# taz.de -- Exklusive Nachrichten über Gabriel: Geschickt eingefädelt und verbockt
       
       > Es hätte so schön werden können mit den Gabriel-Scoops von „Stern“ und
       > „Zeit“. Wie gesagt: hätte. Doch dann lief alles anders als geplant.
       
 (IMG) Bild: Das hatte Sigmar Gabriel sich anders gedacht. „Stern“ und „Zeit“ allerdings auch
       
       Absprachen zwischen PolitikerInnen und ReporterInnen darüber, welche
       Informationen wann an die Öffentlichkeit gelangen, sind im
       Hauptstadtjournalismus üblich. Das kann man intransparent finden, gehört
       aber zum Geschäft: JournalistInnen wollen etwas herausfinden – möglichst
       neu, möglichst brisant –, PolitikerInnen wollen etwas Bestimmtes
       kommunizieren.
       
       Wie weit man sich entgegenkommt, wird ausgehandelt. Die Medien halten sich
       daran, weil sie befürchten, das nächste Mal nicht mehr informiert zu
       werden. Manchmal geht das Ganze aber auch in die Hose.
       
       Am Dienstagnachmittag machte [1][die Meldung die Runde], dass Sigmar
       Gabriel nicht nur auf die Kanzlerkandidatur verzichten, sondern auch von
       seinem Posten als SPD-Chef zurücktreten würde – eigentlich viel zu früh,
       denn mit einer Stellungnahme Gabriels hatten die meisten Medienhäuser erst
       am Wochenende gerechnet.
       
       Schon im Vorfeld hatten allerdings zwei Nachrichtenmedien, Stern und Zeit,
       vom Noch-SPD-Chef die Info über seinen Rückzug erhalten – mit der Auflage,
       sie bis zum Dienstagabend zurückzuhalten, da sich um 19 Uhr in Berlin die
       SPD-Spitze treffen sollte. Laut Zeit-Politikchef Bernd Ulrich war
       abgesprochen, vor 20 Uhr nicht zu berichten: Wer hört Neuigkeiten schon
       gerne aus der Presse, bevor er sie vom Chef gehört hat.
       
       ## So ein Durcheinander
       
       Das ging schief. Der Branchendienst Meedia vermeldete schon um [2][kurz vor
       15 Uhr die Neuigkeit] und bezog sich auf die Titelgeschichte des Stern.
       Wenig später [3][setzte dann auch die Zeit nach]. Die Nachricht war damit
       aus zweiter Quelle bestätigt und in der Welt.
       
       Hat der Stern unsauber gespielt? Stern-Chefredakteur Christian Krug sagt
       auf Anfrage der taz: „Wir hatten mit Sigmar Gabriel eine Sperrfrist für die
       Vorabmeldung zu unserem Gespräch mit ihm vereinbart, bis er seine Gremien
       informiert hat.“ Dieser Zeitplan sei durch die Meedia-Meldung „gehörig
       durcheinandergewirbelt“ worden. Nachdem die Zeit die Info bestätigt hatte,
       habe dann auch Sigmar Gabriel die Sperrfrist aufgehoben.
       
       Meedia-Chefredakteur Georg Altrogge bestätigt, dass es keine Absprache mit
       dem Stern gegeben hat. Das Stern-Cover sei der Meedia-Redaktion aus
       „Grossistenkreisen“, also aus dem Bereich der Pressegroßhändler, zugespielt
       worden. Die aktuelle Stern-Ausgabe sei beim Ausliefern sogar besonders gut
       vor neugierigen Augen geschützt gewesen.
       
       ## Altbackener Journalismus
       
       Der Stern hat hier also wohl nicht versucht, die Zeit auszustechen. Die
       Panne besteht eher darin, dass man das Heft zu früh ausgeliefert hat.
       Chefredakteur Christian Krug hätte, ebenso wie der Zeit-Kollege Ulrich,
       durch eine verfrühte Meldung sein Vertrauensverhältnis zu Sigmar Gabriel
       aufs Spiel gesetzt. So und so: Der säuberlich orchestrierte Coup ging in
       die Hose.
       
       Wichtiger ist die Frage, was die ganze Geheimniskrämerei eigentlich soll.
       Ist es angesichts von Onlinejournalismus noch zeitgemäß, verbergen zu
       wollen, was in gedruckten Magazinen und Zeitungen steht? Müssen Printmedien
       in Zukunft in Hochsicherheitstransportern ausgeliefert werden? Warum stellt
       man eine Information nicht dann online, wenn man sie hat? Sigmar Gabriel
       und die Journalisten von Zeit und Stern scheinen hier einer etwas
       altmodischen Vorstellung von Journalismus erlegen zu sein.
       
       Was hängen bleibt, ist: Im politischen Journalismus geht es, ebenso wie in
       der Politik selbst, um Zeitpläne, um eine Dramaturgie von
       Berichterstattung. Das riecht nach PR – und das ist fatal in Zeiten, in
       denen JournalistInnen immer öfter Staatsnähe vorgeworfen wird.
       
       25 Jan 2017
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Kanzlerkandidat-der-SPD/!5377346
 (DIR) [2] http://meedia.de/2017/01/24/noch-vor-treffen-der-spd-parteispitze-sigmar-gabriel-verraet-dem-stern-seine-absage-an-kanzlerkandidatur/
 (DIR) [3] http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-01/sigmar-gabriel-spd-kanzlerkandidatur
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Peter Weissenburger
       
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