# taz.de -- Internetzensur in der Türkei: Gar nicht so unfrei
       
       > Die türkische Regierung blockt das Webportal des Journalisten Can Dündar.
       > Doch viele in der Türkei juckt das nicht besonders.
       
 (IMG) Bild: Der türkische Journalist Can Dündar bei der Vorstellung des Online-Mediums „Özgürüz“ am 23. Januar in Berlin
       
       Die erste Meldung zur Blockade der Nachrichten-Webseite [1][#Özgürüz] kam
       am [2][Donnerstagabend über Twitter]: „Die Homepage wurde 12 Stunden vor
       dem morgigen Start in der Türkei gesperrt. Das beeindruckt uns wenig!
       Morgen geht's los!“. Das türkisch-deutsche Portal unter dem Dach des
       gemeinnützigen Recherchezentrums „Correctiv“ steht unter der Leitung des in
       der Türkei mit Haftstrafen belegten Journalisten Can Dündar.
       
       Auf der Webseite findet sich neben Artikeln von Chefredakteur Dündar und
       weiteren Gastautoren nun auch der Screenshot einer Webseite, mit dem die
       türkische Telekommunikationsbehörde die Seite in der Türkei blockiert.
       
       „Nach einer technischen und juristischen Überprüfung“ sei die Seite
       gesperrt, vermeldet dort die Behörde. Die Redaktion kommentiert die
       Schließung mit dem Satz: „Somit ist nach einem noch nicht gedruckten Buch
       nun auch eine Webseite vor der Onlineschaltung gesperrt.“ Türkischsprachige
       Leser*innen wissen auch ohne Titelnennung, welches Werk hier gemeint ist:
       „[3][Die Armee des Imam]“ sollte ein Buch über das Netzwerk des nun in der
       Türkei zum Terroristen erklärten muslimischen Predigers Fethullah Gülen
       werden. Der Verfasser, Ahmet Şık, wurde 2011 allein aufgrund des
       unveröffentlichten Manuskripts verhaftet.
       
       Seit dem 30. Dezember ist er erneut in Haft, nun mit dem seltsamen Vorwurf,
       die PKK und die Terrororganisation FETÖ, also Gülen und sein Netzwerk,
       unterstützt zu haben. Die findigen türkischen Blogger*innen fanden jedoch
       damals eine schnelle Methode, das Manuskript trotzdem zu veröffentlichen.
       Sie stellten es kurzerhand zum Download ins Internet und erreichten so
       Tausende.
       
       Auf der Facebook-Seite von „Özgürüz“ diskutieren bereits Leser*innen aus
       der Türkei, wie die Blockade zu umgehen sei: „Hola programini yükle,
       almanyadan giriş yap sayfaya“ schreibt der Nutzer As Se, also „Lad Dir das
       Programm Hola runter und gehe von Deutschland aus auf die Seite.“ Der
       Nutzer T.S. schreibt: „Nutzt VPN!“
       
       Dass sie sich so gut auskennen, ist kein Zufall. Nach Angaben des
       [4][Freedom of the Internet Report 2016] wurden in der Türkei 2016 mehr als
       100.000 Webseiten geblockt. Kritische Webseiten können türkische
       Nutzer*innen aber über ein Virtual Private Network (VPN) erreichen, indem
       sie sich virtuell über ein anderes Land in das Internet ihres eigenen
       Landes begeben. Laut [5][Global Web Index] gehört die Türkei zu den Ländern
       mit dem höchsten Anteil an VPN-Nutzer*innen.
       
       Internetsperrungen und ihre Umgehungen entwickeln sich mittlerweile zu
       einem Wettstreit zwischen Hase und Igel: Hier die türkische
       Telekommunikationsbehörde, dort die Internetnutzer*innen. Seiten wie
       [6][Turkey blocks] informieren in Echtzeit über Sperrungen. Und die
       Türk*innen verbreiten per Mundpropaganda, welcher VPN-Zugang gerade nicht
       gesperrt ist. Unfrei? Nicht wirklich.
       
       27 Jan 2017
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://ozguruz.org/de/ozguruz-de/
 (DIR) [2] https://twitter.com/Ozguruz_org/status/824680296691933185
 (DIR) [3] /!5123735/
 (DIR) [4] https://freedomhouse.org/report/freedom-net/2016/turkey
 (DIR) [5] https://www.globalwebindex.net/blog/turkey-leads-for-vpn-usage
 (DIR) [6] https://turkeyblocks.org/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ebru Tasdemir
       
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