# taz.de -- Unerwarteter Parteieintritt in Berlin: FDP fischt bei den Piraten
       
       > Der ehemalige Piraten-Bundeschef Schlömer ist jetzt Mitglied bei den
       > Liberalen in Kreuzberg.
       
 (IMG) Bild: Da war er noch Pirat: Der frühere Bundesvorsitzende Bernd Schlömer (r.), der wie sein Vorgänger Sebastian Nerz (l.) jetzt in die FDP eingetreten ist.
       
       Ja, es sei kein Gerücht, bestätigt Henner Schmidt, der kommissarische
       Landesvorsitzender der Berliner FDP: Bernd Schlömer, bis 2013
       Bundesvorsitzender der Piratenpartei, ist im Oktober zu den Liberalen
       gewechselt. Dort gehört er dem Ortsverband Kreuzberg an. „Die FDP als
       moderne Partei der Bürgerrechte, der Transparenz und des Datenschutzes
       freut sich, dass Bernd Schlömer dieses Profil verstärkt“, sagt Schmidt.
       
       Schlömer habe in seinem neuen Ortsverband angekündigt, sich dort zu
       engagieren. „Ich würde mich freuen, wenn er das auch auf Landesebene tut“,
       sagte Schmidt der taz. Er amtiert seit dem überraschenden Rückzug von
       Alexandra Thein, die aus gesundheitlichen Gründen im September als
       Parteichefin zurücktrat. Neu gewählt wird beim nächsten Parteitag im März.
       Nach jetzigem Stand will Schmidt, der bis zur FDP-Wahlschlappe 2011 im
       Abgeordnetenhaus umweltpolitischer Sprecher war, über dieses Datum hinaus
       Vorsitzender bleiben. Ob seine Partei 2016 ins Parlament zurückkehrt, ist
       sehr zweifelhaft: Im Frühjahr kam sie in Umfragen zwar erstmals seit Langem
       wieder auf 4 Prozent, doch danach sank sie erneut unter die
       Wahrnehmungsgrenze.
       
       Vor Schlömer seien schon einige vormalige Piraten in die Berliner FDP
       eingetreten, er sei jedoch der erste Prominente. „Eine Werbeaktion bei den
       Piraten werden wir aber nicht starten“, sagte Schmidt. Einem Parteieintritt
       muss stets der zuständige Ortsverband zustimmen. In der
       Abgeordnetenhausfraktion der Piraten, der mehrere Parteilose angehören,
       gibt es Absetzbewegungen Richtung FDP bislang nicht. Überlegungen zu
       Parteiwechseln oder Eintritten waren der Pressestelle am Mittwoch nicht
       bekannt.
       
       ## Breites Spektrum
       
       Auf einen zumindest optischen Unterschied zwischen
       FDP-Parteitagsdelegierten, oft in teuren Zwirn und Krawatte gewandet, und
       Piraten der Club-Mate-Generation angesprochen, verweist FDP-Chef Schmidt
       auf durchaus weniger gediegen daherkommende Teile seiner Partei. Seine
       Sicht: „Wir haben bei uns ein sehr breites Spektrum.“ Tatsächlich posiert
       etwa der Landeschef der Jungen mit Baseballkappe auf dem offiziellen Foto
       des Parteinachwuchses. Schmidt räumte allerdings ein: „Unsere Parteitage
       sind sicher langweiliger.“
       
       Schlömer selbst war am gestrigen Mittwochnachmittag bis Redaktionsschluss
       telefonisch nicht zu erreichen. Er war 2009 in die Piratenpartei
       eingetreten und Mitglied im Berliner Landesverband. Noch im selben Jahr
       wurde er Schatzmeister im Bundesvorstand, danach Vizevorsitzender und im
       April 2012 schließlich Parteichef. In seine Amtszeit fiel der gescheiterte
       Versuch der Partei, in den Bundestag einzuziehen. 2012 waren die Piraten in
       Umfragen auf bis zu 13 Prozent gekommen. Doch bei der Wahl im September des
       folgenden Jahres blieben die Piraten mit nur 2,2 Prozent der Stimmen weit
       unter der Fünfprozenthürde, die für einen Parlamentseinzug zu nehmen ist.
       
       29 Oct 2015
       
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