# taz.de -- Streik im Erziehungs- und Sozialdienst: Billiges Ende des Kita-Ausstandes
       
       > Die Tarifparteien werden wohl dem Schlichtervorschlag folgen: Die
       > Beschäftigten in Sozialeinrichtungen und Kitas bekommen etwas mehr
       > Gehalt.
       
 (IMG) Bild: Sind zufrieden mit ihrem Schlichterspruch: Georg Milbradt (CDU) und Herbert Schmalstieg (SPD).
       
       BERLIN taz | Eltern können aufatmen: Der bislang nur ausgesetzte
       Kita-Streik dürfte endgültig beendet sein. Im Tarifkonflikt zwischen der
       Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und der Vereinigung der kommunalen
       Arbeitgeberverbände präsentierten am Dienstag Herbert Schmalstieg (SPD) und
       Georg Milbradt (CDU) ihren Schlichterspruch, dem beide Seiten folgen
       dürften.
       
       Zur Verkündung hatten der frühere Hannoveraner Oberbürgermeister und der
       Ex-Ministerpräsident Sachsens an einen außergewöhnlichen wie abgelegenen
       Ort geladen: ins altehrwürdige Schlosshotel Fürstenhof im unterfränkischen
       Bad Brückenau. Dort, wo einst der bayrische König Ludwig I. logierte,
       verkündeten die beiden Politpensionäre ein Ergebnis, das bei den im
       Erziehungs- und Sozialdienst Beschäftigten keine Begeisterungsstürme
       auslösen dürfte. Denn es ist weit von dem entfernt, was sie eigentlich
       durchsetzen wollten.
       
       Erklärtes Ziel der Gewerkschaft war es, mittels einer generellen
       Heraufstufung in höhere Tarifgruppen außerordentliche Gehaltserhöhungen von
       durchschnittlich 10 Prozent durchzusetzen. Die Arbeitnehmer hätten „sehr
       hohe Erwartungen“ gehabt, sagte Schmalstieg. „Insgesamt war es eine
       schwierige Schlichtung“, sagte Milbradt.
       
       Ihr Vorschlag enthält nun Erhöhungen in den einzelnen Berufsgruppen von 2
       bis 4,5 Prozent. Die größte Gruppe, die ErzieherInnen, würde
       durchschnittlich 3,3 Prozent mehr verdienen. Insgesamt ergäben sich für die
       Beschäftigten nach Arbeitgeberangaben Zugewinne zwischen 33 und 160 Euro.
       „Wir freuen uns, dass es uns gelungen ist, einen einvernehmlichen
       Schlichterspruch hinzubekommen“, sagte Milbradt. Er hoffe, „dass wir das
       Thema Streik damit zu den Akten legen können“.
       
       Auf einer bundesweiten Streikdelegiertenkonferenz am Mittwoch in Frankfurt
       am Main will Verdi über den Schlichterspruch beraten. In einer ersten
       Bewertung signalisierte die Gewerkschaft jedoch bereits Zustimmung. Die
       „generelle und überfällige Aufwertung des gesamten Berufsfeldes“ sei zwar
       „noch nicht erreicht“ worden. So hätten sich bei den SozialarbeiterInnen
       „nur geringfügige Verbesserungen, und auch nur für einen Teil der
       Beschäftigten, erreichen“ lassen. Insgesamt sei das Ergebnis aber ein
       „wichtiger Schritt in die richtige Richtung“.
       
       ## „Deutlich unter den Gewerkschaftsforderungen“
       
       Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände begrüßte den
       Schlichterspruch ebenfalls. „Wir haben diesem Ergebnis zugestimmt, um die
       Belastungen für die Kinder und ihre Eltern durch die Streiks endgültig zu
       beenden“, sagte der Lüneburger Oberbürgermeister Ulrich Mädge.
       
       Die finanziellen Auswirkungen seien zwar für die Kommunen „außerordentlich
       schwierig“, sagte Mädge. Aber das Gesamtvolumen läge „deutlich unter den
       Gewerkschaftsforderungen“. So bleibe das Gesamtsystem der Gehaltstabelle
       für den Sozial- und Erziehungsdienst unverändert, nur für 8 der 17
       Entgeltgruppen würden die Werte angehoben.
       
       Sollten Gewerkschaft und Arbeitgeber dem Schlichterspruch folgen, könnte
       der neue Tarifvertrag ab Juli 2015 in Kraft treten und dann für fünf Jahre
       gelten. Geplant ist, dass unmittelbar nach der Verdi-Streikkonferenz noch
       am Mittwoch in Offenbach die Verhandlungen fortgesetzt werden. Am
       Donnerstag könnte dann der endgültige Tarifabschluss stehen.
       
       24 Jun 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Pascal Beucker
       
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