# taz.de -- Berliner Szene: Das alles hier
       
       > Alltag in Berlin: ein Aushilfspostbote, mehrere Verkehrsverbalverbrecher
       > und eine schnieke Münchnerin.
       
 (IMG) Bild: Das hier ist nicht Lena. Aber eine Frau, die ihre EC-Karte benutzt.
       
       Alltag in Berlin: Zwei junge Männer suchen in einem Supermarkt nach frisch
       gepresstem O-Saft. Den es, logisch, in einem Supermarkt nicht gibt. Zwei
       andere junge Männer eher aufgeplusterter Natur schreien sich an, weil der
       eine mit dem Fahrrad auf dem Gehsteig fuhr und den anderen dabei fast
       umgenietet hat. Langes Gebrüll, handgreiflich wird es nicht. Schließlich
       erkennen sie sich irgendwie wieder. „Hey, ich kenn dich, Mann.“ Dann rasche
       Entschuldigung — immer noch durchaus in höherer Lautstärke — und Handshake.
       „Ich muss weiter, Mann, deshalb.“ Der eine, der den anderen eben fast
       umgefahren hätte, schwingt sich wieder auf sein Rad und fährt weiter.
       Natürlich über den Gehsteig. Und nimmt fast eine Passantin mit.
       
       Auf dem Nachhauseweg, ich mache einen Bogen durch die Neubauviertel auf dem
       ehemaligen Mauerstreifen, hält ein junger Postbote vor mir und fragt mich
       nach einer Adresse. Ich erkläre ihm grob die Richtung. Noch ist Poststreik,
       das kann nur ein Aushilfspostbote gewesen sein. Deswegen kommt ja auch
       Lenas EC-Karte nicht in München an.
       
       Lena wiederum arbeitet beim Film, ihr Handy sieht wie ein Gameboy aus. Die
       Hülle also. Sie fiel mir auf, weil ich nicht umhinkam, bei ihrem Telefonat
       zuzuhören. Sie saß am Nebentisch im Lieblingscafé und orderte lautstark
       Bargeld übers Telefon. Bei ihrem Team. Weil sie ihre EC-Karte im Automaten
       hat stecken lassen. An sich sah sie gar nicht so verpeilt aus, im
       Gegenteil: etwas streng, blonde Haare zusammengebunden, eckige Brille,
       schöner Mund und ein Blick, der irgendwo zwischen Schlafzimmer und Büro
       hängt. Sagen wir: ein Workoholic mit Schlafzimmerblick.
       
       Schade, dass ich mich nicht traute, sie anzusprechen. Später, als ich nach
       Hause ging, bellten sich ein Fußgänger und ein Autofahrer an, diesmal
       gemischten Hintergrunds, weil der eine über Rot gegangen war.
       
       9 Jul 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Rene Hamann
       
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