# taz.de -- Kommentar Wahlkampf in Frankreich: „Einstimmig“ für die Resignation
       
       > Frankreichs Konservative versagen: Anstatt Fillon abzusägen, lassen sie
       > ihn machen. So treiben sie den Populisten die Wähler in die Arme.
       
 (IMG) Bild: Fillon ist kein Wunschkandidat der französischen Konservativen mehr. Sie ertragen ihn trotzdem
       
       Am Freitag und am Samstag waren Frankreichs Konservative (fast) alle ein
       und derselben Meinung: Mit François Fillon lassen sich keine Wahlen
       gewinnen, er muss weg. Am Sonntag suchten sie dann fieberhaft eine
       Ersatzlösung – doch am Montag ließen sie denselben Fillon [1][„einstimmig“
       als ihren Kandidaten hochleben]. Was ist da passiert? Ist Fillon von der
       Justiz plötzlich zum Unschuldslamm der Nation erklärt worden?
       
       Nein, es ist ein Entscheid aus purer Resignation. Die letzte Hoffnung auf
       einen Ausweg ist geplatzt, weil Alain Juppé am Montag definitiv eine
       Kandidatur ausgeschlossen hat.
       
       Jetzt bleibt ihnen nur Fillon mit seiner selbstgerechten Sturheit. Doch
       welche Glaubwürdigkeit hat nun ein Kandidat und hätte erst recht ein
       gewählter Präsident, der sich 2016 als Saubermann aufspielte und sagte, ein
       Präsident müsse eine weiße Weste haben, 2017 dann aber von einer
       Unterschlagungsaffäre eingeholt wird und vor den Richter muss?
       
       Und welche Glaubwürdigkeit hat dieses von der Partei Les Républicains
       repräsentierte konservative Lager, das seit fünf Jahren den derzeitigen
       Präsidenten, François Hollande, in allen Tonlagen kritisiert und als
       unfähigen Trottel verspottet, jetzt aber je nach Wetterlage begeistert für,
       danach plötzlich moralisch empört gegen und dann zuletzt wieder aus
       zerknirschtem Opportunismus für Fillon Stellung nimmt? Die Transparenz und
       die Gleichheit der Bürger vor dem Gesetz werden da zu Details.
       
       Ihren Wählern sagen diese Konservativen damit, dass die Grundwerte, mit
       denen sie sich gern bei Wahlkampagnen aufblähen, für sie selber eben doch
       nur heiße Luft sind. Auch unter ihren linken Gegnern mag man sich kaum
       freuen über dieses Spektakel. Denn so diskreditiert man die Politik und
       treibt den Populisten scharenweise verzweifelte BürgerInnen in die Arme.
       
       Viele Französinnen und Franzosen fragen sich heute nicht nur, wen sie am
       23. April noch wählen können, ohne sich zu schämen. Sondern auch, was für
       Bild ihr Land mit solchen politischen Schmierenkomödien abgibt.
       
       7 Mar 2017
       
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 (DIR) Rudolf Balmer
       
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