# taz.de -- Erneuter Ausfall des Trump-Sprechers: Spicer vergleicht Assad mit Hitler
       
       > Der Sprecher des Weißen Hauses will über den mutmaßlichen
       > Chemiewaffenangriff in Syrien sprechen und vergisst dabei historische
       > Fakten.
       
 (IMG) Bild: War Sean Spicer geistig umnachtet, als er Hitlers Einsatz von Giftgas vergaß?
       
       Washington ap/dpa | Der [1][Sprecher des Weißen Hauses], Sean Spicer, hat
       in Frage gestellt, dass Adolf Hitler Chemiewaffen einsetzte. Der Diktator
       Hitler sei nicht so weit gegangen, solche Waffen zu verwenden, [2][erklärte
       Spicer am Dienstag bei einem Pressebriefing]. Hitler ließ während des
       Holocaust Juden in Gaskammern ermorden. Später entschuldigte sich Spicer
       zwar für seinen Verweis, doch die Empörung blieb. Auch
       Rücktrittsforderungen wurden laut.
       
       Bei der Pressekonferenz hatte er versucht, über [3][den Horror des
       mutmaßlichen Chemiewaffenangriffs] in Syrien in der vergangenen Woche zu
       sprechen. Für diesen macht die Regierung von US-Präsident Donald Trump den
       syrischen Präsidenten Baschar al-Assad verantwortlich. „Wir benutzten keine
       Chemiewaffen im Zweiten Weltkrieg“, sagte Spicer. Er fügte hinzu, nicht
       einmal jemand, der so „verabscheuungswürdig“ gewesen sei wie Hitler, sei so
       tief gesunken, chemische Waffen einzusetzen.
       
       Spicer versuchte anschließend, zwischen Hitlers Vorgehen und dem
       mutmaßlichen Giftgasangriff auf syrische Zivilisten in der vergangenen
       Woche zu differenzieren. Bei dem Angriff in Nordsyrien kamen mehr als 80
       Menschen um Leben. Nach Angaben des türkischen Gesundheitsministers Recep
       Akdag zeigten Tests, dass der Kampfstoff Sarin eingesetzt wurde.
       
       Als eine Reporterin Spicer wenig später bat, die Äußerung zu erklären,
       geriet er ins Straucheln. Er sagte: „Er (Hitler) hat Gas nicht auf dieselbe
       Art und Weise gegen sein eigenes Volk eingesetzt, wie es Assad tut. (…) Er
       hat es in die Holocaust-Zentren gebracht, das ist mir klar. Aber was ich
       zum Ausdruck bringen will, ist die Art, wie Assad es eingesetzt hat, indem
       er in die Städte geht und es über den Stadtzentren abwirft.“
       
       ## Anne-Frank-Zentrum spricht von „Holocaust-Leugnung“
       
       Mit dem Begriff „Holcaust-Zentren“ meinte Spicer offensichtlich die
       Konzentrations- und Vernichtungslager der Nationalsozialisten. Diese hatten
       in den Gaskammern in Auschwitz und anderen Lagern mehr als eine Million
       Menschen mit Giftgas ermordet, vor allem Juden, aber auch viele Sinti und
       Roma sowie andere Gruppen. Insgesamt brachten die Nationalsozialisten sechs
       Millionen Juden um.
       
       In einem Fernsehinterview mit CNN entschuldigte Spicer sich später für
       seinen „unsensiblen“ und „unangemessenen“ Vergleich. „Es war ein Fehler das
       zu tun, es war mein Fehler“, sagte er.
       
       Schon nach dem Pressebriefing hatte Spicer eine Stellungnahme an Reporter
       geschickt. Darin hieß es: „In keiner Weise hatte ich versucht, das
       schreckliche Wesen des Holocaust abzuschwächen … Jeder Angriff auf
       unschuldige Menschen ist verwerflich und unverzeihlich.“
       
       Nach Angaben des Holocaust-Gedenkmuseums der USA hatten die Nazis Ende 1939
       bei der Ermordung von Geisteskranken mit Giftgas experimentiert. Dies wurde
       als „Euthanasie“ bezeichnet. Später wurden Gaskammern verwendet. Allein im
       Vernichtungslager Auschwitz wurden täglich bis zu 6000 Juden vergast.
       
       ## Demokraten fordern Spicers Rücktritt
       
       Spicers Aussagen über Hitler riefen in der jüdischen Gemeinde Kritik
       hervor. Das in New York ansässige Anne-Frank-Zentrum für Gegenseitigen
       Respekt forderte Trump auf, Spicer zu entlassen. Spicer habe bestritten,
       dass Hitler Juden während des Holocaust vergaste. Der Sprecher habe
       „Holocaust-Leugnung“ betrieben, „die beleidigendste Form von Fake News
       vorstellbar“, erklärte der Exekutivdirektor des Zentrums, Steven Goldstein,
       in einer Stellungnahme.
       
       Die Chefin der Demokraten im US-Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, sagte,
       Spicer habe den Horror des Holocaust heruntergespielt. Er müsse entlassen
       werden. Der demokratische Senator Ben Cardin twitterte, jemand müsse Spicer
       einen Kurs in Geschichte geben, damit dessen Wissen aufgefrischt werde.
       
       12 Apr 2017
       
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