# taz.de -- Kolumne Liebeserklärung: Korrupt, arrogant, aber aufrecht
       
       > Der Fifa-Generalsekretär muss gehen. Er soll sich beim WM-Ticketverkauf
       > bereichert haben. Schade um das ehrliche Arschloch.
       
 (IMG) Bild: Das ganze Leben ist ein Spiel: Valcke (l) und Blatter (r) vor einem portugiesischen Casino.
       
       Er mag ein Geschäftemacher sein und korrupt. Er ist ein arroganter Pinsel.
       Er hat immer den Oberlehrer gegeben. Er hat die WM-Organisatoren behandelt
       wie Sonderschüler, wenn sie es nicht geschafft haben, für die Fifa die
       Gesetzgebung des Gastgeberlandes zurechtzubiegen. Jérôme Valcke, der
       langjährige Generalsekretär des Internationalen Fußballverbands, ist ein
       Unsympath, wie er im Buche steht.
       
       Jetzt ist er von der Fifa entsorgt worden, muss mit Bestrafung rechnen,
       weil er sich beim Verkauf von teuren VIP-Tickets etwas abgezweigt haben
       soll. Auch wenn niemand damit rechnet, dass durch den Rausschmiss des
       sinistren Superfunktionärs die Fifa auch nur einen Hauch besser wird,
       freuen sich nicht wenige, dass ein weiterer Funktionär der Weltregierung
       des Fußballs gefallen ist.
       
       Ja, Valcke hat etwas getan, was er nicht hätte tun dürfen. Aber wem hat er
       eigentlich geschadet? Den Reichen und Schönen, für die es ohnehin egal ist,
       wieviel sie für ein Ehrentribünenticket bezahlen müssen? Der Ticketagentur,
       die sich von der Fifa eine Lizenz zum Gelddrucken gekauft hatte? Oder der
       Fifa selbst? Na, fließen die Tränen schon?
       
       Dabei gebührt dem Franzosen, so korrupt er auch sein mag, großer Dank.
       Seine gnadenlose Offenheit, ja Ehrlichkeit der Öffentlichkeit gegenüber,
       hat manchem erst die Augen geöffnet. Er ist, wenn man so will, ein
       ehrliches Arschloch. Unvergessen bleibt sein Satz, dass Demokratie bei der
       Organisation eines sportlichen Großereignisses eher hinderlich sei. Kein
       Geschwafel über die soziale Kraft des Fußballs, kein fußballerisches
       Weltverbesserungsgesäusel, keine entwicklungspolitischen Heilsversprechen –
       dafür die klare Ansage: Für die Fifa läuft es mit den Diktaturen einfach
       besser.
       
       Vielen Dank also, Herr Valcke, für Ihre offenen Worte! Die Fifa wird ohne
       Sie ärmer sein. Schade!
       
       18 Sep 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Rüttenauer
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Jerome Valcke
 (DIR) Fifa
 (DIR) Schwerpunkt Korruption
 (DIR) Fifa
 (DIR) Fifa
 (DIR) Fifa
 (DIR) Fifa-Präsident
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Kolumne Press-Schlag: Fifafallera
       
       Wenn der Weltfußballverband ein durch und durch mieser Verein ist, warum
       sucht man dann für diesen Sauhaufen einen besseren Kopf?
       
 (DIR) Korruptionsskandal in der Fifa: Blatters linke Hand zittert
       
       Generalsekretär Jérôme Valcke wird von allen Aufgaben entbunden. Er soll
       sich beim Ticketverkauf für die WM's 2010 und 2022 bereichert haben.
       
 (DIR) Korruption bei der Fifa: 53 Verdachtsfälle von Geldwäsche
       
       Bei den WM-Vergaben gibt es womöglich einige Unregelmäßigkeiten. Die
       Schweizer Staatsanwaltschaft geht 53 möglichen Fällen von Geldwäsche nach.
       
 (DIR) Folge des Korruptionsskandals: Fifa verschiebt Vergabe der WM 2026
       
       Die Vergabe der Turniere an Russland und Katar steht in der Kritik, die
       nächste Vergabe wird nun verschoben. Und DFB-Chef Niersbach schreibt einen
       offenen Brief.