# taz.de -- Österreichs Presseförderung: Es gibt mehr – und keiner jubelt
       
       > Der Staat will die Medien stärker subventionieren. Doch es gibt Streit
       > darum, wer das Geld bekommen soll. Auch Gratisblätter und rechte Seiten?
       
 (IMG) Bild: Nicht nur ein bisschen, sondern deutlich mehr Geld will die Regierung von Österreichs Kanzler Christian Kern (SPÖ) an die Medien verteilen
       
       WIEN taz | Die gute Nachricht: Österreichs Presseförderung soll von acht
       auf 17 Millionen Euro mehr als verdoppelt werden. Der Entwurf einer
       Neuordnung der Medienförderung stößt trotzdem nicht auf ungeteilte
       Zustimmung. Kanzleramtsminister Thomas Drozda (SPÖ), der auch für Medien
       zuständig ist, hatte vor einem halben Jahr einen Vorschlag vorgelegt, der
       nicht auf Auflage oder Wirtschaftlichkeit abstellt, sondern auf die Anzahl
       der angestellten Journalistinnen und Journalisten. Anders als bisher
       sollten nicht nur Printmedien in den Genuss dieser Zuschüsse kommen,
       sondern auch Onlinemedien.
       
       Besonders kontrovers ist aber, dass sich die Segnungen der öffentlichen
       Förderung auch über Gratisblätter ergießen könnten, die von großzügigen
       Inseraten auch der öffentlichen Hand leben. Selbst die der FPÖ nahestehende
       online-Plattform unzensuriert.at, die oft rechtsextreme Inhalte verbreitet,
       könnte gefördert werden. Da regt sich Unmut: Vergangene Woche meldete sich
       Oscar Bronner, Gründer der liberalen Tageszeitung Der Standard, in einem
       scharfen [1][offenen Brief] zu Wort: „Hinter einer Nebelwand schöner
       Überschriften wie ‚Förderung von journalistischen Arbeitsplätzen‘ und
       ‚Plattform-Neutralität‘ und anderen wohlklingenden Augenauswischereien
       entsteht ein System, das den Boulevard als genauso förderungswürdig
       erachtet wie Qualitätsmedien.“
       
       Thomas Kralinger, Präsident des Verbandes Österreichischer Zeitungen (VÖZ),
       forderte in einer parlamentarischen Enquete 35 Millionen Euro und schlug
       fünf Kriterien vor: Gefördert werden sollen Qualität, Vielfalt, Ausbildung,
       Medienkompetenz und Digitalisierung. Doch wer beurteilt die Qualität eines
       Mediums?
       
       Jetzt hat Drozda einen Weg gefunden, die Kritiker zu beruhigen.
       Entscheidend solle die Anzahl der nach Kollektivvertrag angestellten
       Journalisten sein. Die etwa 700 Angestellten der Gratisblätter sind unter
       ungünstigeren Bedingungen beschäftigt.
       
       10 Apr 2017
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://derstandard.at/2000055099571/Oscar-Bronner-ueber-die-neue-Pressefoerderung
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ralf Leonhard
       
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