# taz.de -- Petrobras-Skandal in Brasilien: Rousseff wehrt sich gegen Vorwürfe
       
       > Die brasilianische Polizei hat das Haus von Ex-Präsident Lula da Silva
       > durchsucht. Ihm wird vorgeworfen, von den Unregelmäßigkeiten im Ölkonzern
       > gewusst zu haben.
       
 (IMG) Bild: Verteidigt ihren politischen Ziehvater: Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff.
       
       Rio de Janeiro epd | Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff hat jegliche
       Verwicklung in den Korruptionsskandal um den halbstaatlichen Ölkonzern
       Petrobras von sich gewiesen. Über eine entsprechende Kronzeugenaussage, die
       der Presse zugespielt wurde, sei sie „zutiefst empört“, erklärte sie in
       einer Fernsehansprache am Freitagabend. Auch nahm sie ihren Vorgänger,
       Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, in Schutz. Es sei „vollkommen
       unnötig“ gewesen, dass die Polizei ihn zu Hause aufgesucht und zu einem
       Verhör aufs Revier gebracht hat. Sie lehne diese Vorgänge in jeder Hinsicht
       ab, sagte Rousseff im Beisein von zwölf Ministern.
       
       Bei Razzien in mehreren Städten wurden am Freitagmorgen unter anderem das
       Wohnhaus von Lula da Silva und die von ihm gegründete Stiftung „Instituto
       Lula“ durchsucht. Lula selbst wurde zu einem dreistündigen Verhör
       abgeführt. Am Vortag hatte die lokale Presse eine belastende
       Kronzeugenaussage veröffentlicht. Darin erklärte der Senator der
       regierenden Arbeiterpartei PT, Delcídio do Amaral, dass Rousseff von den
       Unregelmäßigkeiten bei Petrobras gewusst habe. Amaral, der selbst
       wochenlang im Zuge der Ermittlungen inhaftiert war, bezeichnete die
       Veröffentlichungen inzwischen als Falschdarstellung.
       
       „Illegale Veröffentlichungen von vertraulichen Aussagen und
       Vorverurteilungen helfen nicht bei der Suche nach Wahrheit, sondern fördern
       nur Intoleranz und antidemokratische Rhetorik“, erklärte Rousseff. Lula da
       Silva bezeichnete das Vorgehen gegen ihn als „Inszenierung und fehlendes
       Demokratieverständnis“. „Anstatt ernsthafter Ermittlungen wird eine
       Medienshow veranstaltet“, kritisierte der einst sehr populäre Ex-Präsident.
       
       Die Staatsanwaltschaft wirft Lula vor, er habe Bestechungsgelder von großen
       Bauunternehmen entgegengenommen und sei in den Genuss von illegalen
       Vergünstigungen gekommen. Der Ursprung von umgerechnet über sieben
       Millionen Euro werde untersucht. Rousseff und Lula da Silva seien die
       wichtigsten Nutznießer des Korruptionsschemas bei Petrobras gewesen, sagte
       Staatsanwalt Carlos Fernando dos Santos Lima.
       
       Der spektakuläre Fortgang der Ermittlungen in der Korruptionsaffäre
       schwächt die Position von Rousseff und ihrer Mitte-Links-Regierung. Mehrere
       Oppositionspolitiker forderten ihren sofortigen Rücktritt. Schon vor
       Monaten haben politische Gegner ein Amtsenthebungsverfahren gegen die
       Staatschefin auf den Weg gebracht. Rousseff, deren Umfragewerte auf
       tiefstem Niveau sind, hat zudem mit einer schweren Wirtschaftskrise zu
       kämpfen.
       
       Seit knapp zwei Jahren ermittelt die Staatsanwaltschaft im wohl größten
       Korruptionsfall der brasilianischen Geschichte. Ein Kartell von
       Bauunternehmen soll der Staatsanwaltschaft zufolge jahrelang überteuerte
       Aufträge von Petrobras erschlichen haben. Das Bestechungsgeld floss demnach
       in die Taschen von korrupten Politikern und an politische Parteien, die
       zumeist der Regierungskoalition von Präsidentin Rousseff angehörten.
       
       Zahlreiche Politiker und Unternehmer, unter ihnen einige führende Manager
       von Petrobras und von Baufirmen, sind bereits zu langjährigen Haftstrafen
       verurteilt worden. Im Visier der Ermittler sind mehr als 50 amtierende
       Abgeordnete und Senatoren.
       
       5 Mar 2016
       
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