Realpolitiker“.
       
       Haradinajs ehemaliger Bündnispartner in der Opposition, der Vorsitzende der
       Partei Selbstbestimmung, Albin Kurti, will die Gründung eines serbischen
       Teilstaates in Kosovo mit aller Macht verhindern. Schon jetzt ist Kurti von
       Serbien, der EU und den USA als Störenfried Nr.1 abgestempelt, hat aber die
       Mehrheit der Jugend auf seiner Seite. Haradinajs Regierung dagegen steht
       auf wackeligen Füssen. Vučić allerdings kann ruhig den innenpolitischen
       Konflikten im Kosovo entgegensehen: Sie sind gut für ihn.
       
       11 Sep 2017
       
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