# taz.de -- Das war die Woche in Berlin II: Gute Hetzer, schlechte Hetzer
       
       > Die Berliner AfD wirft einen ungeliebten Rechtsradikalen aus der Partei
       > und nimmt einen prominenten Islamhasser auf. Wie passt das zusammen?
       
 (IMG) Bild: So sahen die 50er auch aus: Berlins AfD-Chef Pazderski und Neumitglied Nicolaus Fest
       
       Was ist wichtiger für eine Partei, ihr Programm oder ihr Personal? Sicher
       Letzteres, zumal die Spitzenpolitiker die sichtbaren Positionen ihrer
       Partei festlegen. Erst recht gilt das für junge Parteien, die – jungen
       Menschen gleich – noch formbar sind.
       
       Womit wir bei der Berliner AfD wären. Sie hat in der vergangenen Woche
       angekündigt, einen Nazi hinauswerfen zu wollen und einen Hetzer
       aufzunehmen. Wie passt das zusammen? Ganz einfach: Bei Letzterem geht die
       Parteiführung davon aus, dass er ihr nutzen wird; der andere hätte nur noch
       Schaden angerichtet.
       
       Kay Nerstheimer hat eine tiefbraune jüngere Vergangenheit. Er war
       kurzzeitig Mitglied einer rechtsextremen Gruppe; er hat sich homophob und
       rassistisch geäußert. Und obwohl er bei den Abgeordnetenhauswahlen in
       Lichtenberg für die AfD ein Direktmandat holte und damit eine besondere
       demokratische Legitimation für seine politische Arbeit besitzt, hat die
       Berliner AfD-Führung um Georg Pazderski und Beatrix von Storch schon früh
       beschlossen, ihn loswerden zu wollen.
       
       Erst musste der 52-jährige Nerstheimer auf die Mitgliedschaft in der
       AfD-Fraktion verzichten; am Montag wurde bekannt, dass der Vorstand ein
       Parteiausschlussverfahren gegen ihn angestrengt hat. Nerstheimers
       politische Position widerspreche der „Linie der AfD“, begründete dies ihr
       Sprecher.
       
       Ganz anders Nicolaus Fest, Sohn des einstigen FAZ-Herausgebers Joachim Fest
       und früherer Vizechef der Bild am Sonntag. Er hatte den Springer-Verlag vor
       zwei Jahren nach einer Hetzschrift gegen den Islam verlassen. Während
       seiner Vorstellung mit viel Gloria als Neumitglied am Donnerstag erklärte
       Fest, der Islam sei „weniger eine Religion als eine totalitäre Bewegung“,
       vergleichbar mit dem Nationalsozialismus. Deren „Ausübung“ müsse verhindert
       werden, alle Moscheen als Symbol dieser „Ideologie“ gehörten geschlossen.
       
       Mit dieser Propaganda liegt Fest ganz auf der Linie der
       christlich-fundamentalistischen von Storch und ist nur einen Hauch von
       Bundesparteichefin Frauke Petrys „völkisch“ entfernt. Rassenhass verkauft
       sich, so offenbar die Meinung der Partei, eben besser, wenn er als
       Religionshass verkleidet daherkommt.
       
       Nicolaus Fests Ziel dürfte ein Bundestagsmandat 2017 sein, gemeinsam mit
       von Storch. Nerstheimer wird derweil als Hinter- und Einzelbänkler ab und
       an im Berliner Abgeordnetenhaus herumsitzen.
       
       8 Oct 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bert Schulz
       
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