# taz.de -- Abtreibungsverbot in Irland: Referendum gefordert
       
       > Tausende Demonstranten fordern in Dublin die Legalisierung von
       > Abtreibungen. Das Verbot in der Verfassung sei menschenverachtend.
       
 (IMG) Bild: Ein Politikum: das holländische Abtreibungsschiff The Aurora in Dublin (Archivbild von 2001).
       
       Dublin taz | | Mehr als 10.000 Menschen haben am Samstag in Dublin gegen
       das Abtreibungsverbot demonstriert. Sie verlangen ein Referendum, um den
       achten Zusatzartikel aus der Verfassung zu streichen, der einem Fötus
       dieselben Rechte wie der Schwangeren zubilligt. Dieser Paragraf ist 1983
       per Volksentscheid gebilligt worden. Das Dilemma wurde spätestens 1992 mit
       dem „Fall X“ offensichtlich: Eine 14-Jährige, die nach einer Vergewaltigung
       schwanger geworden war, durfte erst nach einer Entscheidung des höchsten
       Gerichts, das einen Schwangerschaftsabbruch auch bei Suizidgefahr für
       rechtmäßig erklärte, zu einer Abtreibung nach England ausreisen.
       
       Selbst als der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte 2010 entschied,
       dass Irland ein Gesetz verabschieden müsse, um das Leben von schwangeren
       Frauen zu schützen, geschah nichts. Erst im November 2013, als die indische
       Zahnärztin Savita Halappanavar in der Universitätsklinik der westirischen
       Stadt Galway an einer Blutvergiftung starb, weil sich die Ärzte mit Hinweis
       auf das Abtreibungsverbot weigerten, den nicht lebensfähigen Fötus aus
       ihrer Gebärmutter zu entfernen, kam das Thema wieder auf die Tagesordnung.
       
       Schließlich verabschiedete die Regierung im vorigen Jahr ein Gesetz, das
       zwar eine Abtreibung bei Lebensgefahr für die Schwangere erlaubt, aber
       nicht bei Gefährdung ihrer Gesundheit, bei Vergewaltigung oder bei
       Missbildung des Fötus. Valerie Molay, Sprecherin der Migrantenorganisation
       Akidwa, sagte, damit gerieten Frauen in erniedrigende Situationen.
       
       Es gehe nicht, dass die Politiker sagen, die Zeit sei noch nicht reif für
       ein Referendum zur Streichung des umstrittenen Paragrafen, sagte Colm
       O’Gorman, der Geschäftsführer von Amnesty International Irland, auf der
       Abschlusskundgebung am Samstag: „Die Zeit mag noch nicht reif sein für die
       Politiker, aber sie ist es für uns, das irische Volk.“ Nach Umfragen
       sprechen sich 81 Prozent dafür aus, das Abtreibungsverbot aus der
       Verfassung zu streichen.
       
       Vielfach ist Irland bereits liberaler als andere europäische Länder. So hat
       die Bevölkerung in einem Volksentscheid im Mai mit überwältigender Mehrheit
       für die gleichgeschlechtliche Ehe gestimmt und hat damit als erstes Land
       der Welt dieses Recht in der Verfassung festgeschrieben. Und im Juni hat
       die Regierung erklärt, dass Transsexuelle über 18 ihr Geschlecht durch eine
       eidesstaatliche Erklärung bestimmen können.
       
       27 Sep 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ralf Sotscheck
       
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