# taz.de -- Regierungsbildung in Spanien: Die Linke ist sich nicht einig
       
       > Die Sozialisten haben einen Pakt mit der Bürgerpartei geschlossen,
       > brauchen zur Regierungsbildung aber auch Podemos. Aber Podemos sagt Nein.
       
 (IMG) Bild: Hmmm … Es ist kompliziert mit der Regierungsbildung in Spanien.
       
       Madrid taz | Der Chef der Sozialisten Pedro Sánchez ist am Mittwoch im
       spanischen Parlament gescheitert. Er bekam keine Mehrheit für seine
       „Regierung des Wandels und des Dialogs“. Nur die Stimmen seiner eigenen
       PSOE und der rechtsliberalen Ciudadanos (Bürger) waren ihm sicher.
       Podemos-Chef Pablo Iglesias erklärte seine Ablehnung damit, dass das
       Programm „auf die Oligarchien“ zugeschnitten sei. Es fehlten
       Sozialmaßnahmen wie ein Ende der Zwangsräumungen oder ein Recht auf Strom
       und Gas auch für diejenigen, die ihre Rechnungen nicht mehr begleichen
       können.
       
       Sánchez verteidigte sein Abkommen mit Ciudadanos als „mutig“, und sprach
       von „politischer Vermischung“, die notwendig sei. Der Pakt diene dem
       „Wandel“. Während Ciudadanos-Chef Albert Rivera die konservative Partido
       Popular (PP) aufforderte, eine Regierung Sánchez per Enthaltung zu
       ermöglichen, forderte der sozialistische Kandidat Podemos auf, ihn zu
       unterstützen. Gegen sein Regierungsprojekt zu stimmen sei ein Votum für die
       Rechte. „Die Wähler werden dies nicht verzeihen.“ Podemos mache sich zum
       „Rettungsanker Rajoys“.
       
       Erpressungen diese Art würden nicht mehr funktionieren, erklärte Iglesias
       und verwies auf die Kürzungen, für die die PSOE zu Beginn der Krise
       verantwortlich zeichnete. „Ich verrate meine Leute nicht“, sagte Iglesias
       und wiederholte sein Angebot für eine gemeinsame Koalitionsregierung. Nur
       sie böte Garantien für einen echten Wandel.
       
       Sánchez will davon jedoch nichts wissen. Er will Podemos in der zweiten
       Abstimmung zur Enthaltung zwingen, um so mithilfe einer Minderheit regieren
       zu können. „Es gibt keine Mehrheit für eine linke Regierung“, begründete er
       diese Haltung und verteidigte das Abkommen mit Ciudadanos als Grundlage für
       weitere Gespräche mit anderen Parteien.
       
       Iglesias rechnet anders. Zwar kämen PSOE, Podemos und andere linke
       Formationen tatsächlich nur auf 161 der 176 Abgeordneten, die für eine
       Regierungsmehrheit erforderlich wären, doch würde es reichen, dass ein Teil
       der katalanischen und baskischen Nationalisten eine solche Regierung
       stützen. Iglesias hat ein solche Stillhalteabkommen auf eigene Faust
       ausgehandelt. Der Preis: Das Recht auf eine Abstimmung in Katalonien und im
       Baskenland über eine Unabhängigkeit, wie sie in Schottland stattfand. „Ich
       werde nicht dulden, dass die Regierungsfähigkeit in Spanien dank
       separatistischer Parteien zustande kommt“, erklärt Sánchez dazu.
       
       Am Freitag wird das Parlament erneut zusammentreten. Dann reicht eine
       relative Mehrheit, doch auch die wird Sánchez nicht bekommen, sollte es
       nicht doch noch Überraschungen im letzten Augenblick geben. Ab dann läuft
       die Uhr. Zwei Monate hat das Parlament dann Zeit, um sich doch noch auf
       eine Mehrheit – sei es eine Linksregierung oder eine Große Koalition - zu
       einigen. Wenn nicht, wird Ende Juni erneut gewählt.
       
       2 Mar 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Reiner Wandler
       
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