# taz.de -- Neue Bufdi-Stellen für Asylsuchende: Flüchtlinge helfen Flüchtlingen
       
       > Die Regierung plant 10.000 Stellen für Bundesfreiwillige „mit
       > Flüchtlingsbezug“, erstmals auch für Asylbewerber. Viele Details sind
       > aber noch ungeklärt.
       
 (IMG) Bild: Flüchtlinge und Freiwillige sitzen zusammen und singen bei einer Weihtnachtsveranstaltung.
       
       BERLIN taz | Mit den syrischen Kindern ein paar deutsche Sätze reden, die
       erwachsenen Flüchtlinge zur Sportstunde in die Turnhalle begleiten oder
       einfach da sein als Ansprechpartner: „Die Arbeit macht mir Spaß“, sagt
       Luise Meck über ihren Bundesfreiwilligendienst in einer Notunterkunft in
       Darmstadt. Die 19-Jährige ist eine der ersten Bundesfreiwilligen aus dem
       Sonderkontingent „mit Flüchtlingsbezug“, das im Dezember gestartet wurde.
       
       10.000 zusätzliche Bundesfreiwillige, „Bufdi“-Stellen, im
       Flüchtlingsbereich werden ab sofort von der Bundesregierung gefördert, und
       zwar nicht nur für Einheimische, sondern auch für AsylbewerberInnen. Die
       Vorgaben sind allerdings nicht gering.
       
       „Die Einsatzstellen müssen anerkannt sein“, sagt Antje Mäder, Sprecherin im
       Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA), das für
       die Vergabe dieser Stellen zuständig ist. Die Hälfte der Stellen werden
       über die großen Verbände wie Caritas, Deutsches Rotes Kreuz oder den
       Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband vergeben, die andere Hälfte über
       die Zentralstelle der BAFzA, der die kommunalen Einsatzstellen etwa in
       Schulen oder Kitas angegliedert sind.
       
       Eine Einsatzstelle muss gemeinwohlorientiert sein, sie muss dafür sorgen,
       dass der oder die Freiwillige durch eine Fachkraft angeleitet wird, die
       Arbeitszeiten liegen bei mindestens 21 Stunden in der Woche, die
       Freiwilligen müssen sozialversichert sein und ein Taschengeld in Höhe von
       maximal 363 Euro erhalten, die Kosten werden von der Bundesregierung
       zurückerstattet. Wer sich als gemeinnütziger Verein als Einsatzstelle
       anerkennen lassen will, kann sich auf [1][der Bufdi-Website] informieren.
       
       Doch während die Beschäftigung von einheimischen Bufdis im
       Flüchtlingsbereich noch vergleichsweise einfach sein dürfte, wird es bei
       AsylbewerberInnen schwieriger, denn das ist Neuland. Flüchtlinge, die nicht
       aus „sicheren Herkunftsländern“ kommen, sondern eine „gute
       Bleibeperspektive“ haben, können ab sofort als Bundesfreiwillige
       beschäftigt werden, auch wenn sie noch im Asylverfahren stecken. Die Leute
       bekommen begleitend zum Bufdi-Dienst einen Sprachkurs, brauchen in der
       Regel aber schon Deutschkenntnisse als Voraussetzung, um einsetzbar zu
       sein. „Jemand, der erst mal ankommen muss, kann nicht gleich in den
       Freiwilligendienst“, sagt Johannes Zerger von den Internationalen
       Jugendgemeinschaftsdiensten (ijgd) in Berlin.
       
       ## Komplizierter Vertrag
       
       Das Interesse an einer Beschäftigung ist groß. „Es gibt viele Flüchtlinge,
       die nach Tätigkeiten fragen, doch die Hürden für die Freiwilligendienste
       sind hoch“, berichtet Heidi Bergner, Freiwilligenkoordinatorin im
       Arbeiter-Samariter-Bund in Südhessen. Die Flüchtlinge müssen registriert
       sein und eine Beschäftigungserlaubnis von der Ausländerbehörde haben. Auch
       der Sprachkurs muss gewährleistet sein.
       
       Die Vertragsgestaltung für die Flüchtlings-Bufdis ist kompliziert. „Es
       fehlt an klaren Vorgaben“, rügt die Mitarbeiterin eines Trägers, die nicht
       namentlich zitiert werden will. Noch ungeklärt ist, wer für die Unterkunft
       während des Bufdi-Dienstes aufkommt und wie das Taschengeld mit der
       Asylbewerberleistung verrechnet wird. Die Gesetzeslage dazu ist nicht
       eindeutig, denn das Taschengeld für Bufdis ist weder Erwerbseinkommen noch
       eine Mehraufwandsentschädigung wie bei 1-Euro-Jobbern. „Die Anrechnung des
       Taschengeldes auf die Asylbewerberleistung ist Sache der örtlichen
       Ausländerbehörden, die haben einen Ermessensspielraum“, heißt es dazu beim
       BAFzA.
       
       Doch wenn das örtliche Ausländeramt mitspielt, kann es funktionieren. Der
       Verein „Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners“ mit Sitz in Karlsruhe
       hat an einige Waldorfeinrichtungen drei Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak
       als Bundesfreiwillige vermitteln können, erzählt Caspar Schwedes, Pädagoge
       beim Verein. Bei zumindest einem der Männer ist das Asylverfahren noch
       nicht abgeschlossen. Mit dem befristeten Bufdi-Dienst bekommt er neben dem
       Taschengeld nun eine vollwertige Krankenversicherung. Die Ausländerbehörde
       hat die Erlaubnisse schnell erteilt. Das könnte ein Beispiel sein.
       
       21 Dec 2015
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://www.bundesfreiwilligendienst.de/aktuelles/news/detail/News/sonderprogramm-bundesfreiwilligendienst-mit-fluechtlingsbezug.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Barbara Dribbusch
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Flucht
 (DIR) Flüchtlinge
 (DIR) Schwerpunkt Flucht
 (DIR) Schwerpunkt Flucht
 (DIR) Schwerpunkt Flucht
 (DIR) Schwerpunkt Flucht
 (DIR) Ein-Euro-Jobber
 (DIR) Niedriglohn
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Flüchtlinge mittellos: „Müssen ihr Geld bekommen“
       
       Über 1.000 Flüchtlinge warten in den Erstaufnahmeunterkünften auf
       Taschengeld und Gesundheitskarten. Behörde im Verzug.
       
 (DIR) Grenzkontrollen in Skandinavien: Schweden testet CSU-Rezept
       
       Asylsuchende dürfen nicht mehr ohne Ausweis nach Schweden einreisen.
       Dänemark hat ähnliche Pläne. Betroffen sind vor allem Minderjährige.
       
 (DIR) Zahlen der UN: 1.000.000 auf der Flucht
       
       Mehr als 972.000 Männer, Frauen und Kinder haben in diesem Jahr auf
       Schlepperbooten das Mittelmeer überquert. 3.600 überlebten den gefährlichen
       Weg nicht.
       
 (DIR) Versorgung von AsylbewerberInnen: Koalition erhöht Flüchtlingshilfe
       
       Der Koalitionsgipfel beschließt, sechs Milliarden Euro für Flüchtlingshilfe
       bereitzustellen. Einige Asylsuchende sollen allerdings auch schneller
       zurückgeschickt werden.
       
 (DIR) Flüchtlinge: „Es geht hier um Menschen!“
       
       Der Senat hat die Asylbewerber vom Oranienplatz hängen lassen, sagt Evi
       Gülzow von der Diakonie.
       
 (DIR) Menschen im Bundesfreiwilligendienst: Aus Ehrenamt wird Billigjob
       
       Die „Bufdis“ sollten die Zivis ersetzen. Doch oft sind aus ihnen neue
       Ein-Euro-Jobber geworden. Sie verzichten auf angemessene Bezahlung und
       Rechte.
       
 (DIR) Debatte Niedriglöhne: Die Kehrseite der Nächstenliebe
       
       Die Gesellschaft profitiert in großem Maße von freiwilligen Helfern in
       Kliniken und Wohlfahrtsverbänden. Die Beschäftigten profitieren nicht.