# taz.de -- Neuer Umweltchef für die Bahn: Unauffälliges Toptalent
       
       > Andreas Gehlhaar ist künftig für Klimaschutz und Abfallvermeidung bei der
       > Bahn zuständig. Als Ökoexperte fiel er bisher nicht auf.
       
 (IMG) Bild: Reparieren statt neu kaufen – auch das macht die Bahn nachhaltiger: Werkzeug für einen ICE
       
       Berlin taz | Bahnchef Rüdiger Grube hat versprochen, den Staatskonzern bis
       2020 zum Vorreiter Deutschlands im Umweltschutz zu machen. Jetzt holt er
       dafür einen neuen CDU-Mann aus dem Kanzleramt: Andreas Gehlhaar. Das
       bestätigte eine Bahnsprecherin am Montag. Gehlhaar, derzeit Chef der Gruppe
       12 in der Regierungszentrale, zuständig für „Kabinett und Parlament;
       Bund-Länder-Angelegenheiten; Sport“, gilt als ein Vertrauter von
       Bahnvorstand Ronald Pofalla. Einst leitete er das Büro des Parteifreundes.
       Dann ging Pofalla zur Bahn, wurde zunächst Cheflobbyist und rückte im
       August vergangenen Jahres in die oberste Chefetage des Unternehmens auf.
       
       Jetzt wird Gehlhaar ihm wieder unterstehen, anders gesagt: zuarbeiten, als
       Umweltchef der Bahn. Nimmt Gehlhaar seinen neuen Job ernst, hat er viel zu
       tun – und Einfluss. Zwar schlägt der Zug Flugzeug oder Auto beim
       Klimaschutz. Doch Fernbusse machen ihm Konkurrenz, und Autos werden
       sparsamer. Außerdem dieseln Lokomotiven vor sich hin. Das belastet die
       Luft. Abfälle fallen an. Bahnhöfe werden gebaut oder renoviert, Gleise
       müssen vom Wildwuchs freigehalten werden. Das dafür von der Bahn bisher oft
       verwendete Spritzmittel: das umstrittene Glyphosat.
       
       Gehlhaar, von dem es heißt, er sei „unauffällig“, „nett“, „zurückhaltend“,
       wird sich allerorten einmischen, wohl auch mal nerven müssen. Bisher hat er
       sich als Ökoexperte noch keinen Namen gemacht, als Toptalent aber schon.
       Die Zeitschrift Capital zählte ihn im Jahr 2010 zu 160 jungen Machern
       Deutschlands, „die die Welt verändern wollen“.
       
       Die Bahn wollte nicht begründen, warum seine Vorgängerin, Ines Jahnel schon
       nach anderthalb Jahren gehen muss. Aufmerksamkeit bekam sie in der Szene
       allein wegen einer brisanten Personalentscheidung: Sie schmiss Peter
       Westenberger raus, der jahrelang als wichtigster Kopf der
       Bahn-Umweltpolitik galt. Er ist nun Geschäftsführer des Netzwerks
       Europäischer Eisenbahnen (NEE) und damit bei der Konkurrenz.
       
       ## Bahn verhandelt mit Energiekonzernen
       
       Jahnel bleibt Lärmschutzbeauftragte der Bahn, wie sie es vor ihrer Zeit als
       Umweltchefin auch war. Ab 2020 sollen Güterzüge ohne lärmmindernde Bremsen
       nicht mehr fahren dürfen, erklärt die Bundesregierung im Koalitionsvertrag.
       Da hängt die Bahn noch hinterher. Für Gehlhaar wird die wichtigste
       Baustelle der Klimaschutz sein.
       
       So gilt die grüne Bahncard, die die Deutsche Bahn als Meilenstein bewirbt
       und CO2-freies Fahren ermöglichen soll, nur für den Fernverkehr. Obendrein
       kommt der Ökostrom zumeist aus längst abgeschriebenen Wasserkraftwerken.
       Zusätzlichen Nutzen bringen der Umwelt aber nur neue Windkraft- oder andere
       Ökoanlagen. Das Problem: Die Bahn, einer der größten Stromverbraucher in
       Deutschland, hat Verträge mit Betreibern fossiler Kraftwerke, die zum Teil
       noch 30 Jahre laufen. Es gibt kaum Spielräume.
       
       Einen Liefervertrag mit Eon verhandelt die Bahn derzeit allerdings schon:
       Das umstrittene Steinkohlekraftwerk Datteln 4 in Nordrhein-Westfalen sollte
       eigentlich ab 2011 schon Strom liefern. Wegen fehlender Genehmigungen ist
       es aber immer noch nicht fertig. Die Bahn will nun nachverhandeln, droht
       angeblich auch mit Auflösung. Bleibt noch eins: Die Ökobilanz ist umso
       besser, je stärker Züge ausgelastet sind. Ein guter Umweltchef muss Auto-
       und Busfahrer für die Bahn gewinnen und die Politik für eine billigere und
       attraktivere Bahn. Seinen neuen Job soll Gehlhaar am 1. Juni antreten, im
       Bahntower am Potsdamer Platz in Berlin, nicht weit entfernt vom Kanzleramt.
       
       19 Apr 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hanna Gersmann
       
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