# taz.de -- Britische „Daily Mail“ und Wikipedia: Nicht mehr als Quelle zugelassen
       
       > Die Boulevardzeitung „Daily Mail“ ist keine zulässige Quelle der
       > englischsprachigen Wikipedia mehr. Der Vorwurf: falsche
       > Berichterstattung.
       
 (IMG) Bild: Eine Ausnahme solle es nur geben, wenn die Daily Mail selbst Gegenstand des Wikipedia-Artikels sei
       
       „Schlecht überprüfte Fakten“, „Sensationshascherei“, „erlogene Geschichten“
       – diese Eigenschaften attestieren die Autor*innen der englischsprachigen
       Wikipedia der britischen Boulevardzeitung Daily Mail. Seit Anfang Januar
       hat die Community intensiv über den Umgang mit dem Blatt diskutiert – und
       entschied am Mittwoch, das Medium nicht mehr als Quelle für
       Wikipedia-Artikel zu tolerieren, [1][berichtet der] Guardian.
       
       Es war eine Konsensentscheidung, dass die Daily Mail „generell
       unzuverlässig ist und ihr Gebrauch als Quelle generell untersagt ist, vor
       allem dann, wenn verlässlichere Quellen vorliegen“, heißt es in der
       Entscheidung der Autor*innen. In Zukunft soll ein Filter Verfasser*innen
       von Artikeln warnen, wenn sie sich auf die Daily Mail beziehen wollen.
       
       Die mehreren tausend bereits existierenden Artikel mit Daily-Mail-Bezug
       sollen nun von Community-Mitgliedern überprüft und die Quellen durch
       verlässlichere Nachweise ersetzt werden.
       
       Das 1896 gegründete Blatt ist die britische Zeitung mit der zweitstärksten
       Auflage – übertroffen nur von der Boulevardzeitung The Sun. Ihre
       Berichterstattung hat in der Vergangenheit wiederholt zu Kontroversen
       geführt. Dem Blatt wird [2][Rassismus und Homophobie] ebenso vorgeworfen
       [3][wie falsche Berichterstattung].
       
       Im November 2015 etwa [4][veröffentlichte die Zeitung eine Karikatur], in
       der Geflüchtete gemeinsam mit Ratten die Grenze zur Europäischen Union
       passieren. Immer wieder gibt es Berichte über falsch dargestellte
       wissenschaftliche Erkenntnisse.
       
       ## Eine kontroverse Diskussion
       
       Die Artikel auf Wikipedia werden von Mitgliedern der Community verfasst,
       überprüft und gegebenenfalls editiert. Der Vorschlag, die Daily Mail auf
       eine schwarze Liste zu setzen, kam am 7. Januar von einem Mitglied [5][mit
       dem Nutzernamen „Hillbillyholiday“]. Darin heißt es, die Verwendung der
       Daily Mail könne „ausschließlich dann akzeptiert werden, wenn es eine
       nachweisliche Notwendigkeit dafür gäbe, diese anstelle einer anderen Quelle
       zu nutzen“. Bisher ließen zahlreiche Autor*innen beim Verfassen und
       editieren den Verweis auf das Blatt nicht zu. Die Zeitung sei „Müll,
       zweckfrei und einfältig“, schreibt Hillbillyholiday. Eine Ausnahme solle es
       nur geben, wenn die Daily Mail selbst Gegenstand des Wikipedia-Artikels
       sei.
       
       [6][Die Diskussion innerhalb der Community] war kontrovers. Zwar stimmten
       die meisten Nutzer*innen darin überein, dass die Daily Mail keine den
       Standards entsprechende Quelle ist. Einige Nutzer*innen führten aber an,
       dass ohnehin jedes Mitglied angehalten sei, verantwortungsvoll bei der Wahl
       der Belege vorzugehen. Und andere unseriöse Quellen seien von der
       Entscheidung nicht betroffen. Tatsächlich gibt es bisher keine Liste mit
       verbotenen Quellen.
       
       Das Argument, dass die Daily Mail im Sport etwa durchaus verlässlich sei,
       konterten Befürworter*innen damit, dass es auch in diesem Bereich andere
       Quellen gebe – „und wenn nicht, dann hat es wahrscheinlich nicht
       stattgefunden“.
       
       Die Entscheidung betrifft nur die englischsprachige Wikipedia. Ob es
       Auswirkungen auf die deutschsprachige Community geben wird, kann Jan Apel
       nicht sagen. Er ist Pressesprecher von [7][Wikimedia, der Stiftung hinter
       Wikipedia]. Seines Wissens nach ist es die erste Entscheidung dieser Art.
       
       Apel will nicht mutmaßen, wie es nun weitergeht. Von der Entwicklung der
       Relevanzkriterien der deutschsprachigen Wikipedia wisse er aber, dass diese
       in vielen Fällen ebenfalls in Folge von Einzelentscheidungen entstanden
       seien.
       
       Die Daily Mail stand bis Redaktionsschluss nicht für eine Stellungnahme zur
       Verfügung.
       
       9 Feb 2017
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.theguardian.com/technology/2017/feb/08/wikipedia-bans-daily-mail-as-unreliable-source-for-website
 (DIR) [2] http://www.independent.co.uk/news/media/press/the-sun-and-daily-mail-fuelling-prejudice-racist-violence-hate-crime-speech-uk-ecri-report-a7351856.html
 (DIR) [3] https://www.poynter.org/2012/daily-mail-reporter-cant-explain-how-false-report-got-published/173261/
 (DIR) [4] http://www.dailymail.co.uk/news/article-3321431/MAC-Europe-s-open-borders.html
 (DIR) [5] https://en.wikipedia.org/wiki/User:Hillbillyholiday
 (DIR) [6] https://en.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Reliable_sources/Noticeboard#Daily_Mail_RfC
 (DIR) [7] https://www.wikimedia.de/wiki/Hauptseite
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dinah Riese
       
       ## TAGS
       
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