# taz.de -- Kundenzentrum zieht um: St. Pauli macht dicht
       
       > Das Kundenzentrum St. Pauli wird voraussichtlich in einem Jahr
       > geschlossen. Es soll dann mit ins zukünftige Bezirksamt im ehemaligen
       > Axel-Springer-Gebäude
       
 (IMG) Bild: Wahrscheinlich das schönste Kundenzentrum Hamburgs: Das Gebäude auf St. Pauli wurde 1841 als Israelitisches Krankenhaus errichtet
       
       Nur zögerlich reden die MitarbeiterInnen des Kundenzentrums St. Pauli
       darüber – sie fürchten um ihre Jobs. Aber wenn KundInnen nachfragen, sagen
       die MitarbeiterInnen ihnen schon, dass das Kundenzentrum bald geschlossen
       wird. Gut findet das niemand im Team, und auch die meisten
       StadtteilbewohnerInnen dürften nicht begeistert sein.
       
       Voraussichtlich Ende Mai 2018 plant der Bezirk Mitte, das Kundenzentrum
       dicht zu machen und es in das ehemalige Axel-Springer-Gebäude in der
       Caffamacherreihe umzusiedeln. Dorthin sollen auch das zentrale
       Kundenzentrum Mitte, das bisher an der Steinstraße ist, sowie das ganze
       Bezirksamt Mitte umziehen, das sich noch in den Cityhäusern befindet, deren
       Abriss aber beschlossene Sache ist.
       
       Der neue Standort in der Caffamacherreihe ist so nah am Kundenzentrum St.
       Pauli, dass sich der Erhalt dort nicht lohnen würde, sagt Bezirksamtsleiter
       Falko Droßmann (SPD). „Das sind mehrere hunderttausend Euro Miete, die man
       auch anders ausgeben kann.“ Am Betrieb des Kundenzentrums liege es nicht:
       „Wir haben auf St. Pauli ein hoch leistungsfähiges Kundenzentrum“, sagt
       Droßmann. Das merkt man: Die Atmosphäre vor Ort ist gut, alle sind
       freundlich. Aber das Gebäude gehört einem privaten Vermieter. Dass die
       Stadt weiterhin Miete zahlt, wenn das Springer-Gebäude, das der Stadt
       gehört, so nahe ist, könne Droßmann nicht verantworten. Was nach dem Auszug
       des Kundenzentrums aus dem historischen Gebäude auf St. Pauli wird, ist
       noch unklar.
       
       Unabhängig vom Standort St. Pauli plant die Stadt eine größere
       Umstrukturierung der Bezirksämter mitsamt der Kundenzentren. Das hat die
       Bürgerschaft Anfang des Jahres auf Initiative der rot-grünen Fraktion
       beschlossen. Vorgesehen ist unter anderem die Zentralisierung der
       Terminvergabe und der Personalentscheidungen, außerdem die Schließung von
       Standorten, die ineffizient sind, weil dort nur zwei oder drei
       MitarbeiterInnen arbeiten. Davon betroffen sind die Kundenzentren
       Finkenwerder, Wilhelmsburg und Walddörfer in Wandsbek. In Finkenwerder und
       Wilhelmsburg sollen stattdessen „mobile Außenstellen“ entstehen. Das heißt,
       dass ein Stab von acht MitarbeiterInnen jeweils ein Mal pro Woche nach
       Finkenwerder und zwei Mal nach Wilhelmsburg fährt um dort Anträge
       entgegenzunehmen, Reisepässe auszustellen und ähnliches.
       
       Der Deutsche Beamtenbund, die Gewerkschaft der BeamtInnen, sieht die Pläne
       zur Umstrukturierung kritisch. Vor allem in einem Punkt übte der
       Vorsitzende des Hamburger Landesverbandes, Rudolf Klüver, Kritik: Der Plan
       sieht vor, die Öffnungszeiten des neuen Bezirksamts durch Schichtdienst und
       Samstagsarbeit auszuweiten. Die Gewerkschaft sei in Verhandlungen mit der
       Stadt, um das zu verhindern, sagte Klüver. Auch die Schließung des
       Kundenzentrums St. Pauli sieht er kritisch: „Da arbeitet ein tolles Team
       und es funktioniert alles“, sagte er. „Die Schließung finde ich nicht so
       witzig.“
       
       2 Aug 2017
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Katharina Schipkowski
       
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