# taz.de -- Kommentar Wahl in Österreich: Die FPÖ ist immer das Opfer
       
       > Es entspricht der Mentalität der FPÖ-Politiker, schon einmal für den Fall
       > der Niederlage eine Verschwörung zu stricken.
       
 (IMG) Bild: Wann wird gewählt? Wahlkampfplakate in Wien
       
       Umschläge für die Briefwahl, die sich öffnen, sind ein klarer Verstoß gegen
       das Wahlgeheimnis. Früher hätte man das wahrscheinlich als Häufung
       peinlicher Einzelfälle schnell unter den Teppich gekehrt und die Wahl wie
       geplant durchgezogen. Doch der Verfassungsgerichtshof hat die
       Bundespräsidentenstichwahl wegen der bloßen Möglichkeit, dass Schlampereien
       bei der Stimmauszählung Manipulationen zugelassen hätten, aufgehoben.
       
       Eine neuerliche Annullierung des Wahlergebnisses würde das Vertrauen in die
       Politik noch mehr erschüttern als eine Terminverschiebung. Die FPÖ, auf
       deren Betreiben die erste Stichwahl aufgehoben wurde, sieht sich wieder in
       der Opferrolle. Ihr Kandidat Norbert Hofer, der von der weltweiten
       Konjunktur zunehmender Verunsicherung und Terrorangst profitiert, verliert
       in den Umfragen seit einigen Tagen Terrain gegenüber dem Grünen Alexander
       Van der Bellen. Der versammelt ein breites Bündnis hinter sich, dessen
       Mitglieder auch unabhängig von den Wahlkampfstrategen eingreifen. Ein
       prominenter Unternehmer warnt genauso vor Hofer wie Diplomaten, die eine
       außenpolitische Isolierung Österreichs fürchten, sollte ein
       Deutschnationaler in die Hofburg einziehen.
       
       Je später die Wahl, desto günstiger könnten die Perspektiven für den Gegner
       werden, fürchtet man also bei den Freiheitlichen. Daher müsse eine Intrige
       des „Systems“ dahinterstecken. Der Umschlagskandal liefert ihnen aber auch
       einen neuen Anlass, die Abschaffung der Briefwahl zu fordern. Die
       Stimmabgabe auf dem Postweg wird vor allem von Menschen genutzt, die nicht
       den Slogans der Rechtspopulisten folgen. Van der Bellen hat die erste
       Stichwahl dank der Briefstimmen gewonnen.
       
       Ob die Verschiebung wirklich einem der beiden Kandidaten nützt, ist
       umstritten. Aber es entspricht der Mentalität der FPÖ-Politiker, schon
       einmal für den Fall der Niederlage eine Verschwörung zu stricken.
       
       11 Sep 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ralf Leonhard
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Rechtspopulisten
 (DIR) Wahl Österreich
 (DIR) Alexander Van der Bellen
 (DIR) Bundespräsident Österreich
 (DIR) USA
 (DIR) Alexander Van der Bellen
 (DIR) Österreich
 (DIR) Wahl Österreich
 (DIR) Österreich
 (DIR) Österreich
 (DIR) Österreich
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Wahlkampf in Österreich: Trumps Geist in Wien
       
       Es ist das erste TV-Duell des zweiten Wahlkampfes zwischen Hofer und Van
       der Bellen. Der US-Triumph der Rechten schwingt mit.
       
 (DIR) Kolumne Knapp überm Boulevard: Österreichische Avantgarde
       
       Die Alpenrepublik ist der rechtspopulistische Vorreiter in Sachen
       Wahlanfechtungen. Die Wähler sehen Demokratie nur noch als Elitenprojekt.
       
 (DIR) Kommentar Präsidentenwahl Österreich: Das Lachen im Hals
       
       Die Präsidentenstichwahl gerät zur Lachnummer. Die FPÖ hetzt über das
       „System“, doch van der Bellen gibt sich staatsmännisch und ausgleichend.
       
 (DIR) Präsidentenwahl in Österreich verschoben: Ja, leckts mi do …
       
       Die Wiederholungsstichwahl muss verschoben werden. Schuld ist eine Panne
       bei den Briefwahlunterlagen. Der Innenminister hofft auf einen Termin in
       diesem Jahr.
       
 (DIR) Bundespräsidentenwahl in Österreich: Die Lasche klebt einfach nicht
       
       Es ist die Posse des Jahrzehnts. Die Wiederholung der Wahl des Präsidenten
       muss noch einmal verschoben werden. Und schuld ist ein Brief.
       
 (DIR) Präsidentschaftsrennen in Österreich: Wahlkampf mit Wau-Effekt
       
       Politische Inhalte? Nicht auf Facebook! Norbert Hofer und Alexander Van der
       Bellen setzen lieber auf süße Hunde und Familienfotos.
       
 (DIR) Politische Transparenz in Österreich: Kritische Fragen nicht mehr zeitgemäß
       
       Im „Pressefoyer“ konnten Journalisten die Regierungsspitze befragen.
       Bundeskanzler Kern schafft es jetzt ab – im Tausch gegen ein Blog.
       
 (DIR) FPÖ-Präsidentschaftskandidat Hofer: Er ist kein „Nazi“ mehr
       
       Norbert Hofer, Kandidat der rechten FPÖ für das Amt des österreichischen
       Bundespräsideten, hat vor Gericht Erfolg: Ein SPÖ-Politiker muss sich
       künftig den „Nazi“ verkneifen.