# taz.de -- Politologin über „Care Revolution“: „Sorgearbeit geht alle an“
> Das Netzwerk Care Revolution fordert ein neues Bild von Hausarbeit und
> Pflege. Charlotte Hitzfelder hat in Leipzig die erste sächsische
> Regionalgruppe mitgegründet.
(IMG) Bild: Aufruf zum Umdenken: Hausarbeit ist kein Hobby
taz: Frau Hitzfelder, Sie fordern eine Care Revolution. Was verbirgt sich
hinter dem Begriff Care Arbeit?
Charlotte Hitzfelder: Jeder Mensch ist auf die Fürsorge anderer angewiesen.
Ob nun als Kind, Kranke*r oder Pflegebedürftige*r. Selbst als gesunder
erwachsener Mensch ist man abhängig von seinen sozialen Beziehungen. Der
Begriff Care Arbeit umfasst alles, was mit dem Sorgen für andere und sich
selbst zu tun hat. Dazu zählen neben bezahlten Tätigkeiten, wie der Arbeit
als Pfleger*in, auch unbezahlte Arbeiten, wie den Haushalt führen oder
Kinder erziehen.
Sich um andere kümmern – viele würden das als klassisch weibliche Fähigkeit
bezeichnen. Sie auch?
Das ist Quatsch! Wir müssen weg von der Vorstellung, dass Frauen das
natürlicherweise besser könnten als Männer. De facto aber wird die Arbeit
meistens von Frauen erledigt. Das wollen wir sichtbar machen. Geplant ist
etwa eine Aktion zum 1. Mai, den wir zum „Tag der unbezahlten Arbeit“
umwidmen wollen.
Was wollen Sie noch verändern?
Sorgearbeit wird zunehmend nach Effizienzkriterien ausgerichtet.
Krankenhäuser werden wie Unternehmen geführt. Aber Pflege braucht Zeit.
Wenn man immer weiter rationalisiert, leidet die Qualität. Unbezahlte
Sorgearbeit hingegen wird häufig als privates Problem abgetan. Die
steigenden Burn-out-Zahlen zeigen jedoch, dass viele Menschen mit der
Doppelbelastung aus Lohn- und Sorgearbeit überfordert sind. Uns geht es
darum, sie nicht allein zu lassen.
Ihre Regionalgruppe will Hausfrauen, Pfleger*innen aus Osteuropa und neue
Väter erreichen. Was ist das Verbindende?
Wir alle haben menschliche Bedürfnisse, die befriedigt werden müssen. Dabei
ist uns die Herkunft oder das Geschlecht egal. Bei unserem ersten Treffen
im Januar waren wir knapp 30 Leute. Der Großteil waren junge Frauen und
Männer. Es waren aber auch einige Ältere dabei. Sie kamen aus dem bezahlten
und unbezahlten Sorgebereich. Es ist natürlich herausfordernd, wenn Leute
mit solch unterschiedlichen Erfahrungen aufeinandertreffen. Aber wo trifft
man sich denn sonst? Wo kann man denn miteinander reden, sich zuhören? Das
macht diese Begegnungen umso wichtiger.
4 Mar 2017
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(DIR) Nadja Mitzkat
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