# taz.de -- Olivenöl-Tester über Qualitätsmängel: „Bio schmeckt auch nicht anders“
       
       > Selbst Bio-Olivenöle sind bei der Stiftung Warentest durchgefallen. Der
       > erfahrene Olivenöl-Tester Dieter Oberg erklärt, warum.
       
 (IMG) Bild: Wie frisch die Oliven bei der Verarbeitung sind, ist entscheidend für den Geschmack des Öls
       
       taz: Herr Oberg, im aktuellen Test der Stiftung Warentest sind 10 von 24
       Ölen wegen [1][geschmacklicher Mängel] durchgefallen. Sie waren mit der
       höchsten Güteklasse „nativ extra“ deklariert, erfüllten die Kriterien aber
       nicht. Ist es so schwierig, gutes Olivenöl herzustellen? 
       
       Dieter Oberg: Natürlich gibt es ganz hervorragendes Olivenöl. Aber man kann
       diese Spitzenöle nicht in der notwendigen Menge herstellen. Man muss
       bedenken, dass es riesige Plantagen gibt. Die Oliven müssen in relativ
       kurzer Zeit geerntet und verarbeitet werden, sonst wirkt sich das negativ
       auf den Geschmack aus.
       
       Wie schmeckt das Öl, wenn die Oliven zu spät geerntet werden? 
       
       Das kommt auf die Sorte an. Die spanische Sorte „Picual“ beispielsweise
       kann man drei Monate lang ernten. Am Anfang schmeckt sie grün und intensiv,
       am Schluss geht es eher in Richtung einer schwarzen Johannisbeere. Sie kann
       aber auch schon vergoren schmecken, das wäre dann nicht mehr die höchste
       Güteklasse. Je reifer die Olive wird, desto milder wird sie im Geschmack,
       und desto schlechter ist sie haltbar.
       
       Was sind die häufigsten Mängel, die Sie feststellen? 
       
       Zum Beispiel, dass die Oliven anfangen zu gären, weil sie beschädigt
       wurden. Oft gibt es auch muffigen Geschmack, Fehler durch Frostschäden oder
       durch eine Fliege, die die Olive ansticht. Und natürlich passiert es, dass
       Öl durch Oxidation ranzig wird – etwa wenn es zu lange in Kontakt mit Luft
       gekommen ist. Das kann auch zu Hause im Haushalt passieren, wenn man die
       Flasche nicht richtig zumacht oder wenn zu viel Licht reinkommt.
       
       Die Stiftung Warentest hat in vielen Ölen Mineralöl-Kohlenwasserstoffe,
       vermutlich aus Schmierstoffen oder Abgasen, gefunden. Warum kriegt man die
       nicht raus? 
       
       Man muss beachten, dass wir Olivenöl ausschließlich importieren. Wir können
       daher schlecht Einfluss auf die Anbauer nehmen. Aber man könnte über
       Versuchsgüter probieren herauszufinden, wo die Schadstoffe herkommen. Ob
       vielleicht mit Motoren geerntet wurde, ob mit dem Traktor etwas nicht in
       Ordnung war und wie die Oliven transportiert wurden.
       
       Auch Bioöle sind durchgefallen. Ist es besonders schwierig, Bioolivenöl
       herzustellen? 
       
       Einige Biobetriebe bewässern ihre Bäume nicht. Dann kann sich ein sehr
       trockener Sommer auf den Geschmack auswirken. Wenn die Oliven zu trocken
       werden, schmecken sie holzig. Das kann man im Öl auch schmecken. Außerdem
       ist die Schädlingsbekämpfung im Bioanbau eingeschränkt. Unter Umständen
       können Betriebe ihr Öl nur als raffiniertes Öl verkaufen. Das hat es in den
       letzten Jahren mehrmals im Mittelmeerraum gegeben.
       
       Schmecken Bioöle denn anders? 
       
       Wenn Sie mich vor zwei Öle stellen und ich soll erkennen, ob die Oliven
       organisch angebaut wurden oder nicht, dann muss ich passen. Im
       Olivenölbereich ist Bioanbau aus Umweltsicht gut, aber die Olive selbst
       verändert sich nur marginal. Vom Geschmack her wird man kaum einen
       Unterschied finden.
       
       29 Jan 2017
       
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