# taz.de -- Kommentar zur Schönhauser Allee: Eine verkehrte Welt
       
       > Die Konflikte um den Verkehr nehmen zu. Der Senat weigert sich aber,
       > Prioritäten zu setzen. Dabei könnte er mit Verkehrspolitik richtig
       > punkten.
       
 (IMG) Bild: Hier brettern die Autos vorbei, die Radler, auch die Tram und die U-Bahn fahren: Schönhauser Allee Arcaden.
       
       Es macht keinen Spaß, die Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg zu nutzen –
       nicht als Autofahrer, nicht als Radler, selten als Tramfahrer. Das liegt
       schlicht und einfach daran, dass dort zu viel Verkehr herrscht: Es gibt zu
       viele Autofahrer, zu viele Radler, auch die Tram ist oft voll. Und es wird
       nicht nur auf der Schönhauser Allee schlimmer werden in den nächsten
       Jahren: Die Bevölkerung Berlins wächst, entsprechend geht es auf den
       Straßen zu.
       
       Die Politik muss darauf reagieren. Doch bisher hält sich Verkehrssenator
       Andreas Geisel (SPD) fein raus: „Wir wollen nicht ein Verkehrsmittel
       bevorteilen zuungunsten eines oder mehrerer anderer“, hat er noch Ende Juni
       im taz-Interview gesagt. Das ist natürlich Unsinn, denn es wird ja bereits
       ein Verkehrsmittel bevorteilt: das Auto. Doch Pkws brauchen viel Platz,
       sind schlecht ausgelastet und mies in der Ökobilanz.
       
       ## Vorbild Schönhauser Allee
       
       Ausgerechnet die Schönhauser Allee könnte nun zu einem Symbol werden für
       einen Wechsel der Prioritäten. Ab Frühjahr sollen auf einem Teilstück
       Parkplätze wegfallen und dafür Fußgänger mehr Raum bekommen. Langfristig
       plädiert der zuständige grüne Stadtrat für eine Verdrängung des
       Autoverkehrs.
       
       Diese Veränderungen kommen genau zur richtigen Zeit: Im Herbst 2016 wird
       das Abgeordnetenhaus gewählt. Und in der Verkehrspolitik unterscheiden sich
       die Parteien wirklich noch. Eine Chance also zur Profilierung, wer die
       Stadt wirklich verändern will. Selbst die Grünen, die sich gerne als die
       einzige Radlerpartei darstellen, sind den Beweis noch schuldig, dass sie
       sich mit der Autolobby und dem Stammtisch anlegen – auch wenn sie damit
       riskieren, wieder als Verhindererpartei dazustehen.
       
       7 Sep 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bert Schulz
       
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