# taz.de -- Kommentar Britisches Jagdgesetz: Eine peinliche Niederlage
       
       > Die Scottish National Party verhinderte ein lockereres Jagdgesetz für
       > England. Nun will man die Schotten von englischen Abstimmungen
       > ausschließen.
       
 (IMG) Bild: Freude bei den Fuchsfreunden über das gescheiterte Gesetz.
       
       Englands Füchse bekommen eine Galgenfrist. Die britische Regierung wollte
       am Mittwoch das Jagdgesetz für England und Wales lockern, doch die Schotten
       verhinderten das. Die Scottish National Party (SNP), die bei den Wahlen im
       Mai 56 der 59 schottischen Sitze gewonnen hatte, kündigte an, sich diesmal
       nicht aus englischen Angelegenheiten herauszuhalten, sondern gegen das
       Gesetz zu stimmen. Damit konnte Premierminister David Cameron das Votum
       nicht gewinnen, denn zahlreiche seiner eigenen Abgeordneten wollten
       ebenfalls dagegen stimmen. Er zog die Gesetzesvorlage zurück.
       
       Es ist eine peinliche Niederlage für den Premierminister, zumal er auch die
       Abstimmung über Großbritanniens Ausstieg aus der Menschenrechts-Charta
       verschieben musste, weil eine Niederlage drohte. Falls die SNP auch künftig
       von ihrer Zusage abrückt, sich aus englischen Angelegenheiten
       herauszuhalten, wird Cameron nur noch unstrittige Gesetze durchs Parlament
       bekommen.
       
       Das Jagdgesetz ist dagegen hoch umstritten. Die Mehrheit der Bevölkerung
       ist zwar für die Restriktionen, doch als die damalige Labour-Regierung
       unter Tony Blair beschloss, dass nur noch zwei Hunde einen Fuchs aufstöbern
       und ihn vor die Flinte der Hobbyjäger treiben durften, gingen 250.000
       Menschen in London dagegen auf die Straße. Die Tories wollten nun das Jagen
       mit Rudeln von Hunden erlauben, wie es auch in Schottland gestattet ist.
       Doch ausgerechnet die SNP verhinderte das.
       
       Es geht ja bei der Sache ja auch weniger um die Füchse. Die SNP ist wütend
       auf die Tories, weil sie die weitere Machtübertragung auf das schottische
       Parlament, wie vor dem gescheiterten Referendum über Schottlands
       Unabhängigkeit versprochen, bisher nur halbherzig betrieben haben. Darüber
       hinaus wollen die Tories ein Gesetz einbringen, das den Einfluss der
       schottischen Abgeordneten im Londoner Parlament etwas beschneidet.
       
       ## Neue Entscheidung im Herbst?
       
       Die Taktik der SNP könnte jedoch nach hinten losgehen. Viele Tories
       verlangen nach dem Debakel mit dem Jagdgesetz, Schottlands Abgeordnete bei
       Abstimmungen über englische Angelegenheiten gänzlich auszuschließen.
       Sollten sie damit durchkommen, geht es den Füchsen ab Herbst dann doch noch
       an den Kragen.
       
       Der damalige Premierminister Tony Blair schrieb übrigens in seinen
       Memoiren: Wenn er überhaupt etwas bedaure, so sei es das Verbot der
       Fuchsjagd, weil er nicht verstanden habe, dass das für viele Briten zum
       Lebensstil gehöre. Füchse töten als Lebensstil? Gehört es auch zum
       Lebensstil, in andere Länder einzumarschieren und die Bewohner zu töten?
       Aber das ist eine andere Geschichte.
       
       15 Jul 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ralf Sotscheck
       
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