# taz.de -- Todeskandidat in Saudi-Arabien: EU-Parlament fordert Gnade
       
       > Das EU-Parlament fordert Saudi-Arabien auf, das Todesurteil für einen
       > Mann auszusetzen. Dieser hatte als 17-Jähriger an einer Demonstration
       > teilgenommen.
       
 (IMG) Bild: König Salman (rechts oben) könnte den verurteilten jungen Mann begnadigen.
       
       Straßburg afp | Das Europaparlament hat sich entsetzt über die geplante
       Hinrichtung eines jungen Mannes in Saudi-Arabien geäußert, der als
       17-Jähriger an regierungskritischen Protesten teilgenommen hatte. In einer
       Entschließung forderte die europäische Volksvertretung den saudiarabischen
       König Salman und die Behörden des Landes am Donnerstag auf, den jungen Mann
       zu begnadigen und sein Urteil umzuwandeln.
       
       Das Königreich Saudi-Arabien gehöre zu den Vertragsparteien des
       UN-Übereinkommens über die Rechte der Kinder, erklärte das Parlament in
       Straßburg. Dieses Abkommen verbiete Todesstrafen für Straftaten, die von
       Minderjährigen unter 18 Jahren begangen wurden.
       
       Die Abgeordneten äußerten sich zugleich „äußerst besorgt“ über den Anstieg
       der Todesurteile in Saudi-Arabien, die oft bei Massenverfahren durch den
       Sonderstrafgerichtshof verhängt würden. Dieses Gericht sei 2008 im Zuge der
       Terrorbekämpfung eingerichtet worden, werde aber zunehmend eingesetzt, um
       friedliche Dissidenten strafrechtlich zu verfolgen – aufgrund „offenbar
       politisch motivierter Beschuldigungen“.
       
       Allein zwischen August 2014 und Juni 2015 seien in Saudi-Arabien 175
       Todesurteile vollstreckt worden, heißt es in der Entschließung. Das
       Parlament erinnerte auch daran, dass dem UN-Gesandten Saudi-Arabiens in
       Genf erst vor kurzem der Vorsitz im Menschenrechtsrat der Vereinten
       Nationen übertragen worden war.
       
       Ali Mohammed al-Nimr hatte im Jahr 2012 als 17-jähriger Schüler im Zuge des
       Arabischen Frühlings an einer Demonstration für politische Reformen in der
       Stadt Katif im Osten Saudi-Arabiens teilgenommen. Er wurde wegen
       Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation und Angriffs auf die
       Polizei zum Tode verurteilt.
       
       Dem Urteil zufolge, das Ende September vom Obersten Gericht des Landes
       bestätigt wurde, soll er enthauptet und anschließend gekreuzigt werden.
       UN-Experten hatten Riad vergeblich aufgefordert, die Hinrichtung zu
       annullieren. Nach ihren Angaben wurde der Junge Mann durch Folter zu einem
       Geständnis gezwungen.
       
       8 Oct 2015
       
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