# taz.de -- Neue Stromspeicher: Pumpen, pressen, puffern
       
       > Die meisten Stromspeicher brauchen viel Platz oder sind sehr teuer. Ein
       > Überblick über alte und neue Speicherformen.
       
 (IMG) Bild: Sieht aus wie das schönste Freibad der Welt, ist aber das Pumpspeicherkraftwerk Rönkhausen. Schwimmen verboten
       
       Pumpspeicherwerke: gibt es seit 100 Jahren. Das Prinzip ist einfach: Immer
       dann, wenn man zu viel Strom im Netz hat, pumpt man Wasser den Berg hinauf.
       Sobald man wieder Strom braucht, lässt man es auf die Turbinen runter
       stürzen.
       
       Effizienz: sehr gut. Lediglich ein Fünftel der Energie geht verloren. Die
       Anlagen brauchen jedoch riesige Staubecken und erfordern so einen
       erheblichen Eingriff in die Landschaft; kein Wunder also, dass das seit
       Jahren geplante Großprojekt Atdorf der EnBW im Südschwarzwald auf heftigen
       Widerstand stößt.
       
       Aufgrund der gigantischen Ausmaße sind Pumpspeicherwerke so teuer, dass
       Neubauten kaum wirtschaftlich zu betreiben sind; das Projekt Atdorf wurde
       zuletzt mit einer Investitionssumme von 1,6 Milliarden Euro kalkuliert.
       
       Zudem taugen die Projekte nur zum kurzzeitigen Ausregeln des Netzes und
       nicht, um eine mehrwöchige Windstille zu überbrücken.
       
       Druckluftspeicher: eine noch wenig genutzte Option. Es gibt – obwohl immer
       wieder diskutiert – nach wie vor nur ein einziges Projekt in Deutschland.
       Die Anlage steht seit den siebziger Jahren in Huntorf in Niedersachsen und
       wird von Eon betrieben.
       
       Effizienz: schlecht. Nach Firmenangaben liegt ihr Wirkungsgrad bei 42
       Prozent. Das liegt daran, dass beim Zusammenpressen der Luft viel Abwärme
       entsteht. Deutlich höhere Effizienz könnten nun sogenannte adiabate
       Kraftwerke erzielen, bei denen die Wärme, die beim Zusammenpressen der Luft
       entsteht, gespeichert und später zum Anheizen der sich wieder ausdehnenden
       Luft genutzt wird. Wissenschaftler halten in diesem Fall einen Wirkungsgrad
       von bis zu 70 Prozent für möglich.
       
       Allerdings birgt diese Technik Herausforderungen in der Entwicklung, die
       sich kaum lohnen. EnBW hatte bereits 2006 ein ähnliches Projekt
       angekündigt, doch bald wieder auf Eis gelegt. Ähnlich ging es später auch
       RWE.
       
       Batterien: gibt es in allen möglichen Varianten. Sie sind allerdings
       relativ teuer und ihre zeitliche Lebensdauer ist ebenso begrenzt wie ihre
       Zahl an Ladezyklen.
       
       Effizienz: gut. Allerdings benötigen Batterien oft begrenzte Rohstoffe, wie
       etwa Lithium. Auch andere Zellen vom Typ Nickel-Metallhydrid, Blei-Säure,
       Natrium-Schwefel, Natrium-Nickelchlorid oder Zink-Brom sind aus technischer
       Sicht zwar interessante Speicheroptionen, doch abseits der
       Notstromversorgung rentieren auch sie sich bisher allesamt kaum.
       
       Redox-Flow-Batterien: ein besonderer Speicher, der zwischen normalen
       Batterien und einem chemischen Speichermedium steht. In
       Redox-Flow-Batterien steckt die Energie in zwei Flüssigkeiten, die in zwei
       Tanks bereitgehalten werden. Durch einen umkehrbaren
       physikalisch-chemischen Prozess können sie Strom speichern, wobei ein
       Wirkungsgrad von 75 Prozent erreichbar ist.
       
       Effizienz: gut. Diese Batterien haben den Vorteil, dass mit der
       Vergrößerung des Tanks auch die Kapazitäten erhöht werden können. Sinnvolle
       Einsatzbereiche könnte es in der Leistungsklasse zwischen 500 Kilowatt und
       10 Megawatt geben. Wirtschaftliche Perspektiven sind aber auch hier wie in
       den anderen Fällen allenfalls im Markt der Regelleistung – also zur
       Stabilisierung des Netzes – erkennbar.
       
       Methan: ein Speicher ohne Grenzen. Mit überschüssigem Strom spaltet man
       Wasser in seine atomaren Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff auf. Der
       Wasserstoff lässt sich bis zu einem Gehalt von 5 Prozent ins Erdgasnetz
       einspeisen oder als Treibstoff nutzen. Auch lässt sich Wasserstoff in
       Gaskavernen speichern, womit große Langzeitspeicher möglich werden.
       
       Das brennbare Gas Methan erhält man, indem man den Wasserstoff in einem
       zweiten Schritt unter Einsatz von Kohlendioxid chemisch umbaut.
       Pilotanlagen dieser Art gibt es bereits. Wirtschaftlich einsetzbar ist aber
       auch diese Technik derzeit noch lange nicht.
       
       Effizienz: sehr hoch. Wie Erdgas lässt es sich unbegrenzt ins Gasnetz
       einspeisen. Die Kapazität ist riesig; der deutsche Strombedarf für mehrere
       Monate ließe sich auf dem Weg der Methangewinnung in den bestehenden
       Gasspeichern puffern. So könnte das Erdgasnetz die nötigen Kapazitäten für
       einen Umstieg auf 100 Prozent erneuerbare Energien liefern, weil Windstrom
       in stürmischen Zeiten und die Sonne des Hochsommers so lange gespeichert
       werden können, bis sie benötigt werden. Die Infrastruktur, um aus dem Wind-
       und Sonnengas wieder Strom zu gewinnen, gibt es schon – die heutigen
       Erdgaskraftwerke.
       
       Der Wirkungsgrad bei der Umwandlung von Strom zu Erdgas beträgt nur rund 60
       Prozent. Aber das spricht nicht unbedingt gegen das Verfahren, denn
       andernfalls droht mitunter ein vollständiger Verlust der Energie,
       beispielsweise wenn Windkraftanlagen abgestellt werden müssen.
       
       Schwungradspeicher, Hochleistungskondensatoren („SuperCaps“) und
       Supraleitende Magnetische Energiespeicher: Aufgrund der limitierten
       Speicherkapazitäten kommen diese Technologien als Sicherungssysteme
       infrage, wo eine unterbrechungsfreie Stromversorgung zwingend ist. Am
       Energiemarkt spielen sie allerdings keine ernsthafte Rolle.
       
       Besser als jeder Speicher: ein vernünftiger Umgang mit den fossilen
       Energien. Würde zukünftig darauf verzichtet, weiterhin Uran, Kohle und
       Erdgas auch dann zu verstromen, wenn Sonne und Wind reichlich Strom
       liefern, wären viele Speicher überflüssig. Derzeit werden jedoch noch
       riesige Mengen Atom- und Kohlestrom selbst dann erzeugt, wenn die
       Erneuerbaren ausreichend Strom produzieren.
       
       9 Apr 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bernward Janzing
       
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