# taz.de -- Wahlkampf in Katalonien: Die letzte „Diada“?
       
       > Parteien und Bündnisse mobilisieren am katalonischen Nationalfeiertag
       > noch mehr als üblich. Ende September stehen Regionalwahlen an.
       
 (IMG) Bild: Graffitisprayer setzten mit der Estelada Flagge (für ein unabhängiges Katalonien) ihr Zeichen in Barcelona.
       
       Madrid taz | „Via Lluire“, „Freier Weg“, heißt das Spektakel, mit dem heute
       Hunderttausende die „Diada“, den Nationalfeiertag Kataloniens, zelebrieren.
       Sie wollen sich auf einer Hauptverkehrsstraße Barcelonas versammeln. „Es
       ist die endgültige, die letzte Diada für ein neues Land“, heißt es im
       Aufruf der Bürgerbewegung Katalanische Nationalversammlung (ANC). Die
       heutige Diada sei der Startschuss zu den „wichtigsten Wahlen, die
       Katalonien je sah“, den vorgezogenen regionalen Parlamentswahlen am 27.
       September.
       
       Auf Drängen der ANC werden die beiden größten nationalistischen Parteien,
       die konservative Demokratische Konvergenz Kataloniens (CDC) und die
       Republikanische Linke Kataloniens (ERC), zusammen auf der Liste „Gemeinsam
       für das Ja“ antreten. Einziger Programmpunkt: die Unabhängigkeit
       Kataloniens. Unterstützt wird die Liste von namhaften KünstlerInnen,
       Intellektuellen sowie VertreterInnen von Bürgerinitiativen.
       
       In den letzten drei Jahren hat die Zahl derer, die für die Unabhängigkeit
       Kataloniens eintreten, zugenommen. Eine Volksabstimmung wurde von der
       Madrider Regierung des Konservativen Mariano Rajoy mit Verweis auf die
       spanische Verfassung jedoch unterbunden. Nach einer symbolischen Befragung
       der ANC im vergangenen Jahr, bei der das Ja zu einem unabhängigen
       Katalonien gewann, soll die Wahl jetzt den Weg zu einer – im Extremfall
       auch einseitig verkündeten Loslösung – ebnen.
       
       „Wenn die Leute an etwas glauben, entsteht eine ausdauernde Bewegung“,
       erklärt der bisherige Regierungschef Kataloniens Artur Mas (CDC) und warnt
       davor, dass im Falle einer Wahlniederlage „Spanien Katalonien gnadenlos
       überrollen“ werde. Mas will auch der künftigen Regierung vorstehen.
       
       Die Zentralregierung Spaniens reagiert nervös 
       
       Die in Madrid regierende Partido Popular (PP) von Mariano Rajoy reagiert
       nervös. Im Eilverfahren wird der Zuständigkeitsbereich des
       Verfassungsgerichtes geändert, damit das Gericht Mas, falls er Ernst macht,
       mit Strafe belegen kann. Verteidigungsminister Pedro Morenés bringt gar den
       Artikel 155 der Verfassung ins Gespräch. Dieser sieht vor, dass Madrid die
       katalanische Autonomie und damit Regierung und Parlament suspendieren kann.
       
       Die beiden zentralstaatlich orientierten Parteien, PP und Ciudadanos,
       wollen den Teil der Bevölkerung mobilisieren, der gegen eine Unabhängigkeit
       ist. Für die vor neun Jahren in Katalonien entstandenen Ciudadanos geht es
       laut Umfragen bei den Wahlen um Platz zwei, PP dürfte ebenso wie die
       Sozialisten im einstelligen Bereich bleiben. Katalonien straft die beiden
       großen Parteien noch mehr ab als das restliche Spanien.
       
       Das Bündnis „Katalonien. Ja, man kann“, rund um die neue Protestpartei
       Podemos, regionale Postkommunisten und Grüne, will sich nicht der Logik des
       Ja oder Nein zur Unabhängigkeit unterwerfen. „Eine Stimme für uns ist eine
       doppelte Stimme gegen Mas und gegen Rajoy“, erklärt Podemos-Generalsekretär
       Pablo Iglesias. Er unterstützt den katalanischen Spitzenkandidaten Lluís
       Rabell. Die katalanische Regierung habe die gleiche unsoziale
       Austeritätspolitik betrieben wie Rajoy in Madrid.
       
       Patriotismus sei, das Sozialsystem sowie das öffentliche Bildungs- und
       Gesundheitssystem zu verteidigen, werben sie um die Stimmen der
       EinwandererInnen aus dem restlichen Spanien. Eines der wichtigsten Themen
       ist dabei die Korruption. Mas’ CDC soll bei der Vergabe öffentlicher
       Aufträge regelmäßig drei Prozent Kommission kassiert haben. Ein Verfahren,
       das stark an die illegale Finanzierung von Rajoys PP erinnert. Iglesias
       tritt für eine Volksabstimmung in Katalonien ein, will aber gleichzeitig,
       „dass die Katalanen bleiben“. Auch sein Bündnis darf auf den zweiten Platz
       hoffen.
       
       11 Sep 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Reiner Wandler
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Katalonien
 (DIR) Spanien
 (DIR) Partido Popular
 (DIR) Podemos
 (DIR) Ciudadanos
 (DIR) Barcelona
 (DIR) Spanien
 (DIR) Katalonien
 (DIR) Katalonien
 (DIR) Spanien
 (DIR) Podemos
 (DIR) Katalonien
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Separatismus und Katalonien: Mehr als nur Mythen
       
       Viele Katalanen wünschen sich eine Loslösung von Spanien. Dahinter steckt
       neben Geschichtsbewusstsein auch die europäische Krisenpolitik.
       
 (DIR) Kommentar Regionalwahl in Katalonien: Gewählt. Verzockt?
       
       Nach der Wahl fühlen sich die Separatisten und ihre Gegner als Sieger.
       Miteinander reden wollen sie nicht. So verzocken sie das ganze Land.
       
 (DIR) Regionalwahl in Spanien: Das erwartet die Katalanen
       
       Die Katalanen haben gewählt. Ist eine Abspaltung von Spanien möglich? Was
       würde passieren, sollte Katalonien wirklich seine Unabhängigkeit erklären?
       
 (DIR) Regionalwahl in Katalonien: Die Sehnsucht nach dem Stern
       
       Im September wählen die Katalanen ihr Parlament. Der Urnengang kommt einem
       Referendum über die Unabhängigkeit der Region gleich.
       
 (DIR) Regionalwahlen in Katalonien: Separatisten treten gemeinsam an
       
       Offiziell sind die Regionalwahlen in Katalonien eine Wahl wie jede andere.
       Katalonische Separatisten treten aber gemeinsam an und versprechen die
       Abspaltung.
       
 (DIR) Innerparteiliche Demokratie bei Podemos: Kandidatenliste per Urwahl gekürt
       
       Die Abstimmung im Internet ruft aber auch Kritiker auf den Plan, die sich
       ausgetrickst fühlen. Am Spitzenplatz von Pablo Iglesias gibt es keinen
       Zweifel.
       
 (DIR) Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien: Termin für Volksabstimmung steht
       
       Am 9. November sollen die Katalonier über die Unabhängigkeit ihrer Region
       von Spanien abstimmen. Die Zentralregierung in Madrid will dagegen
       rechtlich vorgehen.