# taz.de -- Wahlkampf Berlin: Grüne jetzt noch grüner
       
       > Mit einem dringenden Appell wenden sich grüne UmweltpolitikerInnen an
       > Berlins Ökobewegte. Dabei ist das Thema für sie nicht nur Kür, sondern
       > Pflichtaufgabe.
       
 (IMG) Bild: Der ehemalige grüne Umweltminister Irlands, John Gormley, die umweltpolitische Sprecherin der Berliner Grünen, Silke Gebel, der Kreisvorsitzende von Lichtenberg, Philipp Ahrens, die beiden Berliner Grünenchefs, Antje Kapek und Ramona Pop, sowie der Sprecher des Berliner Energietischs und Grüner Direktkandidat im Lichtenberg, Stefan Taschner, protestieren am 31.August 2016 gegen die hohe Luftverschmutzung und Lärmbelastung an der Frankfurter Allee
       
       Mit einem Brief haben sich vier grüne KandidatInnen an die Umwelt- und
       Klimaschutz-Szene gewandt: „Es geht um viel“, heißt es darin, „jede Stimme
       zählt.“ Denn: „Ein ökologisches Berlin wird es nur mit einer grünen
       Regierung geben.“ Und die bekomme man nur, wenn man am Sonntag die Grünen
       wähle.
       
       „Es ist Zeit, dass Berlin ökologisch regiert wird“, meinen Turgut Altug,
       Silke Gebel, Georg Kössler und Stefan Taschner: „Es ist Zeit, dass der
       CO2-Ausstoß gesenkt wird. Es ist Zeit, dass das Braunkohlekraftwerk
       Klingenberg endlich vom Netz geht, dass die Luftqualität besser wird, dass
       die grüne Infrastruktur Berlins geschützt und ausgebaut wird, dass man in
       der Spree baden kann.“
       
       Grün gleich öko – ist das nicht ein weißer Schimmel? So offensichtlich
       scheint das in der Szene wohl nicht mehr zu sein, und dem wollen die
       BriefschreiberInnen entgegenwirken. „Es gibt einzelne Stimmen, die
       behaupten, dass es aus ökologischer Perspektive keinen Unterschied macht,
       ob man uns oder die SPD wählt“, sagt Silke Gebel, umweltpolitische
       Sprecherin der jetzigen Fraktion und mit Listenplatz 13 auch nach dem 18.
       September sicher dabei. „Dabei ist ganz klar, dass das nicht der Fall ist.“
       Wer die Energiewende wolle, „muss die wählen, die nicht nur grün blinken,
       sondern auch grün fahren“.
       
       Der Brief dürfte auch als Zusicherung gemeint sein, dass das Thema in der
       Fraktion nicht an Bedeutung einbüßt, auch wenn ein ausgewiesener
       Klima-Experte wie Michael Schäfer ausscheidet. Hier dürfte es mit Stefan
       Taschner einen ebenbürtigen Ersatzmann geben: Der 46-Jährige ist seit
       gefühlten Ewigkeiten in der Umwelt- und Klimaschutzbewegung aktiv. Zuletzt
       war er Sprecher der Initiative Berliner Energietisch, die er auch
       mitinitiiert hatte.
       
       ## CO2-Ausstoß begrenzen
       
       Neben Gebel, die sich etwa für das Projekt „1.000 Gründächer“ und
       Coffee-to-go-Mehrwegbecher eingesetzt hat, gehört auch Altug schon jetzt
       der Fraktion an. Er kümmert sich um Naturschutz und setzt sich für einen
       höheren Anteil ökologischer Lebensmittel in Kitas, Schulen und Kantinen
       ein. Zwar kandidiert er auf einem hinteren Listenplatz, hat aber wie schon
       bei der Wahl 2011 das Direktmandat in seinem Kreuzberger Wahlkreis so gut
       wie sicher. Newcomer Georg Kössler (Jahrgang 1984) kommt wie Taschner aus
       der Klimabewegung, er macht sich für Kohleausstieg und Divestment stark.
       
       „Für uns ist Öko nicht Kür, sondern Pflichtaufgabe einer guten Regierung“,
       schreiben die vier und erinnern daran, dass ausgerechnet Berlins
       CO2-Ausstoß zuletzt gegen den Bundestrend angestiegen ist. Damit, könnte
       man meinen, verbiete sich etwa ein Weiterbau der A100 bis Prenzlauer Berg.
       In diesem Punkt allerdings wollen sich die vom Scheitern der letzten
       Koalitionsverhandlungen traumatisierten Grünen nicht zu weit aus dem
       Fenster lehnen.
       
       „Wir Grüne lehnen den Weiterbau der A100 ab“, so Silke Gebel zur taz. Der
       Ball liege aber ohnehin vorerst beim Bauherrn Bund, „dadurch ist das eine
       Phantomdiskussion“. Gebel findet, man müsse „erst mal über das Gemeinsame
       sprechen und dann über das Trennende, und am Ende muss man die
       Verhandlungen bewerten. Von vornherein mit roten Linien reinzugehen ist
       nicht meine Art.“ Wichtig sei in jedem Fall eine Regierung auf Augenhöhe.
       „Auch in der SPD gibt es ja viele Gegner eines Weiterbaus.“
       
       12 Sep 2016
       
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 (DIR) Claudius Prößer
       
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