# taz.de -- Morddrohungen gegen Hamburger Linke: Karriereknick nach Filmtipp
       
       > Die Hamburger Linke Sarah Rambatz fragt im Netz nach „antideutschen“
       > Filmen. Das bringt ihr Morddrohungen ein – und kostet sie die
       > Bundestagskandidatur
       
 (IMG) Bild: Sterbende Deutsche? Läuft! Eli Roth (l.) und Brad Pitt bei den Dreharbeiten zu Quentin Tarantinos Anti-Nazi-Actionklamotte „Inglorious Basterds“ (2009)
       
       Gerade erst hatten sie „die heiße Phase des Wahlkampfs“ eröffnet: Vor genau
       einer Woche, am 1. September, trat die Doppelspitze der Partei Die Linke in
       Hamburg auf, und mehrere Hundert Menschen hörten zu, als Sahra Wagenknecht
       und Dietmar Bartsch sowie der örtliche Bundestags-Spitzenkandidat Fabio de
       Masi nahe dem Hauptbahnhof für soziale Gerechtigkeit und Frieden warben –
       aber vor allem doch „für eine starke Linke“.
       
       So willkommen in so einer heißen Phase mediale Aufmerksamkeit sein wird:
       Auf die, die sich seit Mittwoch auf sie richtet, hätte die Linkspartei
       sicher gern verzichtet, und nicht nur die in Hamburg. Am Mittwochabend
       hatte die Hamburger Bundestagskandidatin Sarah Rambatz den Rücktritt von
       ihrer Kandidatur erklärt. Oder genauer, den Verzicht auf ein Mandat, sollte
       sie bei der Bundestagswahl am 24. September erfolgreich sein – aus
       Wahlrechtsgründen, hieß es, stehe sie weiterhin auf Listenplatz fünf.
       
       In der nicht öffentlichen Facebook-Gruppe „[1][Deutsch mich nicht voll“]
       hatte die 24-Jährige um „antideutsche Filmempfehlungen“ gebeten sowie um
       grundsätzlich alles, „wo Deutsche sterben“ – gefolgt auch noch von einem
       Herz-Emoji. Ein Screenshot davon machte die Runde durch die sozialen Medien
       und gelangte nicht nur [2][zum Hamburger Abendblatt], sondern auch an die
       Bundesspitze der Linkspartei. Die wiederum teilte unter Hinweis auf eine
       vorangegangene „Aussprache“ mit Rambatz deren Verzicht auf ein Mandat mit.
       Und: „Die Linke steht für eine menschenwürdige Politik.“
       
       „So ein Gedankengut hat in der Linken nichts verloren“, erklärte auch der
       Hamburger Landesverband. Drastischer äußerte sich Spitzenkandidat de Masi.
       Dem NDR [3][sagte] der Europaabgeordnete, er bekomme „das kalte Kotzen“
       angesichts des Facebook-Gesuchs. Rambatz äußere „keine linke Position“, sei
       allerdings auch ein „absoluter Einzelfall“. Auf taz-Nachfrage erklärte er:
       „Dabei möchte ich es auch belassen.“
       
       In der Tat deutet wenig darauf hin, dass ausgerechnet in der Hamburger
       Linkspartei jener Teil des Spektrums besonderen Einfluss hätte, den
       innerparteiliche Gegner so gern in die Nähe von „Neocons“ und „Bellizisten“
       rücken: die „Antideutschen“. Als deren organisatorische Plattform wird gern
       der Bundesarbeitskreis Shalom (BAK) betrachtet, der zur
       Nachwuchsorganisation der Partei, der Linksjugend-Solid, gehört. Zur Sache
       Rambatz wollte sich der BAK am Mittwoch ausdrücklich nicht äußern.
       
       Rambatz ist selbst Funktionärin der Linksjugend: Seit April gehört sie dem
       sechsköpfigen Bundessprecher*innenrat an, also dem Leitungsgremium. Ob die
       Filmtipp-Affäre Auswirkungen auf diese Position haben könnte, dazu schwieg
       die Solid-Spitze gestern: Spätestens am heutigen Freitagmorgen sollte aber
       ein Statement veröffentlicht werden, kündigte man auf taz-Anfrage an.
       
       Dafür ließen die Hamburger Linksjugendlichen keine Zeit verstreichen, eh
       sie sich von Rambatz’ „menschenverachtenden Äußerungen“ distanzierten: Am
       späten Mittwochabend noch teilte der Landessprecher*innenrat mit, die von
       der Genossin „offengelegte Gesinnung ist mit unserer Verantwortung für die
       Würde des Menschen, wie sie im von deutschen Kommunisten und Sozialisten
       mitverfassten Grundgesetz verankert ist, nicht vereinbar“. Rambatz selbst
       hat sich seit dem Bekanntwerden der eigentlich ja nicht öffentlichen
       Äußerungen weitgehend aus der Schusslinie zurückgezogen, und das unter
       Hinweis auf Mord- und Vergewaltigungsdrohungen. „Sicherlich war es eine
       dumme, unbedachte Aktion, die mir in dieser Form kein zweites Mal passieren
       wird“, [4][postete sie] noch, wies aber auch darauf hin, dass ihre Wortwahl
       doch „die Überspitzung“ verdeutlicht habe – die aber „nicht jeder“
       verstanden habe.
       
       Die Facebook-Gruppe, in der die Sache ihren Anfang genommen hatte, hat am
       Mittwoch eine Zugangshürde eingerichtet. Wer mitlesen will, was dort
       passiert – und sei’s, um dann zu petzen –, muss nun drei Fragen
       beantworten. Ein Gruppenmitglied berichtet der taz, seit Mittwoch
       diskutiere man dort darüber, was sich tun lasse gegen solches gezieltes
       Durchstechen – die Rede ist auch von „AfD-U-Booten“, gegen die man sich
       schützen müsse.
       
       7 Sep 2017
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.facebook.com/groups/340899902726945/
 (DIR) [2] https://www.abendblatt.de/hamburg/article211835125/Hamburger-Linken-Kandidatin-Ruecktritt-wegen-Facebook-Post.html
 (DIR) [3] https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/Nach-Facebook-Post-Linke-gibt-Listenplatz-auf,linke626.html
 (DIR) [4] https://www.facebook.com/Sarah-Rambatz-861354724016867/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Alexander Diehl
       
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