# taz.de -- Türkische Militärs nach dem Putsch: Grichenland liefert ein bißchen aus
       
       > In Ankara ist man nicht erfreut: Dem Nato-Partner fehle es an Solidarität
       > – weil ein griechisches Gericht die Auslieferung dreier Armeeangehöriger
       > ablehnt.
       
 (IMG) Bild: Zwei der insgesamt acht aus der Türkei geflohenen Soldaten in Athen, Juli 2016
       
       Athen afp | Ein griechisches Gericht hat die [1][Auslieferung] von drei
       türkischen Armeeangehörigen abgelehnt, die unmittelbar nach dem
       gescheiterten Putschversuch in der Türkei nach Griechenland geflohen waren.
       Das Auslieferungsgesuch Ankaras wegen versuchten Sturzes der Regierung und
       wegen Mordversuchs am türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan sei
       abschlägig beschieden worden, verlautete am Montag aus Justizkreisen in
       Athen. Ankara warf dem Nato-Partner daraufhin mangelnde Solidarität vor.
       
       Die [2][Sicherheit der drei Türken wäre in ihrer Heimat bedroht],
       argumentierte demnach der Richterrat, der für Auslieferungsanträge
       zuständig ist. Außerdem hätten die türkischen Behörden keine ausreichenden
       Beweise vorgelegt, dass die drei Soldaten tatsächlich an dem Putschversuch
       von Mitte Juli beteiligt gewesen seien und Erdogan nach dem Leben
       getrachtet hätten.
       
       Nach Angaben der Anwältin der drei Türken, Stavroula Tomara, verwies ein
       Mitglied des Gremiums auf die [3][„entwürdigende Behandlung“ und „Folter“]
       von anderen nach dem Putschversuch in der Türkei festgenommenen Militärs.
       
       Der türkische Verteidigungsminister Fikri Isik kritisierte die Entscheidung
       scharf. Griechenland sei als Nato-Mitglied ein Verbündeter der Türkei,
       sagte er. „Wir erwarten, dass die griechische Regierung jede Anstrengung
       unternimmt“, damit diese Armeeangehörigen in die Türkei zurückkehrten.
       
       ## Asylanträge der Militärs lehnte Griechenland ab
       
       Außer den drei Armeeangehörigen, über deren Fälle nun entschieden wurde,
       hatten noch fünf weitere türkische Militärs nach dem Putschversuch in ihrer
       Heimat Asyl in Griechenland beantragt.
       
       In drei dieser weiteren Fälle hat ein Gericht in Athen am Dienstag nun ganz
       anders entschieden – und dem Antrag der türkischen Justiz auf Auslieferung
       zugestimmt. Dies berichteten das Staatsradio (ERA) und der
       Nachrichtensender Skai am Dienstag. Die Entscheidung für zwei weitere
       türkische Militärs soll in den kommenden Tagen fallen, wie es hieß. Die
       türkische Regierung verlangt, dass Griechenland alle diese Männer sofort
       ausliefert.
       
       Juristen, die mit dem Fall vertraut sind, sagten der Deutschen
       Presse-Agentur, dass die drei Militärs, die ausgeliefert werden sollen,
       Berufung einlegen würden. Der Fall solle dann vor den höchsten griechischen
       Gerichtshof, den Areopag, kommen. Die Verwirrung wurde noch größer, als am
       Dienstag bekannt wurde, dass der Oberstaatsanwalt von Athen auch Berufung
       eingelegt hat. Diese betrifft die Entscheidung des Gerichts vom Montag, das
       sich gegen die Auslieferung ausgesprochen hatte. „Das gerichtliche
       Tauziehen wird wohl mehrere Monate dauern, weil auch dieser Fall vor dem
       Areopag landen wird“, sagte Rechtsanwalt Giorgos Stamatopoulos der dpa.
       
       Auch die Türkei kann Widerspruch beim griechischen Kassationsgericht
       einlegen. Das letzte Wort bei Auslieferungsanträgen hat in Griechenland das
       Justizministerium.
       
       ## Geflohen in Todesangst
       
       Die acht Armeeangehörigen – zwei Majore, vier Hauptmänner und zwei
       Unteroffiziere – waren am 16. Juli, wenige Stunden nach dem Putschversuch
       in der Türkei, mit einem Hubschrauber in Griechenland gelandet. Sie
       erklärten, nicht an dem Putschversuch beteiligt gewesen zu sein und um ihr
       Leben zu fürchten, und beantragten in Griechenland Asyl. Ihre Asylanträge
       wurden Ende September abgelehnt, das Verfahren dauert jedoch an, weil sie
       in Berufung gingen.
       
       Der Fall belastet Griechenland seit Monaten, da das Land in der
       Flüchtlingskrise auf eine enge Zusammenarbeit mit dem Nachbarland Türkei
       angewiesen ist. Zugleich ist Athen besorgt über den harten Kurs der
       türkischen Regierung.
       
       ## Türkische Regierung greift hart durch
       
       Die acht Militärs dürften nicht die Einzigen gewesen sein: Nach dem
       Putschversuch waren zahlreiche türkische Armeeangehörige und Beamte in
       europäische Länder geflohen. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hatte
       kürzlich bestätigt, dass einige Offiziere aus den Nato-Kommandostrukturen
       in den jeweiligen Einsatzländern Asyl beantragt hätten. Die türkische
       Regierung geht seit dem Putschversuch des Militärs Mitte Juli mit großer
       Härte gegen mutmaßliche Regierungsgegner in verschiedenen Bereichen der
       Gesellschaft vor.
       
       6 Dec 2016
       
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