# taz.de -- Kommentar Urwahl der Konservativen: Frankreichs rechte Orientierungshilfe
       
       > François Fillon hat es zum Kandidaten geschafft, weil er klar rechts ist.
       > Daraus kann die Gegenseite lernen. Die Linke muss sich nun
       > zusammenraufen.
       
 (IMG) Bild: Sagt den WählerInnen, wo es lang geht: François Fillon
       
       Frankreichs Rechte hat bei einer internen Kandidatenkür rechts gewählt. Et
       alors? Ist das ein Grund zur Aufregung? Der [1][Sieg von François Fillon]
       hat höchstens überrascht wegen seiner Person und Vorgeschichte. Aber dass
       das Pendel der politischen Stimmung im Lager der erklärten Gegner von
       Staatspräsident François Hollande und seiner Linksregierung kräftig nach
       rechts ausschlagen würde, das war zu erwarten.
       
       Fillon jedenfalls hat die Ausgangslage richtig eingeschätzt. Er hat es
       verstanden, sich mit seinen religiösen Wertvorstellungen im Lager der
       Ultrakonservativen anzubiedern, denen die Legalisierung der Homoehe, die
       Abtreibung oder die kostenlose Verhütung und überhaupt alles, was in die
       Richtung Geschlechtergleichheit und antiklerikale Emanzipation ein Dorn im
       Auge ist. Diesen Revanchisten hat Fillon gesagt, sie dürften „ohne
       Komplexe“ zu ihren Ansichten stehen und sollten diese ohne Scham vertreten.
       Sie haben heute Aufwind. Fillon sagt ihnen, wo es lang geht.
       
       In Frankreich, wo ein sozialistischer Präsident mit seiner Linksregierung
       eine „sozialliberale“ Reformen gegen den gewerkschaftlichen Widerstand
       durchgesetzt hat, wussten die Wähler und Wählerinnen nicht mehr so recht,
       wo links und rechts war. Fillon gibt ihnen mit seinem radikalen Programm
       der Liberalisierung der Marktwirtschaft auf Kosten der sozialen
       Errungenschaften eine Orientierungshilfe. Der rechte Kandidat steht klar
       rechts. Doch wo ist die Gegenseite und was unternimmt sie?
       
       Ob die völlig gespaltene Linke aus der Episode Fillon etwas gelernt hat,
       und sich analog zur bürgerlichen Rechte doch noch zusammenrauft und auf
       eine gemeinsame Kandidatur mit Erfolgschancen einigt, ist derzeit mehr als
       fraglich. Das war am Sonntagabend ein zweiter Grund für die ausgelassene
       Stimmung an der Siegesfeier der Fillon-Fans.
       
       Die Linke ist durch die Hollande-Jahre diskreditiert, und niemand von den
       selbsternannten Thronfolgern hat als Priorität zu verhindern, dass
       Frankreich im kommenden Frühling bei einer Stichwahl Fillon gegen Marine Le
       Pen noch weiter nach rechts rutscht.
       
       28 Nov 2016
       
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 (DIR) Rudolf Balmer
       
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