# taz.de -- Kolumne Leuchten der Menschheit: Überwachung im Medienhaus
       
       > Beim britischen „Daily Telegraph“ wurden Arbeitsplätze mit
       > Bewegungsmeldern versehen. Sie sollten die Anwesenheit der Mitarbeiter
       > überprüfen.
       
 (IMG) Bild: Na? Gecheckt, wer vor dem Rechner hockt?
       
       Die MitarbeiterInnen des britischen Daily Telegraph staunten nicht
       schlecht, als sie am Montag der vergangenen Woche ihre Arbeitsplätze
       aufsuchten. Unter den Schreibtischen waren über Nacht schwarze Schachteln
       in der Größe von Zigarettenschachteln angebracht worden.
       
       Als Hersteller war auf ihnen „OccupEye“ vermerkt. Die JournalistInnen
       googelten den Namen, stellten fest, dass es sich bei den Geräten um
       kabellose Bewegungsmelder handelte. Das [1][berichtete das Internetportal
       Buzzfeed] unter Berufung auf eine interne Mail, in der die
       Überwachungsmaßnahme bestätigt wird.
       
       Wann und wie lange der Bürostuhl der Angestellten besetzt ist, lässt sich
       mittels OccupEye gut verfolgen. Über eine WLAN-Verbindung senden die Geräte
       Signale an einen Netzwerkempfänger, der die gesammelten Daten bündelt. Im
       späteren Verlauf kann die Datenbank für Analysen genutzt werden. Ausgelöst
       wird der Sensor von OccupEye von einer bestimmten Temperatur oder bei
       Bewegung.
       
       Kaum hatte das Medienportal bei der Führung des Blatts um einen Kommentar
       angefragt, erreichte die Belegschaft des Telegraph eine E-Mail. Darin
       schrieben die Verantwortlichen, die Aktion diene der Steigerung der
       Energieeffizienz. Die Maßnahme solle lediglich vier Wochen dauern und unter
       anderem deutlich machen, wo und wann die Heizungen heruntergeregelt oder
       die Beleuchtung abgeschaltet werden können –alles im Rahmen des Engagements
       der Zeitung für die Förderung erneuerbarer Energien, denen sich der Verlag
       verpflichtet fühle.
       
       OccupEye sieht das ähnlich. Auf der Seite der Firma findet sich eine
       Mitteilung, in der es heißt, die „grüne Initiative“ des Telegraph sollte
       unterstützt und als fortschrittliche Lösung bei der Gebäudebewirtschaftung
       angesehen werden. Fragt sich nur, warum die schicken Sensoren dann nach
       ihrem Bekanntwerden umgehend deinstalliert wurden.
       
       22 Jan 2016
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://www.buzzfeed.com/jimwaterson/telegraph-workplace-sensors#.mgBWp6Bdx
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Wolfgang Gast
       
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